Bürger sollen mit ins Boot, wenns windet
Rangendingen. Fragen über Fragen hatten die Besucher der Informationsveranstaltung zum Thema Windkraft im "Dreiländereck" zwischen Grosselfingen, Haigerloch und Rangendingen in der Rangendinger Festhalle.
Die energiepolitischen Ziele der Landesregierung sehen vor, dass bis zum Jahr 2020 mindestens zehn Prozent des Stromverbrauchs aus heimischer Windkraft gedeckt werden. Das Land hat einen Windatlas erarbeitet, auf dem die Gebiete zu erkennen sind, die über gute Windpotenziale verfügen. Dazu zählt auch das "Dreiländereck" zwischen Grosselfingen, Haigerloch und Rangendingen (wir berichteten).
Die Gemeinden Rangendingen und Grosselfingen sowie die Stadt Haigerloch veranstalteten nun am Montagabend in Kooperation mit der EnBW eine öffentliche Informationsveranstaltung zum Thema Windkraft in der Rangendinger Mehrzweckhalle, die in der Bürgerschaft auf sehr großes Interesse stieß.
Die Bürgermeister aller drei Kommunen - Heinrich Götz, Franz Josef Möller und Johann Widmaier - sowie Landrat Günther-Martin Pauli waren anwesend. Es sei wichtig, dass man sich um alternative Energien bemühe, sagte Rangendingens Bürgermeister Johann Widmaier in seiner Begrüßung, damit "wir an so bitterkalten Tagen wie heute nicht ohne Strom dastehen".
Der EnBW-Regionalleiter Philipp Marquart stellte ein mögliches Beteiligungs- und Kooperationskonzept für die Windenergienutzung im Bereich Grosselfingen-Haigerloch-Rangendingen vor. Um die Kräfte und Kompetenz für Investitionen im Bereich erneuerbarer Energien der Unternehmen vor Ort zu bündeln, könnte die "Erneuerbaren Energien Zollernalb" gegründet werden. Dies wäre ein Zusammenschluss der Albstadtwerke, der Stadtwerke Balingen und Hechingen, der EnBW und des Überlandwerks Eppler aus Dotternhausen. Die Unternehmen sollten selbst in die Windanlagen investieren und diese auch langfristig betreiben. Zusätzlich sollten sowohl die Bürger als auch die Kommunen beteiligt werden. In welcher Form die Bürger eingebunden werden könnten, wusste Philipp Marquart noch nicht zu sagen.
Dirk Güsewell, Geschäftsführer der EnBW Erneuerbare Energie GmbH, stellte kurz sein Unternehmen und die Rahmenbedingungen für die Windkraftnutzung im Binnenland vor. Wesentlicher Unterschied sei, dass im Binnenland höher gebaut werden müsse als an der Küste.
Wie die Anlage im Bereich Grosselfingen-Haigerloch-Rangendingen konkret aussehen könnte, erklärte Jesus Poyo-Terrero, ebenfalls von der EnBW. Im "Dreiländereck" kämen je drei Windräder auf den Gemarkungen Grosselfingen und Haigerloch und eins auf der Gemarkung Rangendingen in Frage - die Abstände zu Siedlungs- und Vogelschutzgebieten sowie zwischen den Anlagen selbst würden dabei berücksichtigt. Die Gefahr einer "Verspargelung" der Landschaft sei nicht gegeben.
Die anschließende offene Diskussionsrunde gestaltete sich informativ. Besonders die Bürger aus Hart nutzten die Gelegenheit, um die mögliche Anlage kritisch zu hinterfragen.
Zahlreiche Bürger hatten den Eindruck, dass in Sachen Windpark im "Dreiländereck" schon alles entschieden sei, ihnen gar ein zweites "Stuttgart 21" drohe. Dem widersprachen alle drei Bürgermeister vehement. "Es ist bis jetzt kein Vertrag unterschrieben", sagte Widmaier. Gerade mit der Informationsveranstaltung wolle man die Bürger mit ins Boot holen. Vor der Änderung des Landesplanungsgesetzes am 1. September könnten die Windanlagen ohnehin nicht genehmigt werden.
Sorge bereitet den Bürgern auch die Finanzierung der Anlage. Dirk Güsewell nannte die Summe von 35 bis 36 Millionen Euro für die Gesamtinvestition. Nach 14 bis 16 Jahren würde sich die Anlage amortisieren.
Den Einwand aus dem Publikum, dass Windparks wegen der höheren Windgeschwindigkeit auf der Alb sinnvoller seien, entkräftete Jesus Poyo-Terrero. Die Windgeschwindigkeit sei nicht die einzige Bedingung, um Energie zu gewinnen. Ein weiterer wichtiger Faktor sei die Luftdichte, die in höheren Lagen sinke, da sie von weniger Luftmasse zusammengedrückt werde als zum Beispiel auf Meeresspiegelhöhe.
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Autor: JUDITH MIDINET | 08.02.2012
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Die drei Bürgermeister und die Referenten beantworteten die zahlreichen Fragen.
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