Windpark im "Dreiländereck"
Rangendingen/Grosselfingen/Haigerloch. Wenn es um Windkraft geht, trägt Baden-Württemberg die rote Laterne. Noch. Denn bald sollen sich die Windräder kräftig drehen - wie im "Dreiländereck" zwischen Rangendingen, Grosselfingen und Haigerloch.
Der Melchinger Himmelberg, der bislang einzige Windkraftstandort, bekommt Konkurrenz. Der Zollernalbkreis hängt sich dran an die Energiewende im Ländle und will die Windkraft pushen. Die grün-rote Landesregierung will den Anteil der Windkraft am Stromverbrauch bis zum Jahr 2020 von derzeit einem Prozent auf zehn Prozent hochschrauben.
Früher hieß es immer: In Baden-Württemberg weht zu wenig Wind. "Das war Unsinn", stellt Umweltminister Franz Untersteller fest. "Es gibt bei uns viele Standorte, da weht der Wind wie an der Nordsee." Die Angst der Leute vor einer "Verspargelung der Landschaft" kontert der Minister mit dem Versprechen: "Es wird keinen Wildwuchs geben, wir streben an, die Anlagen konzentriert in Vorranggebieten zu bauen."
Im Zollernalbkreis gibt es zwei Vorranggebiete, die im Regionalplan festgeschrieben werden sollen: eines in Burladingen (am Geißbühl bei Salmendingen) und das zweite im sogenannten "Dreiländereck" zwischen Rangendingen, Grosselfingen und Haigerloch. Dort, in einem etwa 180 Hektar großen Gebiet südwestlich von Rangendingen, wo die drei Gemarkungsgrenzen zusammentreffen, etwa im Bereich "Hohe Wacht", sollen acht Windräder aufgestellt werden. Nach dem neuen Windenergieatlas ist dieses Gebiet für die Aufstellung von Windrädern besonders geeignet. "Windhöffigkeit" nennt man das. Ein Grosselfinger, der dort gestern bei Eiseskälte mit dem Hund spazieren war, weiß, was die Planer meinen: "So zugig wie hier ists nirgends."
Während man sich mit dem Thema regenerative Energien leicht anfreunden kann, scheint der Gedanke an 140 Meter hohe Windräder vor der Tür abzuschrecken. Aus Hart zum Beispiel kamen bereits Proteste gegen den geplanten Windkraftstandort. Für mehr Akzeptanz und Transparenz in den betroffenen Gemeinden soll die öffentliche Informationsveranstaltung am kommenden Montagabend, 6. Februar, in der Rangendinger Mehrzweckhalle sorgen (siehe Info-Kasten).
Rangendingens Bürgermeister Johann Widmaier plädiert dafür, steuernd einzugreifen, um nicht Projektentwicklern Tür und Tor zu öffnen. Es herrscht nämlich Goldgräberstimmung in der Windenergiebranche. Findige Unternehmer versuchen sich im Ländle mit ihren Windrädern zu positionieren, bevor im September das Landesplanungsgesetz in Kraft tritt, durch das die Anlagen emissionsschutzrechtlich pauschal abgesegnet werden.
"Wir sind zum Handeln gezwungen", stellt Widmaier fest. Wenn Rangendingen, Grosselfingen und Haigerloch nicht ein gemeinsames schlüssiges Planungskonzept vorlegen, ist die "Verspargelung" programmiert. "Das wollen wir verhindern", betont Widmaier. Die Windkraftanlagen an einer Stelle zu bündeln, sei die bessere Lösung.
Zum Planungskonzept gehören und am Montag vorgestellt werden sollen auch die Möglichkeiten der Bürgerbeteiligung, etwa in Form einer Energiegenossenschaft. Kommunen, Bürger und verlässliche Kooperationspartner wie die EnBW in einem Boot können finanziell vom Windpark "Dreiländereck" profitieren. Außerdem winken Gewerbesteuereinnahmen.
Von forstwirtschaftlicher Seite aus wäre der Standort übrigens unbedenklich. Im Fokus der Regionalplaner sind laut Forstdirektor Hermann Schmidt ehemalige, von Sturm Lothar geschlagene Kahlflächen. Damit werde der Eingriff in die Natur möglichst gering gehalten.
Info Den genauen Standort des Vorranggebietes Grosselfingen/Rangendingen/Haigerloch mit allen Details veröffentlicht der Regionalverband Neckar-Alb etwa Mitte Februar auf seiner Homepage www.rvna.de. Gleichzeitig beginnt die Offenlage des Regionalplanes, bei der alle Träger öffentlicher Belange gehört werden (Frist: drei Monate) bei der auch die Bevölkerung (Frist: einen Monat) die Möglichkeit besteht, Anmerkungen und Bedenken zu äußern.
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Autor: ANDREA SPATZAL | 04.02.2012
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Nur fünf Kilometer Fußmarsch sind es vom Wanderparkplatz bei Grosselfingen bis Owingen.
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