„Die Musik hat mein Leben bereichert und erleichtert“

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Johnny Ciriello ist ein begnadeter Gitarrenspieler und -lehrer. Halb Hechingen wurde von ihm unterrichtet.  Foto: 

Johnny Ciriello ist in der Zollernstadt eine Institution. Halb Hechingen hat er das Gitarrenspiel beigebracht, darüber hinaus in seinem eigenen Studio unzählige Gitarren restauriert und repariert. Über Jahrzehnte hat er außerdem in zahlreichen Tanzbands mitgespielt. Jetzt, im Alter von 70 Jahren, möchte er etwas kürzer treten, seinen Ruhestand genießen.
Dessen ungeachtet wird er seine aktuellen Gitarrenschüler weiterhin betreuen und auch sein Studio bleibt (noch) Anlaufstation für Musiker mit reparaturbedürftigen Gitarren – wenn auch zu flexibleren Öffnungszeiten. Mittelfristig jedoch würde er sein Geschäft gerne an einen ebenso leidenschaftlichen Gitarrenfan übergeben.

In der Rückschau auf die vergangenen über fünf Jahrzehnte wird klar: Johnny Ciriello hatte das Glück, sein Hobby zum Beruf machen zu können. 1965 kam er, in Neapel geboren und aufgewachsen, nach Hechingen. Dort gab es Arbeit für den Vater – und den Sohn. Mit ihm verließen auch die Mutter und zwei Schwestern ihre italienische Heimat, um am Fuße der Burg Hohenzollern einen Neuanfang zu wagen.

Johnny Ciriello fand zunächst Arbeit in der Färberei der Aviona, als er die deutsche Sprache zunehmend besser beherrschte, wechselte er in deren Werkstatt. Und weil es „schon als kleiner Junge mein größter Wunsch war, Gitarre spielen zu können“, kaufte er sich von seinem ersten selbst verdienten Geld sein erstes Saiteninstrument. 350 Mark hat es gekostet, bezahlt hat er es in monatlichen Raten zu 50 Euro.

Fortan verbrachte er seine freie Zeit damit, sich selbst das Notenlesen und Gitarrenspiel beizubringen. Später kamen ein paar Unterrichtsstunden bei der Gattin eines klassischen Gitarristen aus Hechingen dazu; danach besuchte er Seminare in Tübingen und hoch im Norden Deutschlands. Sein steter Anspruch: sein Können zu perfektionieren.

Zu der Zeit gab der heute 70-Jährige bereits Unterricht und war Mitglied gleich mehrerer Tanzbands. Bei einem Auftritt mit den „Amapolas“ lernte Johnny Ciriello seine spätere Frau Helga kennen. Geheiratet haben die beiden 1971. Heute sind sie stolze Eltern zweier Kinder und Großeltern zweier Enkel.

Seine ersten gemeinsamen Jahre verbrachte das Ehepaar Ciriello in der Marktstraße – für den Gitarrenunterricht wurde im Wohnzimmer Platz gemacht. Auch nach dem Umzug ins ehemalige alte Schloss Ende 1975 (dort lebte die Familie bis 1998) empfing Johnny Ciriello seine Gitarrenschüler im Wohnzimmer.

Im Januar 1987 erfüllte sich für den leidenschaftlichen Musiker ein weiterer Traum: Er eröffnete sein eigenes Gitarrenstudio. Fortan war er nicht mehr allein Lehrer, sondern auch Restaurator, Reparateur und Verkäufer von Gitarren (samt Zubehör).

Die Musik – sie war und ist Johnny Ciriellos Leben. Als er Anfang der 2000er-Jahre schwer erkrankte, habe sie, ist er überzeugt, zu seiner Heilung beigetragen. Denn nie habe er die Freude an ihr verloren. „Die Musik“, sagt er, „hat mein Leben bereichert und erleichtert“. Trotzdem würde er rückblickend heute eines nicht mehr tun: Seine Frau Helga so oft alleine lassen – denn klar ist, dass die Auftritte mit seinen Tanzbands meist aufs Wochenende abonniert waren. Ein schönes Gefühl sei es dennoch gewesen, wenn seine Mitstreiter und er das Publikum mit ihrer Musik begeistern konnten. Dafür ist er bis heute dankbar – vielleicht auch ein Grund dafür, dass er mit den „Amoradas“ noch immer ein paar Mal im Jahr einen Gig hat. Ein weiterer Grund: „Musik hält die grauen Zellen aktiv.“ Ebenso dankbar ist Johnny Ciriello seinen unzähligen Schülerinnen und Schülern, seinen Kunden und musikalischen Wegbegleitern. Mit ihnen allen verbindet er viele schöne Erinnerungen, die er keinesfalls missen möchte.

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