Nach Lenas Sternen greifen

Hechingen.  Ein Senkrechtstarter aus Hechingen bei "Unser Star für Baku", das wär doch was! Andrew Fischer war schon mal beim Casting. Ob er die Koffer für Baku packen kann, entscheidet sich aber erst an Weihnachten.

Einen musikalisch erfolgreichen Sohn hat die Stadt Hechingen bereits: Der deutsch-italienische Musiker Giovanni Zarrella startete seine Karriere bei der Castingshow "Popstars". Auch für den Hechinger mit philippinischen Wurzeln Andrew Fischer scheint das "Musikbusiness" nicht mehr weit entfernt. Erst im Sommer war er bei der Vorentscheidung für die Show "Supertalent" (wir berichteten). Kurz vor dem Ziel klappte es dann leider doch nicht, das Interesse an der Vermarktung seines Tourette-Syndroms sei größer gewesen, als an seinem musikalischen Talent.

Den Kopf in den Sand stecken? Das kommt für den 20-Jährigen nicht in Frage. Durch seine neu gewonnenen Kontakte zur Tourette-Gesellschaft sei er auf die Idee gekommen sich bei dem Casting für "Unser Star für Baku" zu bewerben, erzählt er. Das Konzept der Show sei weniger kommerziell, die Qualität der Musik habe Priorität.

"Auf Stefan Raabs Show-Bühne von TV-Total zu stehen war super", ist Andrew Fischer von dem Erlebnis in Köln begeistert. Aber nicht nur er, sondern auch die Jury sei von seiner Leistung begeistert gewesen. Zwei seiner eigenen Songs hat er gesungen "The Rainbow over my head" und "Fly into the sky" sowie Tears in heaven" von Eric Clapton - natürlich begleitet von ein paar Tränchen der Jury. "Den nehmen wir" und "Pack schon mal deine Koffer für Baku" hätte die Jury gesagt. Ein gutes Zeichen, aber ob Andrew dann ab März, wenn die Show im Fernsehen übertragen wird, tatsächlich vor dem neuen Jury-Präsident Thomas D. singen darf, entscheidet sich erst um die Weihnachtszeit. Es bleibt also spannend, ob der Hechinger Andrew Fischer für Deutschland beim Eurovision Song Contest in Aserbaidschan an den Start geht.

Langweilig wird es ihm aber auch mit oder ohne "Star für Baku" nicht. Sein Buch "Der Regenbogen über meinem Kopf", das er gemeinsam mit seinem Freund Jan Sachse geschrieben hat, wird am 1. Dezember erscheinen. Eine Lesung im Hechinger "Museum" sei bereits in Planung. Der von ihm komponierte Titelsong zu dem Buch "The Rainbow over my head" ist bereits als CD im Kasten. Im Tonstudio Artistik in Reutlingen hat er diesen und drei weitere Songs professionell aufgenommen.

Dass er mit seiner Musik auch für die Aufklärung und Information rund um das Thema Tourettte-Syndrom einiges bewegen kann, dessen ist er sich bewusst. Und dass er mit seinen Tics nicht allein ist, hat er durch die neu geknüpften Kontakte zur Tourette-Gesellschaft Deutschland erfahren. Melanie Bödeker, 2. Vorstand der Tourette-Gesellschaft kam eigens nach Hechingen um Andrew Fischer kennenzulernen. Sie hat für ihn auch den Kontakt zu dem Stuttgarter Jean-Marc Lorber hergestellt, der ebenfalls an Tourette leidet und sich bei der Castingshow "X-Factor" qualifiziert hatte.

Komisch sei es gewesen, erzählt Andrew Fischer von seiner ersten Begegnung mit einem anderen "Tourette", zu sehen, wie die Umwelt auf die Tics von Jean-Marc reagiert habe. Darüber hätte er fast seine eigenen Tics vergessen.

Ein einem Tourette-Kongress in Dresden hat er Anfang des Monats teilgenommen, hat dort drei Songs live performt. Auch in der Zeitschrift "Tourette aktuell" ist ein Bericht über Andrew Fischer geplant. Und vielleicht liest man bald überall etwas über Andrew, wenn er dann seine Koffer für Baku gepackt hat. . .

Info Andrew Fischer spielt am 18. November im Hechinger Jugendzentrum. Karten für das Konzert am 17. Dezember im "Museum" gibt es im Bürger- und Tourismusbüro, in der Buchhandlung Welte, in der Tabak-Börse im Kaufland, bei der Hohenzollerischen Zeitung und in der Musikschule Jacob und Sachse


Kommentare (2)

20.10.2011 17:58 Uhr |    

Baku

Es kann nicht sein, dass die Jury so begeistert war, weil es keine Jury war. Die haben nur Dokumentiert.
31.10.2011 23:25 Uhr |    

Baku

Warum soll jemand, der "nur dokumentiert" hat, nicht begeistert sein können?

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Autor: JUDITH MIDINET | 15.10.2011

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