"Wohlfühlwelt" statt Militärareal

Jetzt ist es amtlich. Franz Tress hat das Alte Lager gekauft. Von November an gehört das rund 70 Hektar große Areal dem Investor aus Münsingen, der aus der Soldatensiedlung eine "Wohlfühlwelt" machen will.

JOACHIM LENK |

Was im überregionalen Teil unserer Zeitung schon angekündigt war, ist jetzt vollzogen und notariell beurkundet: der Verkauf des Alten Lagers in Münsingen. Investor Franz Tress sowie Michael Scharf und Angela Gänzle von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) unterschrieben die Verträge. "Ich freue mich", sagte ein sichtlich zufriedener Tress. "110 Jahre militärische Nutzung und zehn Jahre Dornröschenschlaf gehen zu Ende."

"Hut ab vor dem, der in der heutigen Zeit in ein solches Projekt investiert. Da gehört viel Herzblut dazu", lobte Scharf. Vor ein paar Jahren hatte die Stadt Münsingen, die ebenfalls kurzzeitig Interesse am Alten Lager hatte, ausgerechnet, dass allein in die Infrastruktur rund 4,5 Millionen Euro investiert werden müssen.

Über den Verkaufspreis schwiegen sich die Vertragspartner aus. Beide lobten indes die Vertreter der Stadt, des Landratsamtes, des Regierungspräsidiums und des Staatsministeriums. Ohne deren Mithilfe wäre man sicher nicht so zügig vorangekommen, sagten beide übereinstimmend. Vom 1. November an gehen alle mit der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben geschlossenen Verträge auf die Betreibergesellschaft Albgut GmbH über. Im Alten Lager gibt es derzeit 60 Mieter, die Gebäude und Hallen in einer Größenordnung von 50 bis 500 Quadratmetern gemietet haben. Dazu zählen neben verschiedenen Handwerksbetrieben und Firmen auch die Daimler AG, die Verkehrswacht Reutlingen-Münsingen und das Militärhistorische Museum. Derzeit gibt es zudem noch einen Vertrag mit dem Landratsamt Reutlingen, das sechs Gebäude für bis zu 250 Asylbewerber angemietet hat. "Dieser endet am 30. April 2016", antwortete Tress auf Nachfrage.

Während des jetzt in Auftrag gegebenen Bebauungsplanverfahrens werden von November an parallel dazu Instandsetzungs- und Sanierungsmaßnahmen laufen. Danach beginnt der erste von zwei Bauabschnitten. In zehn Jahren soll die "Wohlfühlwelt" im "Albgut"-Ressort fertig sein. "Unser Bestreben ist, die Wirtschaft, die Umwelt und Soziales in Einklang zu bringen." Im Bereich Soziales sieht Tress vor, Wohnraum, Arbeits- und Ausbildungsplätze für sozial Schwache und Menschen mit Migrationshintergrund zu schaffen. Der Investor geht davon aus, dass im Alten Lager in den nächsten Jahren mehr als 100 neue Arbeitsplätze entstehen.

Tress gehört vom kommenden Monat an nicht nur das rund 70 Hektar große Alte Lager, sondern weitere 20 Hektar Fläche drumherum. Unter anderem das ehemalige Wohngebiet Am Kapf, wo bis vor ein paar Jahren neun Häuser für Bundeswehrangehörige gestanden haben. Die wurden inzwischen abgerissen. Der ehemalige Fernmeldeturm Gonio, den einst das französische Militär auf einer Anhöhe neben dem Hochbehälter Hornwald bauen hat lassen, steht noch und gehört demnächst ebenfalls dem Investor.

Münsingens Bürgermeister Mike Münzing zeigte sich hoch erfreut darüber, dass nun endlich, knapp zehn Jahre nach dem Abzug der Soldaten, die Zukunft des Alten Lagers gesichert "und in guten Händen" sei. "Albgut" sei auch für die Weiterentwicklung der Stadt von großer Bedeutung: "Dieses Projekt wird der Alb und dem Biosphärengebiet neue Impulse geben."

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