IG Metall pocht bei Abbott auf Sozialplan
Rangendingen. Eine "grobe Missachtung des Betriebsrates" sieht IG-Metall-Bevollmächtigter Walter Wadehn in der Vorgehensweise der Abbott-Geschäftsleitung.
Wie gehts weiter für die rund 260 Abbott-Beschäftigten, nachdem die Geschäftsführung die Schließung des Rangendinger Werkes zum dritten Quartal 2011 angekündigt hat? An die Seite der Belegschaft hat sich jetzt die IG Metall gestellt, die in dem medizintechnischen Betrieb rund 30 Mitglieder hat. Erster Bevollmächtigter Walter Wadehn war gestern im Werk und hat mit Vertretern des Betriebsrates mögliche Strategien diskutiert.
Nach den Gesprächen übte Wadehn gegenüber der HZ deutliche Kritik an der Abbott-Führungsebene. Diese betreibe eine "Politik der vollendeten Tatsachen". Dass sie die Beschäftigten am Freitag in einer Betriebsversammlung über die "scheinbar alternativlose" Schließungsentscheidung unterrichtet habe, ohne vorher den Wirtschaftsausschuss und den Betriebsrat zu informieren, ist für Wadehn eine "grobe Missachtung" der Arbeitnehmervertreter.
Der Gewerkschaftssekretär beklagt auch einen Verstoß gegen das Betriebsverfassungsgesetz. So sei in dessen § 106 klar geregelt, dass vor einer Entscheidung über eine (Teil-)Stilllegung der Wirtschaftausschuss (in dem Betriebsräte sitzen) zu informieren ist. Weil dies nicht geschah, hätten die Arbeitnehmervertreter keine Gelegenheit gehabt, über Alternativen zur Schließung nachzudenken. Dass es die gibt, steht für Wadehn außer Frage: "Der Betrieb kränkelt ja nicht. In Rangendingen gibt es außer einer hochwertigen Produktion mit qualifizierten, motivierten Mitarbeitern ja auch noch Forschung und Entwicklung." Wieso, so fragt er, sollte es nicht möglich sein, an diesem Standort auf die Herstellung technologisch neuerer Produkte umzustellen?
"Typisch für den amerikanischen Führungsstil" bei Abbott sei auch, dass das Unternehmen mit den Mitarbeitern individuell über Abfindungen verhandeln und keinen Sozialplan aufstellen wolle. Ein Sozialplan, auszuhandeln mit dem Betriebsrat, sei im Betriebsverfassungsgesetz jedoch klar vorgeschrieben und deshalb auch "erzwingbar".
So unfair wie mit den Beschäftigten geht Abbott nach Wadehns Auffassung auch mit der Kommune um, die in Sachen Infrastruktur sehr viele Vorleistungen erbracht habe. "Wenn eine Firma schließt, dann geht sie auf den Bürgermeister zu." Dass Abbott dies nicht getan hat, wertet der IG-Metall-Bevollmächtigte als weiteren Beleg für den "unhaltbaren Stil".
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Autor: HARDY KROMER | 24.02.2010
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