Wir sind der Folk

Tübingen.  Alternative, Root oder Neo? Die 27-jährige Brandenburgerin K.C. McKanzie bringt mit ihrem Crossover zwischen Bluegrass und Blues einfach nur gefühlvollen Folk auf die Bühne - einfach nur gut.

Starke Frauen mit faszinierenden Stimmen haben die Folk-Szene in Jahrzehnten geprägt. Starke Männer bevorzugen dagegen meist die härtere Gangart.

K.C. (sprich: "Käisih", so der Spitzname von Katalin Zenker) McKanzie, die 27-jährige Brandenburgerin, die seit zehn Jahren in Berlin lebt, ist solch eine starke Frau. Allein schon die Stimme, die melancholisch, dunkel, glasklar, betörend oder fordernd sein kann, würde sie zu einer veritablen Folk-Lady machen. Melanie Safka, June Carter, Joan Baez oder Joni Mitchell meint man herauszuhören, auch Jüngere wie Katie Melua oder Suzanne Vega.

K.C. hat verinnerlicht, was gute Folkmusik letztlich ausmacht - Gefühl. Und das in der ganzen Bandbreite zwischen Schwermut, Sehnsucht, Lust und Lachen. Damit hat sie mittlerweile "drei Alben, die eigentlich vier sind" herausgebracht, die erste "Weird tunes from a wild mind" 2004 noch im Eigenverlag, "The widow tries to hide (2006), "Hammer & Nails" (2008) und nun jüngst "DryLand" als CD und als wiederbelebtes Vinyl.

Doch K.C. ist nicht nur Sängerin, sie ist auch ambitionierte Musikerin. "Ich habe ein Herz für Schrottinstrumente, bevors jemand wegwirft - oder seinen Kindern gibt, zum spielen", verrät sie beim Bühnentalk mit ihrem kongenialen Partner Joe Budinski, wie sich Christoph Butenop, kurz Budi, auf der Bühne nennt. Ihr "Banjo-sharing" - mal er, mal sie spielen - bringt ganz unterschiedliche Facetten des typischen Bluegrass- und Hillbilly-Saiteninstruments zur Geltung.

Während K.C. hochkonzentriert an der Gitarre agiert, gibt Budi in bester Boogiewoogie-Manier den Show-Man am Kontrabass - im gestreiften Jackett. Ihr Outfit hingegen ist eine klare Reminiszenz an den als bieder verrufenen Country-Style - aber zum Glück kein Stetson weit und breit.

Denn der Stilmix, den die Singer-Songwriterin im Duo erarbeitet hat, sprengt solche Grenzen spielerisch. Balladen der Old-Time-Romantik wechseln mit minimal instrumental untermalten vertonten Kinderreimen, treibende Bluegrass-Songs mit hintergründigen Texten werden gegen melancholische Bluesstücke ("Mit maximal drei Akkorden und immer Scheiße drauf") gesetzt. Das Augenzwinkern ist unübersehbar, doch K.C. spielt mit den Stilmitteln, ohne sie bloßzustellen, sie wirkt jederzeit glaubwürdig, authentisch. Das gibt ihr durchaus Chancen, dass sich irgendwann ihr großer Traum erfüllt, einmal in der Grand Ole Opry in Nashville/Tennessee, dem Country-Tempel, aufzutreten.

Budis Part ist der des Multifunktionalen. Der "Mitarbeiter des Monats" im K.C.-Shop hämmert bei "Hammer & Nails" auf den Pflasterstein, streift sich die Schelle ("Unser Schlagzeuger") über den Fuß, schlägt die Maultrommel oder schlegelt sanft als "Drummin Bass" den hölzernen Klangkörper. Wirklich erstaunlich, wie das Duo mit wechselndem Instrumentarium und ungewöhnlichen Zutaten einen intensiven Klangteppich webt, von dem sich das Publikum im vollen Sudhaussaal wohlig umhüllen lässt.

Vollends zum Gesamtkunstwerk, zum vielbejubelten Event wird der Gig durch die Dialoge und Plaudereien der beiden mit dem Auditorium - "so seid ihr also drauf?!" Das frauen-lastige Tübinger Publikum honoriert die Dramaturgie der Stückewahl - als angesagtes letztes Stück das dynamische Country-Duett von Gitarre und Banjo über eine vom Heimweh geplagte Farmerstochter - mit langem Applaus. Zum Dank gibts zwei Doppelzugaben.

Ermöglicht hat den Auftritt Singer-Songwriter-Kollege Vic Weaver. Der in der Unistadt heimisch gewordene gebürtige Prager Victor Kadlec (= Weber = Weaver) hatte als Special Guest den Abend eröffnet und auf brillante Folkmusik mit Gitarre und Gesang eingestimmt. Dass am Ende die auswärtigen Gäste so viel Begeisterung einheimsten, sah auch er im Background mit Freude.


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Autor: PETER U. BUSSMANN | 23.01.2010

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