Nicht im Stich lassen
Rangendingen. Seit zehn Jahren kämpft die Gruppe Rangendingen der Frauenselbsthilfe nach Krebs für das Wohl von Patienten. Der Verein steht Betroffenen als Anlaufstelle, Weggefährte und Ratgeber zur Seite.
Das zehnjährige Bestehen der Frauenselbsthilfe nach Krebs e. V. Gruppe Rangendingen wird morgen, Donnerstag, 20. Oktober, im Gemeindehaus Rangendingen gefeiert. Beginn ist um 18 Uhr. Als Gäste angemeldet haben sich Prof. Eva-Maria Grischke, Oberärztin der Universitätsfrauenklinik Tübingen, Vorsitzende Angelika Grudke und Geschäftsführer Hermann Dölker vom Landesverband der Frauenselbsthilfe nach Krebs, der niedergelassene Arzt Dr. Freddy Henne aus Hechingen, Hildegard Kusi vom Institut für Frauengesundheit Tübingen und Martin Wickert, Leiter der Krebsberatungsstelle Tübingen sowie Rangendingens Bürgermeister Johann Widmaier. Für Unterhaltung sorgen die "Schwätzweiber" aus Weilheim unter der Leitung von Gudrun Kanz und der Musikverein Rangendingen.
Die gute Nachricht vorweg: Immer weniger Menschen sterben an Krebs. Die schlechte Nachricht: 60 Prozent aller Krebserkrankungen sind nicht heilbar. Passt das zusammen? Moderne Therapien ermöglichen es heute, auch mit Krebs eine sehr lange Zeit leben zu können. Wie alle chronisch Kranken brauchen die Betroffenen aber besondere Unterstützung, wie sie unter anderem ein Schwerbehindertenausweis bietet. Doch der Anspruch darauf erlischt ohne Krankheitsrückfall generell nach fünf Jahren, denn dann gelten Krebskranke als geheilt.
Die Frauenselbsthilfe nach Krebs (FSH), Deutschlands größte Krebs-Selbsthilfeorganisation, sieht hier ein schwerwiegendes Manko des Gesundheitssystems: "Nach fünf Jahren ist für viele Patientinnen und Patienten das Thema Krebs noch lange nicht abgeschlossen und ihre Heilung kann noch nicht beurteilt werden", erläutert die stellvertretende Bundesvorsitzende Karin Meißler. "Die Alternative Tod oder Heilung war gestern. Heute ist dank moderner Behandlungsmöglichkeiten auch ein Leben mit Krebs möglich. Dafür müssen die Betroffenen aber häufig belastende Langzeittherapien und dadurch entstehende Einschränkungen in Kauf nehmen." Der Zeitpunkt der Heilungsbewährung, wie es im Behördendeutsch heißt, müsse daher unbedingt überprüft und neu festgesetzt werden, fordert die Organisation auf ihrer diesjährigen Bundestagung in Magdeburg. "Wir brauchen außerdem einheitliche, transparente und nachvollziehbare Bewertungskriterien dafür, wann jemand als geheilt gilt und eine Reduzierung des Grades der Behinderung oder Aberkennung der Schwerbehinderung gerechtfertigt ist", so Meißler.
Das Treffen der mehr als 700 Mitglieder aus dem ganzen Bundesgebiet wird genutzt , um eine Resolution zum Thema zu verabschieden. Diese soll, gemeinsam mit anderen Krebs-Selbsthilfe-Organisationen, dem Ausschuss für Gesundheitspolitik des Deutschen Bundestages vorgelegt werden.
Die Mitglieder der FSH-Gruppe Rangendingen, die wie jedes Jahr an der Tagung in Magdeburg teilnehmen, begrüßen diese Initiative des Bundesverbandes.
"In unserer täglichen Arbeit erfahren wir immer wieder, dass sich sehr viele Betroffenen nach Ablauf der fünf Jahre völlig im Stich gelassen fühlen", erklärt Anna Maria Dieringer, Leiterin der Gruppe Rangendingen. Sie müssten nach wie vor Medikamente einnehmen, die zum Teil mit erheblichen Nebenwirkungen verbunden sind. Der Schwerbehindertenausweis sei dann ein wichtiges Instrument, um ein möglichst normales Leben führen zu können.
Neben der Verabschiedung der Resolution steht die Bundestagung in diesem Jahr ganz im Zeichen des 35-jährigen Bestehens des Verbandes.
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Autor: SWP | 19.10.2011
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Anna Maria Dieringer (rechts) leitet die Gruppe Rangendingen der Frauenselbsthilfe nach Krebs, die ihr zehnjähriges Bestehen feiert. Das Bild zeigt sie am FSH-Infostand beim Frauengesundheitstag in der Hechinger Stadthalle. Foto: Hegele
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