Raus in den Dauerfrost

Hechingen.  Väterchen Frost heißt dieses Jahr Cooper und beschert uns auch tagsüber zweistellige Minusgrade. Da reichen Mütze, Schaal und Jacke nicht mehr aus, besonders bei Menschen, die draußen im Einsatz sind.

Kaum hat sich Frank Steinhilber zu seiner Schicht am Bordcomputer des ADAC-Einsatzautos angemeldet, erscheint auf dem Display der erste Notfall: "Auto springt nicht an". Eines von vielen in diesen frostigen Tagen. Der Straßenwachtmeister lässt den Motor an und auf geht es, von Belsen nach Bodelshausen. Eine kleine Distanz, denn Frank Steinhilbers Einsatzgebiet erstreckt sich normalerweise von Villingen-Schwenningen bis zum Stuttgarter Flughafen.

Es ist früher Nachmittag und Frank Steinhilber kann die hohe Zahl der Einsätze bestätigen: Schon jetzt zeigt sein Boardcomputer rund 5800 Einsätze in Württemberg und Bayern an. "Das wird wohl ein anstrengender Arbeitstag", sagt er und stellt seinen Einsatzwagen vor einem dunkelblauen Auto ab.

"Die Anzeige für das Öl leuchtet", erklärt der Besitzer. Frank Steinhilber öffnet die Motorhaube und leuchtet mit einer Taschenlampe in das Innenleben des Vehikels, das bei den Minusgraden wohl auch nicht mehr so richtig mag. "Tja, das muss wohl in die Werkstatt nach Hechingen." Abschleppstange montiert und den Besitzer noch schnell eingewiesen: "Bitte lenken und bremsen nicht vergessen!" Dann geht es ab in die Werkstatt. "Diese Einsätze sind gerade häufig", erklärt Frank Steinhilber. Und wenn die Temperaturen unter 20 Grad fallen, wird auch gerne mal der Diesel sulzig. Machen kann man da eigentlich gar nichts. Vorbeugen kann man nur dadurch, dass man zumindest das Kühlwasser wintertauglich macht und das frostsichere Scheibenwischwasser in der richtigen Mischung in die Spritzanlage füllt. Steinhilber empfiehlt auch einen Enteiser, den man am besten immer in der Tasche mit dabei hat, falls das Türschloss gefroren ist.

Frank Steinhilber hat den ersten Einsatz erfolgreich absolviert: Das Auto steht in der Werkstatt, der Rest ist Arbeit der Automechaniker. Bei ihm blinkt schon wieder der Bordcomputer: Nächster Einsatz ist in Tübingen. Und wer hätte es gedacht: Es springt mal wieder ein Auto nicht an.

Esther Fernandez kümmert es nicht, wenn ihr Auto liegen bleibt. Die HZ-Zustellerin macht alles zu Fuß, auch bei den Temperaturen des Kältehochs Cooper. Los geht es um 2.30 Uhr. Ihr Zustellgebiet ist der Stockoch in Hechingen. Etwa eine Stunde braucht sie, um die 90 Exemplare der Hohenzollerischen Zeitung zu verteilen. "Momentan geht es wegen der Glätte und Kälte etwas länger", sagt Esther Fernandez. Sie habe aber Glück, denn der Stockock sei ein bisschen geschützt und es gebe auch nicht so viele Treppen. Problematisch sei nur, dass das Zeitungspapier durch die Kälte härter und sich dadurch schlechter falten lassen würde.

"Ich war auf die Kälte vorbereitet. Es ist zwar unangenehm, aber es gab schon schlimmere Tage", sagt Esther Fernandez. Zu ihrer Vorbereitung gehört es, zwei lange Unterhosen - eine aus Angora - eine normale Hose, selbstgestrickte Socken und Winterstiefel anzuziehen. Außerdem trägt sie zwei Fleece- und eine normale Jacke. Sie empfiehlt den Zwiebellook, denn "wenn man schwitzt geht es nach hinten los. Man sollte weder schwitzen, noch frieren. "Das schlimmste sind das Gesicht und die Ohren, trotz Mütze." Die Arbeit hält sie fit: "Ich bin nie krank."

Ganz andere Sorgen macht sich Martin Bautle, Leiter des Jakobushauses in Endingen, das von der Caritas Schwarzwald-Alb-Donau betrieben wird und sich um Wohnungslose kümmert. Die Zahl der Obdachsuchenden sei leicht angestiegen. "Uns machen aber die Leute Sorgen, von denen wir wissen, dass sie auf der Straße leben", erklärt er. Für viele sei es eine Hürde, in Institutionen wie dem Jakobushaus Hilfe zu suchen. Scham sei einer der Gründe. Die zehn Plätze in der Notübernachtung sind derzeit alle belegt, aber "abgewiesen wird niemand". Im Notfall werden Notbetten aufgestellt.

Allen, die ein Haus über dem Kopf haben, warnt Maik Bulach von der Freiwilligen Feuerwehr in Hechingen vor Rohrbrüchen. Wenn bei den frostigen Temperaturen die Leitungen beschädigt sind, passiere erst mal gar nichts. Problematisch werde es, wenn es taut, dann käme es zu Wasserschäden. Also heute schon an wärmere Tage denken, denn die kommen bestimmt.


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Autor: JUDITH MIDINET | 04.02.2012

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