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Teer wird teuer

Wer große versiegelte Flächen auf dem Grundstück hat, muss sich künftig auch in Jungingen auf eine höhere Abwasserrechnung einstellen. Jetzt stehen die Maßstäbe für die neue Gebührenordnung fest.

HARDY KROMER |

Die gesplittete Abwassergebühr wird im nächsten Jahr auch in Jungingen greifen. Im Kern bedeutet dies, dass die Abwassergebühr künftig nicht mehr allein nach dem Frischwasserverbrauch berechnet wird, sondern dass eine getrennte Kalkulation erfolgt. Außer dem Schmutzwasser wird künftig auch ermittelt, wie viel Regenwasser von jedem Grundstück in die Kanalisation fließt.

Genau dies festzustellen, ist landauf, landab eine höchst komplizierte Prozedur. Seit der Gemeinderatssitzung am Donnerstagabend ist man in Jungingen ein Stück weiter. In Zusammenarbeit mit den Fachplanern vom Tübinger Ingenieurbüro Heyder + Partner wurde festgelegt, welche Faktoren bei der Ermittlung der Flächenversiegelung herangezogen werden.

Schnell wurde deutlich, dass es, wenn es bei Gründächern, Pflastersteinen und Regenwasserzisternen ins Detail geht, mehr Meinungen gibt als Köpfe am Ratstisch. Hans-Peter Pröpster zeigt kein Verständnis dafür, dass wasserdurchlässige Steine bei den Versiegelungsfaktoren nicht günstiger behandelt werden als "die alten Betonsteine". Und Martin Weinschenk fand es höchst ungerecht, dass Regenwasserzisternen, die zur Brauchwasserentnahme genutzt werden, mehr belohnt werden als Zisternen, die nur zur Gartenbewässerung dienen.

Bürgermeister Harry Frick zeigte jedoch keine Neigung, an einem "Junginger Modell" zu stricken, um jedes Detail extra zu regeln. Kämmerer Michael Henne betonte, dass die ganze Angelegenheit für die Verwaltung auch noch handhabbar sein müsse. Der Tenor: Man könnte 100 verschiedene Abflussfaktoren einführen und würde trotzdem keine 100-prozentige Gerechtigkeit erzielen. Gustolf Kohler plädierte schließlich energisch dafür, sich um der Rechtssicherheit willen dem Modell anzuschließen, das der Gemeindetag ausgearbeitet hat. Und dem folgte das Gremium schließlich bei Martin Weinschenks Gegenstimme. Damit gilt, dass vollständig versiegelte Flächen (Dächer, asphaltierte Höfe, Beton- und fugendichte Pflasterflächen) den Abflussfaktor 0,9 erhalten und die Fläche damit zu 90 Prozent angerechnet wird.

Zu 60 Prozent (Faktor 0,6) angerechnet werden stark versiegelte Flächen. Dazu zählen fugenoffene Flächen mit Pflaster, Platten, Verbundsteinen etc.

Nur zu 30 Prozent (Faktor 0,3) berücksichtigt werden wenig versiegelte Flächen (mit Kies, Schotter, Schotterrasen oder Rasengittersteinen).

Gründächer, die bis zu zwölf Zentimeter dick sind, werden zu 60 Prozent angerechnet. Dickere Gründächer zu 30 Prozent.

Vergünstigungen gibt es für Regenwasserzisternen, die mindestens drei Kubikmeter fassen, und für Versickerungsanlagen.

Das Verfahren sieht vor, dass die versiegelten Flächen der einzelnen Grundstücke auf Luftbildern ausgewertet werden. Die Bürger bekommen dann mitgeteilt, welche Abflussfaktoren ihnen zugewiesen wurden, und erhalten dann vier Wochen Zeit, diese Angaben zu korrigieren. Erst wenn dem Rathaus alle Werte vorliegen, wird sich zeigen, wer künftig mehr zahlen muss und wer entlastet wird.

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