Seit 25 Jahren volles Programm

Hechingen.  Das aktuelle Halbjahresprogramm des Vereins Alte Synagoge steht unter besonderen Vorzeichen: Seit 25 Jahren werden im wieder eröffneten jüdischen Gotteshaus systematisch Programme veranstaltet.

Nach dem bereits eindrucksvoll begangenen Holocaust-Gedenktag wird am Donnerstag, 15. Februar, ab 19 Uhr der Wessinger Historiker Paul Münch zu einem Thema sprechen, das immer wieder neue Aktualität beansprucht: Die physiognomische Ausgrenzung von Angehörigen einer anderen Religion. Münch wird zeigen, dass diese Praxis, die gegenüber den Juden zu entsetzlichen Folgen führte, auch schon innerhalb des Christentums selber eine große Rolle spielte. Hinter dem launigen Titel "Judennasen, Christusgesichter, Mönchsvisagen" verbirgt sich spannende Geschichte, die unbedingt in Erinnerung gerufen werden sollte. Dr. Paul Münch ist emeritierter Professor für Geschichte an der Universität Duisburg-Essen und in Hechingen durch zahlreiche Vorträge bekannt.

Am Dienstag, 1. März, 19 Uhr, wird die bei Reutlingen lebende israelische Künstlerin Revital Herzog humorvolle Weisheitsmärchen und aus dem Alltag entnommene Mutmachgeschichten aus Judentum und Orient vortragen und auf dem Akkordeon dazu Klezmer und andere traditionelle Klänge spielen.

Das Gymnasium Haigerloch wird am Dienstag, 12. April, ab 20 Uhr die Schönheit und Geschichtsträchtigkeit der Synagoge für eine Thema nutzen, das dringend immer wieder einer Bearbeitung bedarf - die Bücherverbrennungen 1933. Die Lehrerin Donata Miehe wird mit ihren Schülerinnen und Schülern eine Gedenkveranstaltung gestalten, bei der eine Auswahl aus Biographien und Werken betroffener Dichter und Schriftsteller vorgelesen wird, unterlegt mit Musik aus dem Bereich "Entartete Musik"; von Komponisten also, die unter der Nazi-Herrschaft systematisch zum Schweigen gebracht wurden.

Unter dem Thema "Jiddisch" wird am Dienstag, 17. Mai, ab 18.30 Uhr das Gymnasium Hechingen ein Erinnerungsprogramm gestalten, an dem neben den Musiklehrern Karin Kuhner und Wolfgang Nägele mehr als 50 Schüler mitwirken. Es kommen jiddische Lieder und Klezmer-Stücke zum Vortrag. Dazu werden Texte von bekannten jiddisch schreibenden Autoren vorgelesen.

Der Vorstand der Alten Synagoge ist sehr beeindruckt, dass die Schulen selbst diese Themen aufgreifen und damit auch die heutigen jungen Generationen mit Hilfe aufgeschlossener Pädagogen sie neu für sich entdecken.

Am Dienstag, 7. Juni, spricht um 20 Uhr der bekannte Tübinger Psychoanalytiker Dr. Rainer Funk zum Thema "Erich Fromms Menschenbild und seine jüdischen Wurzeln". Funks Vorträge sind immer gut besucht, weil er es als letzter Mitarbeiter Fromms und Herausgeber dessen Schriften versteht, sehr authentisch über den bedeutenden Psychologen und Soziologen zu sprechen.

Am Samstag, 25. Juni, wird ab 20 Uhr die Gruppe und achtköpfige Band Gentil Cuer (Schöne Seele), die Mitglieder in Hechingen hat, dem aus Wien stammenden jüdischen Dichter Theodor Kramer (1897-1957) ein Konzert widmen.

Die Schauspielerin und Sängerin Martina Roth aus Trier wird am Dienstag, 28. Juni, ab 20 Uhr Gedichte von Nelly Sachs (1891-1970) und Selma Meerbaum-Eisinger (1924-1942) rezitieren und Vertonungen von Johannes Conen, der mit der Gitarre begleitet, singen.

Johanna Werner gestaltet zwei Führungen. Die eine ist am Sonntag, 5. Juni, für Kinder und Jugendliche (Treffpunkt 15 Uhr an der Alten Synagoge). Die andere folgt am Tag der Europäischen Kultur, am Sonntag, 5. September, und ist dem "Leben und Wirken des letzten Hechinger Rabbiners Samuel Mayer" gewidmet (15 Uhr an der Synagoge).


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Autor: NORBERT KIRCHMANN | 05.02.2011

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