Durch die Brille der Künstler

Hechingen.  Bei herrlichem Sonnenschein kamen zahlreiche Besucher zur Vernissage der aktuellen Ausstellung mit Werken von Wendelin Matt und Andrea Fröhlich-Sum in die Rotunde der Villa Eugenia.

Kaum ist die jüngste Ausstellung mit Plänen des Landschaftsarchitekten Jörg Stötzer zu Ende gegangen, wurde in der Villa Eugenia bereits die nächste Werkschau zweier Künstler eröffnet: "Sichtweisen" ist der Titel der Ausstellung mit Arbeiten von Wendelin Matt und Andrea Fröhlich-Sum (bis 5. April). Und genau diesen Titel nahm Christoph Schanze bei seiner Einführung zum Anlass für Gedanken über das Sehen und die Kunst. Das Sehen, so Schanze, sei eine Möglichkeit, sich die Welt anzueignen. Auch Künstler würden sehen, doch sie begnügten sich nicht allein damit, sondern sie würden über das Gesehene nachdenken und es dann verwandelt wiedergeben. In einer Ausstellung sehe man also die Welt durch die Brille der Künstler.

"Sichtweise" sei demnach nichts anderes als das Sehen und Interpretieren der Welt durch die Künstler. Diese Sichtweise sei unterschiedlich von unserer alltäglichen; der Künstler, führte Schanze weiter aus, "sieht auch dann noch, wenn es eigentlich nichts mehr zu sehen gibt". Gehe man mit diesen Gedanken durch die Ausstellung, eröffneten sich einem tatsächlich neue Sichtweisen: etwa bei den Akten von Andrea Fröhlich-Sum. Jeder kenne den menschlichen Körper, und wisse, wie er aussieht. Und doch seies etwas anderes, sich beispielsweise selbst im Spiegel anzuschauen oder einen Körper durch die Brille einer Künstlerin als Zeichnung vor sich zu haben.

Nicht anders möge es einem bei den Arbeiten aus Zellstoff, Papier und Pappe von Wendelin Matt ergehen. Alltägliche Materialien, die durch ihre Plastizität den Betrachter herausfordern: Was er mit seinen Augen sieht, sei das eine, doch dazu komme die Aneignung des Gesehenen in der vom Künstler verwandelten Form.

Aber an diesem Sonntagmorgen in der lichtdurchfluteten Rotunde wurde nicht nur der Sehsinn angesprochen: Die musikalische Umrahmung bot Hörgenuss, der perfekt zu diesem Ambiente passte. Natascha Young sang, begleitet von Andrea Fröhlich-Sum am Violoncello und Dieter Sum am Flügel, zunächst zwei Lieder von Richard Strauss und nach der Einführungsrede "Dream with me" - ein Lied, das Leonard Bernstein genau für diese Besetzung geschrieben hat. Das machte Lust auf mehr!


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Autor: UWE OSTER | 09.03.2010

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