Gedenkfeier in ehemaliger Synagoge in Haigerloch

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Der Haigerlocher Gospelchor „Salvation“. am Klavier begleitet von Markus Ehmann, gestaltete in diesem Jahr einfühlsam die Gedenkfeier zum 9. November in der ehemaligen Synagoge.  Foto: 

Bereits der Beginn der Gedenkfeier war aufrüttelnd mit dem durch Christel Taudoh-Wien und Hans Paul Möller gemeinsam auf griechisch gesungenen „Gesang der Gesänge“ von Mikis Theodorakis, der eindringlich an die Toten der Konzentrationslager, speziell in Auschwitz, erinnert. Möller las im Verlauf des Abends zwischen den Gesängen des Gospelchores noch weitere nachdenkenswerte und hoffnungsvolle Texte, so unter anderem „Im gleißenden Licht: Wenn ich auf meiner Reise wandere, ein Stern wie viele andere“.

Klaus Schubert, Vorsitzender des Gesprächskreises Ehemalige Synagoge Haigerloch, begrüßte die Gäste, darunter Pfarrerin Dorothee Kommer, die Schulleiter Karin Kriesell und Bernd Heiner sowie Altbürgermeister Roland Trojan. 

Margarete Kollmar und Klaus Schubert erinnerten in ihrem „Wort des Gedenkens“ an die Zerstörung der Synagoge der jüdischen Gemeinde Haigerlochs im November 1938. Dieses Gedenken sei seit 1988 in der Stadt Haigerloch Teil des öffentlichen Lebens und den Menschen und ihren Familien gewidmet, die heute auf Grund der Gewalt des nationalsozialistischen Deutschlands, nicht mehr hier sind. „Sie wurden ausgegrenzt, entrechtet, vertrieben und schließlich ermordet.“

Mit der Zerstörung der Synagogen 1938 brach in Haigerloch wie im  ganzen Land die Gewalt gegen die Juden aus. „Möglich war dies, weil ein Aufspalten und Ausgrenzen der Gesellschaft gelungen war, und weil die Menschen damals keine Hilfe und keine Rettung in ihrer Nachbarschaft und in ihrer Heimat Haigerloch gefunden haben“, stellten die Redner fest. Heute wisse man, dass das, was 1938 offen in die Gesellschaft treten konnte, zu den Ereignissen in den Jahren 1941 und 1942 führte. Von Haigerloch aus wurden annähernd 300 Menschen deportiert und ermordet, unter ihnen auch aus anderen Städten hierher gezwungene Jüdinnen und Juden. „Deshalb erinnern wir heute auch an den Beginn der Deportationen vor 75 Jahren“, so Schubert.

Besonders eindringlich gerieten diese Worte, weil heute wieder eine Aufspaltung der Gesellschaft zu befürchten ist. Die Aufnahme von Flüchtlingen stelle eine  große Herausforderung dar. Damit einher gehe aber zunehmend eine Gefährdung der Einigkeit und der inneren Kraft der Demokratie. „Diese Gefährdung wird nicht von außen an unsere Gesellschaft herangetragen, sondern sie kommt aus ihrer Mitte, aus menschenfeindlichen, rassistischen Ansichten sowie aus eigennützigem, abgrenzendem Agieren“, warnten Kollmar und Schubert. Man müsse „im Heute wachsam bleiben“. 

Eindrucksvoll ergänzt  wurden diese mahnenden Worte durch die Lieder des Gospelchores „Salvation“. Der Chor, am Klavier begleitet von Markus Ehmann, brachte Lieder voller Melancholie und Poesie in hebräisch, englisch und deutsch dar. So ist das Stück „Lean on me“ ein Ruf nach Gemeinschaftsgefühl und Menschlichkeit, das Hans Paul Möller als Solist eindrucksvoll unterstrich. Auch das ruhige „Evening Rise“ (Klingendes Herz), ein indianisches Volkslied, oder die Stücke „Shehechajanu“ (Gesegnet bist du in Ewigkeit)  und „Mögen sich die Wege vor deinen Füßen ebnen“ sprachen den Anwesenden aus dem Herzen. Die Chormitglieder durften am Ende dankbaren Beifall und je eine Rose entgegennehmen.

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