Jüdischer Friedhof verfällt
Hechingen. Grabsteine wackeln, viele liegen umgestürzt. Die Mauern sind so marode wie die Wege. Einsturzgefahr beim Hauptgebäude. Und nun rutscht auch noch der Hang. Der jüdische Friedhof ist hoch gefährdet.
Die Zollernstadt hat eine ausgeprägte und ruhmreiche jüdische Vergangenheit. Just an diesem Sonntag begibt sich Stadtführerin Johanna Werner wieder auf die Spuren des letzten Rabbiners (siehe nächste Seite). Entsprechend groß ist der Friedhof der früheren jüdischen Gemeinde unterhalb von Sickingen. Er ist gut 350 Jahre alt und beherbergt annähernd 650 Grabstellen. Doch seit der Vertreibung der Juden aus der Stadt während der Nazi-Barbarei geht es mit dem historisch wertvollen Friedhof vor den Toren der Stadt bergab.
Inzwischen ist die Anlage komplett abgesperrt worden. Aus Sicherheitsgründen. Denn Gefahr geht nicht allein von wackelnden Grabsteinen aus. Das Bodenproblem macht sich wieder bemerkbar: Der Hang droht wegzurutschen. Handlungsbedarf ist unbedingt angesagt.
Eigentümer des jüdischen Friedhofs in Hechingen ist die Israelitische Religionsgemeinschaft Württembergs. Landesrabbiner Nethanael Wurmser hat unterstrichen, dass man keine Zeit versäumen dürfe. Wenn nichts passiere, könne der ganze Berg herunterkommen. Allerdings weiß Wurmser, dass die Sache kostspielig wird. Es gehe nicht um kleine Mäuerchen.
Zuständig für die Pflege des Friedhofs ist die Stadt Hechingen, die gleichzeitig für die Sicherheit verantwortlich zeichnet. Stadtbaumeister Peter Blumhagen hat zusammen mit dem Hechinger Statiker Sigurd Dehn schon Untersuchungen vorgenommen. Ein klares Konzept, wie dem drohenden Verfall beizukommen ist, gibt es allerdings noch nicht. Hechingens Rathaus-Sprecher Thomas Jauch bestätigte gegenüber der HZ aber, dass daran gearbeitet werde. Und zwar zusammen mit der Israelitischen Religionsgemeinschaft. Die Zeit drängt, denn das Land will spätestens im November über die Zuschüsse fürs kommende Jahr entscheiden.
Harsche Kritik äußert derweil die Alemannia Judaica, die Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum. Der Stadt wird "sehr spärliche Pflege des Friedhofs" vorgeworfen. Man mache kaum mehr als Dienst nach Vorschrift. So verkomme ein für die Stadt und die Region bedeutendes Kulturdenkmal.
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Autor: ERNST KLETT | 03.09.2011
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Bis November hat die Stadt Zeit für ein Konzept, wie der geschlossene jüdische Friedhof saniert werden. Fotos: Ernst Klett
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