87 Prozent finden es "unmöglich"

Das Kind ist krank, und der Arzt am anderen Ende der Notfallnummer sitzt in Bad Saulgau. Dieses Szenario ärgert die große Mehrheit der Teilnehmer der HZ-Umfrage zum Thema kinderärztlicher Notdienst.

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Wer ist da, wenn das Kind krank ist? Diese Frage treibt HZ-Leser um. Archivbild

Hechingen. "Unmöglich! Mit meinem kranken Kind will ich nicht bis Bad Saulgau oder Pfullendorf fahren. Außerdem möchte ich weiterhin meinen Kinderarzt als Notfall-Ansprechpartner." Diese Antwort wählte die überwiegende Mehrheit der knapp 80 Teilnehmer der HZ-Online-Umfrage zum Thema kinderärztlicher Notdienst aus. Ganze 87 Prozent finden die Neuregelung also "unmöglich". Schon die ersten Reaktionen auf die Ankündigung der Reform ließen ahnen, dass Eltern nicht begeistert sind.

Seit gestern ist der kinderärztliche neu geregelt. Eine zentrale Nummer ist für Eltern aus dem Zollernalbkreis und dem Kreis Sigmaringen an Werktagen von 18 bis 22 Uhr und an Samstagen und Sonntagen bis 22 Uhr erreichbar. Zuständig ist ein Kinderarzt aus einem der beiden Landkreise - also nicht mehr der "eigene" Kinderarzt. Bisher hatten sich die Kinderärzte im Kreis auf Dienste geeinigt und waren nach Feierabend für besorgte Eltern auf dem Handy erreichbar, gaben dort Ratschläge und verwiesen auf den diensthabenden Kollegen im Kreis.

Die Antwortmöglichkeit "Das ist okay. Die Kinderärzte sollen auch mal Feierabend haben", wählten dennoch nur vier Prozent der Umfrageteilnehmer.

Verständnis für die Reform war kaum zu erwarten, hatte es doch schon kurz nach der ersten Meldung der Notdienst-Reform in der HZ empörte Leserbriefe gegeben. "Ich kann den Eltern nur rate, dass wenn das Kind krank ist, ganz einfach mit dem Krankenwagen in die Klink zu fahren. Das ist dann für die Damen und Herren am Konferenztisch billiger", fand Johanna Beiter aus Rangendingen. Stefanie Schock aus Hechingen fragte in ihrem Leserbrief, was Eltern denn - nach langen Wartezeiten, Abweisung, Unverständnis und unangebrachten Kommentaren - nun mit potenziell langen Fahrzeiten noch alles hinnehmen müssten.

Die Kinderärztin Dr. Nora Laubrock aus Sigmaringen stellte in ihrem Leserbrief dar, dass der zentrale kinderärztliche Notdienst nur eine Übergangslösung sei, mit der man diesen Dienst überhaupt erhalten wolle: "Beide Notdienste wären in absehbarer Zeit von der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) eingestellt worden. Uns ging es darum, Eltern an 365 Tagen im Jahr für 24 Stunden am Tag den Zugang zu einem Kinder- und Jugendarzt sicher und zuverlässig zu ermöglichen. Dies können wir mit der Reform erreichen."

Die Hechinger Kinderärztin Dr. Rita Ziebach sah die Reform im HZ-Interview "sehr kritisch" und vermutete, dass sich Eltern aus dem Mittelbereich Hechingen eher nach Tübingen orientieren würden, als beispielsweise nach Pfullendorf zu fahren. Doch auf dem Land, insbesondere im Kreis Sigmaringen, wo drei von acht Praxen schließen, fehlen laut Ziebach Kinderärzte.

Diese Einsicht teilten wohl acht Prozent der HZ-Umfrageteilnehmer, die sich für die Antwortmöglichkeit "Ich finde es nicht unbedingt gut, sehe aber ein, dass es weniger Kinderärzte gibt und die Zentralisierung notwendig ist."

Kalt ließ die Frage nach der Reform jedoch niemanden: Nur ein Prozent klickte "Mir ist das egal" an.

Nummer bleibt dieselbe

Erreichbarkeit Unter Telefon: 0180/1929342 ist von Montag bis Freitag ab 18 Uhr, an Wochenenden und Feiertagen ganztägig, ab sofort ein Kinderarzt aus dem Zollernalbkreis oder Sigmaringen erreichbar.

SWP

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