Verschlungene Wege

Hechingen.  Friedrich Wolf, Berthold Auerbach, Samuel Mayer. Es sind klangvolle Namen aus der jüdischen Geschichte Hechingens, deren Träger auch weit über die Grenzen der Zollernstadt hinaus Bedeutung hatten.

Anlässlich des Europäischen Tages der jüdischen Kultur findet an diesem Sonntag, 5. September, eine Stadtführung unter dem Titel "Auf jüdischen Spuren durch Hechingen" statt. Der Treffpunkt ist am Marktplatzbrunnen um 15 Uhr, Veranstalter ist das städtische Bürger- und Tourismusbüro.

Stadtführerin Johanna Werner wird neben allgemeinen Ausführungen zur jüdischen Geschichte Hechingens insbesondere der Frage nachgehen, welchen Beitrag die jüdischen Mitbürger zur Kultur der Stadt beigetragen haben. Dabei werden aus dem großen Kreis der Hechinger Juden sechs Persönlichkeiten vorgestellt. Zum einen sind dies drei Persönlichkeiten aus dem religiösen Leben, nämlich der Rabbiner Dr. Samuel Mayer, Verfasser des Werkes "Geschichte der Israeliten in Hohenzollern-Hechingen und einer großen Anzahl von Gedichten, Toraschreiber Josef Rubin sowie der Lehrer, Rabbinatsverweser und Vorsänger Leon Schmalzbach. Letzterer war in klassischer Musik ausgebildet und wirkte ebenfalls als Solist, Komponist und Chorleiter.

Nur wenige Jahre verbrachten jeweils Berthold Auerbach, Autor der "Schwarzwälder Dorfgeschichten", und der Arzt, Schriftsteller und Politiker Dr. Friedrich Wolf in Hechingen. Wolf schrieb hier den medizinischen Leitfaden "Die Natur als Arzt und Helfer". Und schließlich geht es auch um Karl Löwengard, den Fabrikanten und Kunstsammler. Dessen Sammlung von "Zollerana" bildet mit den Grundstock der Sammlung des Hohenzollerischen Landesmuseums im Alten Schloss.

Johanna Werner erzählt kurzweilige Episoden und Anekdoten über die Genannten und sie zitiert aus ihren Werken, zum Beispiel aus dem Text "Waren Sie schon einmal in Florenz? - Nein, aber in Hechingen" von Berthold Auerbach. Der Rundgang führt auf verschlungenen Wegen durch die Oberstadt und endet in der Alten Synagoge.

Am Sonntag findet der Europäische Tag der Jüdischen Kultur bereits zum elften Mal statt. In Baden-Württemberg, dem Elsass und zahlreichen anderen Ländern und Regionen soll er dazu beitragen, das europäische Judentum in seiner Geschichte, seinen Traditionen und Bräuchen näher kennen zu lernen. Die diesjährigen Aktionen steht unter dem Motto "Kunst und Judentum", nahm doch die Kunst und das Verlangen nach Ästhetik einen bedeutenden Platz im religiösen Leben der Juden ein. Die Besucher können Gedenkstätten, Synagogen und jüdische Friedhöfe besichtigen oder Vorträge, Lesungen, Ausstellungen und Konzerte besuchen.

Das Veranstaltungsprogramm steht im Internet unter www.gedenkstaetten-bw.de/2384.html.


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02.09.2010

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