Wenn das Schule macht. . .

Spielerisch lernen im Gemeindewald - seit zehn Jahren gehört die Waldpädagogik zum Bittelbronner Kindergartenalltag. Wo sich die Mädchen und Jungen längst zuhause fühlen, haben sie jetzt auch ein Zuhause.

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  • Väter und Großväter haben den Bittelbronner Kindergartenkindern im Gemeindewald mit vereinten Kräften eine Holzhütte gebaut. Foto: Kindergarten 1/2
    Väter und Großväter haben den Bittelbronner Kindergartenkindern im Gemeindewald mit vereinten Kräften eine Holzhütte gebaut. Foto: Kindergarten
  • In Bittelbronn fühlen sich die Kindergartenkinder im Wald pudelwohl und wie Zuhause. Beim Waldtag am Samstag haben sie Holzbären gebastelt. 2/2
    In Bittelbronn fühlen sich die Kindergartenkinder im Wald pudelwohl und wie Zuhause. Beim Waldtag am Samstag haben sie Holzbären gebastelt.
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Eine rund zehn Quadratmeter große Waldhütte und ein Hochsitz markieren neuerdings die Außenstelle des Kindergartens - wobei der Bittelbronner Waldkindergarten weiterhin mehr bietet, als für Spaziergänger zu sehen ist. . .

Es ist ein Sägen, wenn die Drei- bis Sechsjährigen im Unterholz unterwegs sind. Denn im Bollerwagen, der ihr ständiger Begleiter ist, werden außer Wasserkanistern (für die Hygiene in der Vesperpause) unter anderem Sägen transportiert, mit denen die Jungen und Mädchen beispielsweise kleine Bäume fällen."Tote Bäume", betont Kindergartenleiterin Elke Schwenk. Gesunde Bäume lassen die Kinder mit ihrem Werkzeug unversehrt - das gehört zu den Regeln, die sie im Forst einhalten müssen. Sie bekommen "eine positive Haltung zur Natur" vermittelt, erläutert die Erzieherin. Der Umweltschutz-Gedanke ist Teil der Waldpädagogik, wie sie Elke Schwenk und ihre Kollegin Petra Höfler seit dem Jahr 2002 pflegen - in diesem Jahr unterstützt von Sybill Schmidt, die ihre Ausbildung gerade mit dem Anerkennungsjahr abschließt.

Das handwerkliche Geschick, das sich die Kinder an ihren Waldtagen angeeignet haben, konnten sie am vergangenen Samstag einmal mehr einsetzen. Sogar das Beil hat sich mancher kurz ausgeliehen. Opas und Papas merkten bei dieser Gelegenheit, dass Waldtage - auch der Samstag war so betitelt - eben viel, viel mehr als ein "Spaziergang" sind, den mancher erwartet hatte. Ein gewöhnlicher Arbeitseinsatz war"s aber ebenfalls nicht.

Hütte bauen! Dieser Auftrag weckte das Kind im Manne. Während in jungen Jahren bei vergleichbaren Vorhaben eine Motorsäge und manchmal auch die Körperkraft fehlte, konnten die Väter und Großväter jetzt mit allen Mitteln zu Werke gehen. Und so kams, dass in rund fünf Stunden das Werk vollbracht war - inklusive Mittagsvesper am Waldrand.

Während eine Gruppe den Hochsitz aus Brettern zimmerte, die Jäger (und Kindergarten-Vater) Egon Fechter beigesteuert hatte, errichtete eine zweite Gruppe ein Waldhaus. Die Wände entstanden aus Ästen, die im Wald herumlagen. Sogar ein Giebeldach kam drauf, aus Baumstämmen gefertigt. Mit Strauchwerk wurde es eingedeckt. Obendrein entstanden stämmige Sitzbänke aus Gemeindeholz und eine Treppe zum Waldkindergarten, die von den Söhnen und Töchtern aber vermutlich kaum gebraucht wird. Denn sie schleppten am Samstag das Bauholz einen matschigen Steilhang hinauf - ohne jede Treppe. . . An Waldtagen während der Kindergartenzeit spielen sie dort mit Seilen, wie Elke Schwenk berichtete - um Stämme heraufzuziehen, sich selbst hinauf zu hangeln oder um sich abzuseilen. Auf diese Weise trainieren die Kinder spielerisch ihre Koordinationsfähigkeit und Muskelgruppen, die sie sonst kaum beanspruchen, wie die Erzieherin erklärt.

Die Kinder suchen ihre Aufgaben im Wald weitgehend selbst, teilweise stellen sie sich ehrgeizigen Herausforderungen. Meist sei automatisch Team-Arbeit angesagt, berichtet die Kindergartenleiterin. Das wirke sich positiv auf das Sozialverhalten aus. "Im Wald erleben wir fast keinen Streit."

Mit dabei sind immer Lupengläser, mit denen sich Käfer, Mücken und Spinnen en detail beobachten lassen. Um Tierarten und Pflanzen bestimmen zu können, gehören entsprechend bebilderte Fachbücher zu einer mobilen Bibliothek. Von diesen Eindrücken angeregt, haben die Kinder am Samstag mit ihren Erzieherinnen zwei überdimensionale Spinnennetze zwischen den Bäumen gesponnen, in denen jetzt überlebensgroße Spinnen sitzen, die aus Heu gebastelt sind. Hölzerne Bären sowie Waldgirlanden aus geflochtenen Reifen und Tannenzapfen sind ebenfalls entstanden. Sogar ein Außerirdischer hat sich im Waldkindergarten niedergelassen. Und eine "Popo-Rutsche" gab und gibt es sowieso - jene lief bei dem regnerischen Wetter am Samstag wie geschmiert.

Der Wald biete praktisch alles, was für die kindliche Entwicklung wichtig sei, erklärt Kindergartenleiterin Elke Schwenk. Und folglich biete der Waldkindergarten alles, was im Bildungs- und Orientierungsplan vorgesehen sei. Es geht um spielerisches Lernen, das von Begeisterung getrieben ist und auf eigenen Erfahrungen basiert - nachhaltiges Lernen, wie es Hirnforscher empfehlen. Die Bittelbronner Kinder bekommen beispielsweise Moos nicht nur auf Bildern gezeigt, sie können es im Wald fühlen und riechen. Auch die Jahreszeiten erleben sie im Forst. Alle Sinne werden genutzt und trainiert - außer dem Schmecken. Denn auch das gehört zu den Regeln: Es darf nichts gegessen werden, was in der Natur gefunden wird.

Was "Waldwichtel" verloren oder versteckt haben, dürfen die Kinder aber natürlich mitnehmen: "Edelsteine"!

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