Des Kaisers Kumpel

Hechingen.  Anhand des Sarkophags, den Eitel Friedrich II. zu Lebzeiten hatte fertigen lassen, machte Stadtführerin Johanna Werner dessen Wirken lebendig.

Der bekannteste der schwäbischen Zollerfürsten ist vor 500 Jahren gestorben. Zum Jahrestag veranstaltete das städtische Bürger- und Tourismusbüro eine Stadtführung in der Stiftskirche. Temperamentvoll und kenntnisreich stellte Johanna Werner Eitel Friedrich II. und seine Gattin Magdalena von Brandenburg, die Umschrift und die Symbole auf der vom Sarkophag erhaltenen und in die Wand eingebrachte Deckplatte vor.

Sie wusste zu berichten, dass dieser Eitel Friedrich II. von Hohenzollern von 1452 bis 1512 lebte, Graf in der Grafschaft Maximilian I. von Habsburg war und für diesen wichtige diplomatische Dienste leistete. Er kämpfte für ihn in den Niederlanden und gewann bald großen Einfluss in der Reichspolitik. Als Vertrauter des Kaisers war Eitel Friedrich II. unter der Bezeichnung "Kammerrichter" der erste Präsident des Reichskammergerichts, das seit dem Reichstag in Worms 1495 das oberste Gericht des Ordens vom Goldenen Grafschaft Zollern war - eine diplomatische Meisterleistung. Eitel Friedrich hatte seine ererbte Herrschaft Rhäzüns gegen die Herrschaft Haigerloch mit vielen zugehörigen Ortschaften eingetauscht, und Habsburg gewann die Kontrolle über die Alpenpässe. St. Jakob, die Stadtpfarrkirche Hechingens, trägt ihren Namen Stiftskirche nach einem 1495 von Eitel Friedrich zusammen mit seinem Bruder Friedrich von Zollern, Bischof von Augsburg, begründeten Kollegiatstift mit zwölf Geistlichen. Auch ließ der Graf 1510 in Hechingen ein neues, gotisches Rathaus erbauen, wo stets 1000 Malter Korn als Vorrat für Notzeiten gespeichert werden sollten. Im Jahr 1482 heiratete er in Berlin Magdalena von Brandenburg und hatte mit ihr fünf Töchter und sechs Söhne.

Ein Grabmal für sich und seine Gemahlin ließ er schon zu Lebzeiten erstellen. Es ist ein vermutlich nach einer Zeichnung von Albrecht Dürer in der berühmten Gießhütte von Peter Vischer in Nürnberg gefertigtes Kunstwerkk. Mit spitzbübischem Lächeln erinnerte sich Johanna Werner an den Besuch des Ministerpräsidenten von Brandenburg, Matthias Platzeck, in der Stiftskirche: Sie fragte ihn nach den auf der Grabplatte abgebildeten Personen und ihren Attributen wie Orden vom Goldenen Vlies, Schwanenorden, Erbkämmererstäben, Wappen, Löwen und Hündchen. Und wie dem verblüfften Politiker hatte sie den interessierten Zuhörern in der Stiftskirche wichtige Lebensdaten des agilen und bedeutsamen Grafen samt Gemahlin erläutert, amüsante Anekdoten eingeflochten und relevante Hintergründe erhellt.


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Autor: ANTONIA LEZERKOSS | 08.02.2012

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