Ein neuer Kindergarten für Schlatt

Schlatt.  Der Schlatter Kindergarten wird im Juni 100 Jahre alt. In ein zweites Jahrhundert wollen die Eltern mit dem zwischen Bundesstraße und Bahnlinie eingeklemmten Gebäude möglichst nicht gehen.

Freitagmorgen im Februar, draußen misst das Thermometer 15 Grad unter Null. Drinnen im Schlatter Kindergarten kratzen die Kinder Zeichnungen an die vereisten Fensterscheiben. Und ein wenig eng ists für die 19 Kinder auch. "Den oberen Raum können wir bei dieser Kälte gar nicht nutzen", sagt der junge Leiter Daniel Wütz. "Die Heizungen sind voll aufgedreht, und warm wird es trotzdem nicht."

Die schlechte Isolierung ist nur einer von vielen Mängeln des Kindergartengebäudes, dessen 100-jähriges Bestehen in diesem Juni gefeiert wird. Auf die vielen anderen Unzulänglichkeiten weisen die Schlatter Eltern in einem Brief an die neue Bürgermeisterin hin, den Sie anlässlich der HZ-Serie "Frau Bachmann, wir hätten gern. . ." verfasst haben. Im Namen der Eltern und des Elternbeirates schreibt Bianca Milioto an Dorothea Bachmann:

"Die Eltern der Schlatter Kindergartenkinder wünschen sich nichts sehnlicher als den Neubau eines Kindergartengebäudes. Für diesen Wunsch gibt es nicht nur zahlreiche gute Argumente, sondern etliche absolute Notwendigkeiten, die vor allem die Sicherheit unserer Kinder betreffen. Durch dieses Schreiben möchten wir Sie entsprechend informieren und an Sie als Mutter appellieren: Bitte setzen Sie sich für unser Anliegen ein!"

Höchst problematisch ist bekanntermaßen die Lage des Kindergartens. Bianca Milioto beschreibt sie so: "Der Schlatter Kindergarten liegt massiv eingeengt zwischen einer Bundesstraße, auf der täglich zirka 12000 Autos und Lkw fahren, und einer Bahnlinie, auf der neben den zahlreichen Schienenbussen Züge mit verschiedenem, teils zu einer hohen Gefahrenklasse gehörendem Gefahrengut verkehren. Wie eine recht enge Halskrause umgeben Straße und Schiene das Kindergartengebäude und den Außenbereich."

Auch auf die Brandschutzproblematik weisen die Eltern mit Nachdruck hin: "Mehr als beunruhigend ist die Tatsache, dass für den ersten Stock unseres Kindergartengebäudes kein Fluchtweg besteht. Das Treppenhaus besteht komplett aus Holz. Wohin also, wenn der Ernstfall eintritt? Nun denkt man natürlich an die Fenster. Um an die an der Bundesstraße liegende Fensterfront zu gelangen, muss man an der (vielleicht lichterloh brennenden) Holztreppe vorbei. Direkt unter der gegenüberliegenden Fensterfront befinden sich die Schienen der HzL. Also bleiben nur noch die Fenster zum Garten - und dieses Gartenareal ist für Feuerwehrfahrzeuge nicht zugänglich bezeihungsweise befahrbar. Letzte Alternative wäre für unsere Kinder wohl der Sprung aus dem Fenster. Uns graust es bei diesem Gedanken!"

Ein weiteres Thema des Briefes sind die sanitären Einrichtungen, die als "nicht mehr zeitgemäß" beschrieben werden: "Zur Verfügung stehen für alle Kinder lediglich zwei WC und vier Waschbecken. In anderen Kindergärten haben die Kinder die Möglichkeit, sich die Zähne zu putzen - bei uns geht das leider nicht. Selbst der Erzieher und die Erzieherinnen müssen sich ein WC teilen." Und dann noch die Parksituation rund um den Kindergarten, von den Eltern als "katastrophal" bezeichnet: "Es gibt nur einen einzigen offiziellen Parkplatz, der von den Erziehern genutzt wird. Heilloses Chaos herrscht naturgemäß zu den Hol- und Bringzeiten. Was bleibt übrig: Man parkt entweder im strikten Parkverbot oder auf Privatplätzen von Anwohnern. (. . .) Nicht nur einmal mussten äußerst brenzlige Situationen überstanden werden, bei denen es haarscharf an einem Unfall vorbei ging. Ganz zu schweigen von übrigen Verkehrsteilnehmern, mit denen sich Eltern oder Großeltern während des Wartens auf die Kinder immer wieder Wortgefechte liefern (müssen), weil die Durchfahrt im Ständelweg oder der Killertalstraße behindert wird."

Diese Schilderung mündet in den Schlussappell an die Bürgermeisterin: "Liebe Frau Bachmann, wir haben an dieser Stelle wirklich nur die Hauptprobleme, die uns große Sorgen bereiten, angesprochen. Es gibt noch viele kleinere Mängel, auf die wir hier nicht eingehen wollen. Unser Kindergartengebäude ist nahezu 100 Jahre alt. In den zurückliegenden zehn Jahrzehnten gab es keine nennenswerten baulichen Veränderungen. Wir meinen, die Zeit für einen Neubau ist gekommen - zum Wohle und für die Sicherheit unserer Kinder! Wir würden uns sehr freuen, wenn Sie uns im Schlatter Kindergarten besuchen würden und laden Sie recht herzlich ein."

Freundlich empfangen würde die Rathauschefin dort auch von Kindergartenleiter Daniel Wütz, der der HZ gestern versicherte, dass er den Vorstoß der Elternschaft im Sinne seiner Schützlinge voll unterstützt.


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Autor: HARDY KROMER | 04.02.2012

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