Ein Recke des RocknRoll
Reutlingen. Er sucht und findet spielend die Nähe zum Publikum: Wolf Maahn und seine Band lieferten im franz.K ein rockiges, zum Teil mitreißendes Konzert. Neben neuen Songs gab es auch viele alte Hits zu hören.
Am Ende wars eine ausgelassene Rock-Sause. Eine mit Publikumschören, Mitklatschen und rhythmischem Stampfen. Eine mit einem dankbaren Sänger, der seine Begeisterung über die mitgehenden Fans ("Ihr seid echt entspannt drauf!") kaum zügeln konnte. Eine mit krachenden Gitarrensoli, zu Herzen gehenden Lovesongs und dem gemeinsam skandierten Schlachtruf: "Die Welt ist gut - absolut!"
So funktionierten die Konzerte des in Berlin geborenen Deutschrockers schon in den 1980er Jahren, und daran hat sich bis heute wenig geändert. In der ersten Hälfte des Konzerts kommen überwiegend Songs des neuen Albums "Vereinigte Staaten" zu Gehör, danach steigt die Stimmung langsam und kontinuierlich von Song zu Hit.
Das Musikerkollektiv um den Gitarristen und Sänger Wolf Maahn mischt rockige Gitarrenklänge mit Soul-Gefühl und gefühlvollen Balladen. Dazu singt der drahtige 54-Jährige von Liebesdingen, vom alten Fieber, das er gerne zurück haben möchte und davon, dass er mehr auf RocknRoll stehe als auf Tennis. Das klingt ein bisschen nach rebellischer Woodstock-Folklore und Bruce Springsteen - nur eben auf Deutsch. Zweifellos hätte es Maahn verdient, musikalisch in eine ähnliche Liga eingestuft zu werden wie Heinz Rudolf Kunze, Marius Müller- Westernhagen oder Peter Maffay. Die Gründe für diese frappierende Ungleichheit in der deutschen Rockmusik versteht kaum einer. Denn der Sänger und Komponist Maahn bietet gängige Livequalität, solide gestaltete Songs mit einer Prise Witz und dem nötigen Groove, um sich dazu zu bewegen. Er hat ein paar mittelgroße Hits, die er in sein Programm einstreuen kann, und versucht, mit seiner soul-inspirierten Mischung aus RocknRoll und Balladen-Pop zuweilen gar neue Töne anzuschlagen.
Auch der Merchandising-Stand kann sich von der Textilkollektion bis zur Solidaritätstasse für Linkshänder sehen lassen. Doch es hilft nichts. Maahn ist wohl zu unangepasst und zu kantig im musikalischen Profil, um sich in das Korsett der Multiplikatoren, von den Illustrierten bis zu den Radio-Anstalten und TV-Sendern, schnüren zu lassen.
Bei seinem Publikum kommt diese Kantigkeit dafür hervorragend an. Es dauert zwar einige Titel lang, bis er das Publikum auf seiner Seite hat. Doch spätestens, als die bekannteren Songs wie "Irgendwo in Deutschland", "Rosen im Asphalt", "Fieber" und "Ich wart auf Dich" erklingen, gibt es bei den Fans kein Halten mehr.
Man könnte es eine fast freundschaftliche Nähe nennen, die Maahn mit seinen Fans verbindet. Er ist ein Musiker, ein Veteran des Gitarrenrock, den man sofort ins Herz schließt. Wie er da auf der Bühne herumhüpft, mit seinen dürren Beinen, den abgetragenen Klamotten und dem breiten Grinsen. Dazu seine Texte, die allesamt aus dem Leben gegriffen sind. Selbst Zeilen wie "Ich brauche deine Küsse/Mmmh, gib mir, gib mir Deine Küsse" geraten bei ihm nicht zur Schnulze.
Trotzdem bleibt Maahn wohl auf ewig der solide Recke des deutschen RocknRoll, der mit einer Portion Galgenhumor ("Wie losgelöst sind wir denn heute?") dem Fieber aus früheren Zeiten nachtrauert. Und der den rund 300 Fans im franz.K dennoch eine kraftvolle, abwechslungsreiche Show inklusive drei langer Zugaben bietet.
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Autor: JÜRGEN SPIESS | 13.03.2010
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Wolf Maahn bot im franz.K eine Mischung aus RocknRoll und Balladen-Pop.
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