Bei aller Liebe
Sicher ist sicher. Vor allem, wenn es darum geht, eine Schwangerschaft zu verhindern. Meistens ist das Frauensache. Verhütungsmittel gibt es viele, aber für wen ist welches genau das Richtige?
Pille: Die Hormontablette machte die sexuelle Revolution erst möglich. Die Antibaby-Pille ist das Verhütungsmittel Nummer Eins, weil sie als das zuverlässigste gilt. Zu ihrem Erfolg trägt bei, dass sie am häufigsten von den Herstellern beworben wird, sagt der Ulmer Frauenarzt Dr. Rüdiger Pfeiffer.
Wie sie wirkt: Die Pille enthält zwei Arten von Hormonen: Östrogene und Gestagene. Sie bewirken, dass es keinen Eisprung gibt. Ohne Eisprung gibt es kein befruchtungsfähiges Ei und somit auch keine Schwangerschaft.
Für wen geeignet: Nichts für Schussel, denn die Pille muss täglich eingenommen werden, 21 Tage lang hintereinander, dann gibt es eine Pause von sieben Tagen.
Nachteile: Die Pille hat Nebenwirkungen. Das reicht von Kopfschmerzen bis zu Stimmungsschwankungen. Gefährlicher wird es bei Raucherinnen von 30 Jahren aufwärts. Sie riskieren durch die Einnahme möglicherweise Embolien, einen Herzinfarkt oder einen Schlaganfall. Und: Der Verhütungsschutz besteht eventuell nicht mehr, wenn man krank wird und erbricht. Ein zusätzlicher Schutz muss dann her.
Kosten: Zwischen 8 und 25 Euro pro Monat. Bis zum 16. Lebensjahr werden die Kosten für die Pille von den Krankenkassen übernommen, von 16 bis 18 Jahren ist nur die Rezeptgebühr zu bezahlen. Ab dem 18. Geburtstag muss die Pille selbst bezahlt werden.
Kondom: Der Gummi schützt, und zwar nicht nur vor Schwangerschaften, sondern auch vor HIV und Geschlechtskrankheiten.
Wie es wirkt: Das Kondom wird vor dem Sex über den Penis gestreift, Samenzellen haben keine Chance, in die Scheide zu gelangen. Wie das aussieht? Dazu hat Woody Allen einen hübschen Film gedreht, nämlich: "Was Sie schon immer über Sex wissen wollten, aber nie zu fragen wagten."
Für wen geeignet: Ideal für Frauen und Männer, die Sex mit verschiedenen Partnern haben. Oder, wie es Frauenarzt Pfeiffer formuliert: "Wer mit der festen Absicht, Sex zu haben, auf eine Party geht, der sollte Kondome dabei haben."
Kosten: Ab 50 Cent im Drogeriemarkt, in der Apotheke oder am Automaten zu haben.
Spirale: Gibt es in verschiedenen Formen, etwa T-förmig, und in verschiedenen Ausführungen, etwa aus Kunststoff, Silber, Gold, Kupfer. Gemeinsam haben sie, dass sie streichholzgroß sind. Die Spirale wird vom Frauenarzt in die Gebärmutter eingelegt. "Eine Spirale sollte nicht wehtun, weder beim Legen noch beim Tragen", sagt Frauenarzt Pfeiffer. Er rät dazu, den Sitz der Spirale halbjährlich kontrollieren zu lassen. Pfeiffer bietet sogar einen "Spiralenvertrag" an, mit dem man seine Spirale versichern lassen kann. Und: Man kann eine Spirale sogar "Probetragen". Dafür setzt Frauenarzt Pfeiffer eine Spirale ein, die man für vier Monate sozusagen ausprobieren kann. Ähnlich wie eine Spirale wirkt das Kupferkettchen, das laut Pfeiffer kaum Platz in der Gebärmutter braucht.
Wie sie wirkt: Die Metall-Spiralen geben Ionen ab, die die Beweglichkeit der Samenzellen stören und verhindern, dass sich ein befruchtetes Ei einnistet. Der Effekt ist bei Kupfer am stärksten.
Für wen geeignet: Für diejenigen, die mit der Pille nicht klarkommen. Für Frauenarzt Pfeiffer ist es "die sichere Verhütungsmethode, die nicht in den Körper eingreift". Vorteil: Die Spirale kann man nicht vergessen.
Kosten: Die Spirale aus Kupfer ist die günstigste, sie kostet 190 Euro, die Silberspirale 240 Euro, die Goldspirale 540 Euro. Sie bleibt jedoch am längsten im Körper, nämlich zehn Jahre, während die anderen Spiralen spätestens nach fünf Jahren ausgewechselt werden müssen.
Hormonstäbchen: Das vier Zentimeter lange und zwei Millimeter dünne Stäbchen wird an der Innenseite des Oberarms unter die Haut geschoben. Es besteht aus weichem Kunststoff, in dem sich ein Hormon-Depot befindet.
Wie es wirkt: Das Stäbchen setzt täglich eine bestimmte Menge des Hormons frei - ein sicherer Empfängnisschutz für drei Jahre. Es gehört zu den östrogenfreien Verhütungsmethoden.
Für wen ist es genau geeignet: Für jene, die nicht täglich eine Pille schlucken wollen und die eine längerfristige Verhütung im Auge haben.
Nachteile: Die Blutung verändert sich. Manchmal bleibt sie sogar ganz aus. Wann sie wieder auftritt, lässt sich nicht vorhersagen. Außerdem können die Stäbchen im Körper wandern, was das Entfernen erschwert. Alles Gründe, weswegen Frauenarzt Pfeiffer mittlerweile vom Stäbchen abrät.
Kosten: Die Kosten für ein Hormonstäbchen belaufen sich auf rund 330 Euro.
Hormonring: Eines der neueren Verhütungsmittel. Ein Vaginalring, im Durchmesser fünf Zentimeter groß, wird von der Frau selbst wie ein Tampon in die Scheide eingeführt. Der Ring enthält die gleichen Hormone wie die Pille.
Wie er wirkt: Die Wirkung setzt ein, sobald der Ring in der Scheide liegt. Die Hormone Östrogen und Gestagen werden in niedriger Dosis freigesetzt. Laut Frauenarzt Pfeiffer ist es das Hormon-Verhütungsmittel mit den wenigsten Nebenwirkungen. Nach drei Wochen entfernt man den Ring, es folgt eine Woche, in der die Blutung auftritt. Anschließend führen Frauen sich einen neuen Verhütungsring ein.
Für wen geeignet: Für jene, die nur einmal im Monat an Verhütung denken wollen. Vorteile einer Pille, aber eben auch dieselben Nachteile. Nicht geeignet für Raucherinnen über 35, für Frauen mit Thromboseneigung und hohem Blutdruck.
Kosten: 47 Euro für eine Dreimonatspackung.
Diaphragma: Das Kondom für die Frau.
Wie es wirkt: Samenzellen gelangen nicht in die Gebärmutter. Sollte maximal zwei Stunden vor dem Geschlechtsverkehr in die Scheide eingeführt werden. Die Haltbarkeit eines Diaphragmas liegt bei zwei Jahren.
Für wen geeignet: Für die Frau, die davon überzeugt ist. Das Diaphragma ist mittlerweile ein etwas altmodisches Verhütungsmittel, nach dem nicht mehr häufig nachgefragt wird.
Kosten: bis 25 Euro
Natürliche Methode: Kalender- und Temperaturmethode.
Wie es funktioniert: Bei der Kalendermethode werden fruchtbare und unfruchtbare Tage mit Hilfe eines Menstruationskalenders ausgerechnet. Bei der Temperaturmethode wird täglich die Temperatur gemessen. So kann man feststellen, wann der Eisprung stattgefunden hat. Es kommt nach dem Eisprung zu einer Temperaturerhöhung um mindestens 0,2 Grad gegenüber den Tagen zuvor.
Für wen geeignet: Der Ulmer Frauenarzt Pfeiffer rät jungen Frauen von beiden Methoden ab, denn sie sind schlicht unsicher. Die Kalendermethode bezeichnet er als "Römisches Roulette". Die Temperaturmethode bietet jenen Frauen verlässlichen Schutz, die einen regelmäßigen Zyklus haben. Bei jungen Frauen ist das aber häufig nicht der Fall.
Kosten: kostenfrei
Pille "5 Tage danach": Seit Oktober 2009 zugelassen. Anzuwenden nach ungeschütztem Sex oder wenn die Empfängnisverhütung versagt hat.
Wie sie wirkt: Das Medikament, Wirkstoff Ulipristalacetat, unterdrückt den Eisprung und die Gebärmutterschleimhaut wird so beeinflusst, dass die Einnistung einer befruchteten Eizelle erschwert wird. Neu ist, dass sie nicht wie bisher nur bis zu drei Tage nach einer Verhütungspanne genommen werden kann, sondern bis zu fünf Tage danach.
Für wen geeignet: Für alle Frauen, die ungeschützten Geschlechtsverkehr hatten. "Es gibt keine Altersbeschränkung", sagt Katharina Hancke, Fachärztin für Frauenheilkunde an der Frauenklinik Ulm. Wer sie vom Arzt verordnet bekommt, muss zumindest an der Uni Ulm ein ärztliches Aufklärungsgespräch akzeptieren.
Nachteile: Sie hat Nebenwirkungen. Deswegen, sagt Fachärztin Hancke, "empfehle ich die Pille danach nur als Medikament für den reinen Notfall". Zu den Nebenwirkungen zählen Kopfschmerzen, Übelkeit, die nächste Regelblutung kann gestört sein. Und: "Die Pille danach mag vor Schwangerschaften schützen, nicht vor Geschlechtskrankheiten", betont Hancke.
Kosten: 36 Euro. Frauen unter 20 Jahren bekommen die Kosten erstattet. Die Pille "3 Tage danach" kostet 16 Euro.
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Autor: BEATE ROSE | 02.09.2010
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Im August feierte die Pille ihren 50. Geburtstag, Klartext hakt in Sachen Verhütung nach. Foto: Jens-Martin Trick
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