Am Anfang war das Chaos
Wie werden wir uns in 40 Jahren fortbewegen? So genau kann das eigentlich noch keiner sagen, aber eines ist gewiss: Nicht mehr so wie heute. Klartext stellt Euch die besten Ansätze vor.
Von Hans-Martin Rieser
Das genialste Konzept seit der Entwicklung der Eisenbahn ist zweifelsfrei die Supraleiterbahn. Beinahe reibungsfrei schwebt der Zug mit Höchstgeschwindigkeiten über seine Gleise, was den Verkehr sehr viel effizienter macht. Supraleiterbahnen haben den Vorteil, nicht nur auf ebenen Strecken fahren zu können, sondern ohne Beeinträchtigung der Funktion auch an Wänden oder an Unterseiten von Brücken.
Bei geeigneter Konstruktion ist sogar eine Streckenführung denkbar, die beliebige Ausrichtungen der Strecke kombiniert, sodass die Bahn über Land auf dem Boden fährt, in der Stadt zur Seite an den Wolkenkratzern entlang und unter Fußgängerüberwegen hindurch geführt wird.
Das Prinzip funktioniert ziemlich genau so wie bei den kleinen Modellbahnen, die gemeinhin bei Wissenschaftsausstellungen gezeigt werden: Ein Hochtemperatur-Supraleiter wird erst mit flüssigem Stickstoff auf satte minus 70 Grad gekühlt. Dann schwebt er flott über eine Magnetbahn. Eine funktionsfähige Versuchsanlage steht bereits in der TU Erfurt. Zwar sind die Schienen heute noch um den Faktor fünfzig teurer als konventionelle, jedoch auch noch in Handarbeit gefertigt, was auf eine starke Reduzierung hoffen lässt.
Nicht nur die geringere Reibung durch fehlende bewegliche Teile, sondern auch die üblichen Vorteile eines öffentlichen Verkehrsmittels machen diese Bahn zu einem umweltfreundlichen Fortbewegungsmittel auf Langstrecken.
Im Nah- und Stadtverkehr sollen neben dem ÖPNV vernetzte Fortbewegungskonzepte stark ausgebaut werden. Dazu zählen Carsharing, Fahrradnutzung oder Segways. So prüft die deutsche Bahn Angebote, die Fortbewegung bis zum letzten Meter in einem Ticket verbinden.
Doch auch mit riesigen Fortschritten im öffentlichen Bereich bleibt ein Sorgenkind: Der Individualverkehr.
Auch die immer effizienteren Verbrennungsmotoren können nicht darüber hinwegtäuschen, dass das Erdöl langsam aber sicher zur Neige und unser Klima den Bach hinunter gehen.
Für die Einen besteht die Lösung des Problems in der Verwendung von Biokraftstoffen, sie werden zum Beispiel aus Raps oder Zuckerrohr gewonnen. Die Vorteile liegen klar auf der Hand: Zum einen kann immer noch ein konventioneller Verbrennungsmotor verwendet werden, zum anderen wird nur so viel Kohlendioxid erzeugt, wie die Pflanze vorher aus der Luft aufnimmt. Eigentlich eine tolle Sache.
Ein kleiner Haken daran ist, dass dafür natürlich riesige Anbauflächen benötigt werden, für die entweder Regenwald gerodet, was wiederum dem Klima schadet, oder Nahrungsmittelproduktion verdrängt wird, was zu ausuferndem Hunger führt.
Ein anderer Ansatz erfordert eine grundlegende Umstellung des Antriebskonzepts: Elektromobilität. Einfach an der Steckdose auftanken und ohne Lärm, Umweltverschmutzung und Komforteinbußen losfahren können.
Leider ist das in diesem Umfang noch nicht möglich. Das liegt hauptsächlich daran, dass die Akku-Technologie noch nicht das leistet, was ein Verbrennungsmotor kann. Die Reichweiten liegen zwischen 100 und 200 Kilometern - für ein Fahrzeug, das nur im Stadtverkehr genutzt wird, ist das jedoch mehr als ausreichend.
Dafür muss derzeit aber noch jeder freie Platz im Auto mit Akkus gefüllt werden. Sie sind schwer, teuer (teilweise das doppelte des Fahrzeugs, in das sie verbaut werden), je nach Stromquelle nicht mal besonders umweltfreundlich und benötigen lange Ladezeiten. Wer will schon Stunden an der Tankstelle stehen?
Dennoch gehört den Elektroautos wohl die Zukunft. In den nächsten Jahren sind gerade bei den Energiespeichern große Fortschritte zu erwarten, schon in diesem Jahrzehnt werden 300 Kilometer als Reichweitegrenze angepeilt - US-Unternehmen vermelden bereits 30fache Steigerungen der Energiedichte - der nötige Strom könnte durch Photovoltaikanlagen auf den Garagendächern erzeugt werden.
Möglich ist zudem die Verwendung von Wasserstoff als Energieträger. Mittels einer Brennstoffzelle wird daraus Wasser und elektrische Energie. Wasserstoffantriebe benötigen aber hohe Investitionen in Tankstellennetze und Sicherheit.
Eines haben alle gemein: Egal, wie wir in Zukunft fahren, wir werden trotz modernster Fahrerunterstützungs- und Verkehrsleitsysteme die meiste Zeit im Stau verbringen.
Ganz gleich, welche der Konzepte realisiert werden, uns steht ein so radikaler Wandel bevor, wie es ihn seit der Erfindung des Autos nicht mehr gab.
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Autor: SWP | 19.11.2011
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Modellstudien zum Supratrans werden schon in der Technischen Universität Erfurt angestellt. Die Möglichkeit besteht, bald so zu reisen. Wenn auch die Kleinigkeit der Finanzierung in der trockenen Tüchern ist.
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