Ortschaftsrat Stetten sammelt seine Argumente gegen Windkraftstandort

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Im Ortschaftsrat Stetten zeigten Ortsvorsteher Konrad Wiget, Walter Stocker und Karl-Heinz Schneider auf einem Plan die neuen Standorte der geplanten zehn bis 15 Windräder auf, die deutlich näher an Stettener Wohngebiete gerückt sind.  Foto: 

In der Sitzung des Stettener Ortschaftsrates am Montag kochte erneut das Thema Windkraft hoch. „Wir wollen nicht alles in unserer Umgebung dulden! Wir müssen schon genug aushalten!“, lautete der Tenor am Ratstisch zum geplanten Vorranggebiet für Windkraftanlagen im sogenannten „Dreiländereck“ zwischen Haigerloch, Rangendingen und Grosselfingen. Bürger aus den drei Gemeinden gründeten vor kurzem bereits die Initiative „Gegenwind Hohenzollern“ (wir berichteten).

Wegen des großen Interesses von Seiten der Bürger musste auch die Ortschaftsratssitzung in Stetten vom Rathaus ins Schulgebäude verlegt werden. Den rund 40 anwesenden Zuhörern wurde in der Fragestunde ausgiebig Gelegenheit zur Stellungnahme eingeräumt.

So bemängelte Margit Raabe, dass das neue Vorranggebiet gegenüber der ersten Planung vor fünf Jahren für Stetten mehr Nachteile bringe. Durch die Einbeziehung der Gewanne Gäbele, Lehenhalde/Sandgrubenhalde und Hinterer Vogelherd sei der Windkraftstandort näher an die Wohngebiete in Stetten herangerückt.

Auch Uli Thönißen und Klaus Pfeffer monierten, dass die Windräder nur noch 1,7 Kilometer vom Stettener Wohngebiet entfernt sind. Stetten sei durch die B 463, die „Müllkippe im Bergwerk“ und die künftige Bauschuttdeponie „Grund“ genug belastet. Weiherhof-Besitzer Wilfried Schmid ergänzte, die Windräder lägen nur 530 Meter von seinem Hof entfernt. Der Landwirt befürchtet eine Veränderung des Mikroklimas. „Wir werden unsere Felder nicht mehr wie bisher bewirtschaften können.“

Von einer „Zeitbombe“ sprach Rolf Schmid, Mitglied des CDU-Kreisfachausschusses für Umweltfragen. Das Vorranggebiet tangiere den Erdbebengraben, der „immer aktiver“ werde und alle 40 bis 50 Jahre ein größeres Erdbeben erwarten lasse. Nicht auszumalen, so Schmid, sollten im Erdbebenfall die gigantischen Röhren bersten und Maschinenöl ins Erdreich gelangen. Durch das Karstsystem wäre die Quelle der Starzel-Eyach-Wasserversorgungsgruppe unmittelbar betroffen. Erich Horn aus Hart bestätigte, dass pro Windrad mit 800 bis 1000 Litern Öl zu rechnen sei, wodurch sich auch die Waldbrandgefahr erhöhe. Leander Epple kritisierte den „Kahlschlag im Wald“. Pro Windrad müsse ein Hektar gerodet und versiegelt werden.

Auch Themen wie Infraschall und Preisverfall für umliegende Immobilien und Liegenschaften  von geschätzten 30 bis 80 Prozent wurden in der zweistündigen Diskussion angesprochen. Kritisiert wurde ferner, das Fehlen konkreter Windmessungen, um die Angaben im Windatlas zu überprüfen, sowie einer Planung für die Stromleitungen zur Ableitung der generierten Windenergie.

Die Meinung der Zuhörer deckte sich weitgehend mit der der Ortschaftsräte. Armin Bauer appellierte dafür, „alles dafür zu tun, dass dies so nicht kommt“. Die Windräder seien von 120 Metern in den ersten Planungen auf jetzt 200 Meter gewachsen und deutlich näher an Stetten gerückt. Auch Karl-Heinz Schneider plädierte für schnelles Handeln. „Wenn wir jetzt nicht unsere Stimme dagegen erheben, sind wir später verkauft.“ Walter Stocker schlug vor, alle Gegenargumente zu sammeln und beim Regionalverband Neckar-Alb und beim Gemeinderat als Stellungnahme einzureichen.

Dieses Einwendungsschreiben will Ortsvorsteher Konrad Wiget dem Gemeinderat in der Maisitzung vorlegen. Die Bürger wurden aufgerufen, die Zeit der Offenlegung der Windkraftpläne bis zum 31. Mai zu nutzen und ihre Einwände zusätzlich vorzubringen.

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