Umzug der Witthauschule noch nicht vom Tisch

|
Vorherige Inhalte
  • Sonne und Wolken über der Haigerlocher Schullandschaft: Die dritte – und voraussichtlich letzte – von Ute Kinn moderierte Sitzung des erweiterten Schulausschusses am Dienstag endete ohne eine klare Empfehlung an den Gemeinderat. 1/4
    Sonne und Wolken über der Haigerlocher Schullandschaft: Die dritte – und voraussichtlich letzte – von Ute Kinn moderierte Sitzung des erweiterten Schulausschusses am Dienstag endete ohne eine klare Empfehlung an den Gemeinderat. Foto: 
  • Die Rektoren Karin Kriesell (Gymnasium) und Bernd Heiner (Eyachtalschule) informierten in der Sitzung über die derzeit herrschende Raumnot am Haigerlocher Schulzentrum. 2/4
    Die Rektoren Karin Kriesell (Gymnasium) und Bernd Heiner (Eyachtalschule) informierten in der Sitzung über die derzeit herrschende Raumnot am Haigerlocher Schulzentrum. Foto: 
  • Iris Schlegel, Rektorin der Witthauschule, hielt einen flammenden Appell gegen eine „Versetzung“ der Grundschulkinder von Haigerloch nach Stetten. 3/4
    Iris Schlegel, Rektorin der Witthauschule, hielt einen flammenden Appell gegen eine „Versetzung“ der Grundschulkinder von Haigerloch nach Stetten. Foto: 
  • Eltern und Elternvertreter der Witthauschule in ihren leuchtend roten T-Shirts waren auch in der dritten Schulausschusssitzung wieder stark vertreten. 4/4
    Eltern und Elternvertreter der Witthauschule in ihren leuchtend roten T-Shirts waren auch in der dritten Schulausschusssitzung wieder stark vertreten. Foto: 
Nächste Inhalte

Der Tenor der dritten – und voraussichtlich letzten – Sitzung des erweiterten Schulausschusses in Haigerloch ist schwer zu fassen. Die über dreistündige Debatte am Dienstagabend im Bürgerhaus brachte weder klare Aussagen zu einer Erweiterung oder  Aufspaltung des Schulzentrums, noch eine eindeutige Handlungsempfehlung an den Gemeinderat. Die Situation ist verzwickt (siehe Info-Kasten). Selbst die hochprofessionell agierende Moderatorin Ute Kinn musste am Ende feststellen: „Das ist eine harte Nuss.“

Die Zuhörerreihen waren erneut voll besetzt. Vor allem Eltern der Witthauschule zeigten  wieder Flagge. Sie wollen verhindern, dass ein Umzug der Grundschule nach Stetten ernsthaft in Betracht gezogen wird. Die kleine Schule sei 2006 auf der Basis eines viel gelobten und ausgezeichneten Konzeptes gebaut worden. Das Gebäude wirke „wie ein Pädagoge“, stellte Schulleiterin Iris Schlegel in ihrem flammenden Appell gegen eine Verlagerung fest. „Wir haben hier ein pädagogisch hochwertiges, funktionierendes System. Das kaputt zu machen, wäre Wahnsinn.“ Elternbeiratsvorsitzende Petra Becker erinnerte an den Grundsatz „Kurze Beine, kurze Wege“. Auch Maximilian Groß vom Staatlichen Schulamt stellte fest, dass am Haigerlocher Campus, so wie er jetzt ist, „eine idealtypische Situation“ herrsche.

Dennoch scheint bis heute, nach vielen emotionsgeladenen Debatten die Witthauschule der einzige „Joker“ im Schulstandort-Spiel zu sein, zumal die Rektoren von Gymnasium  und Eyachtalschule, Karin Kriesell und Bernd Heiner, in der Sitzung nochmals betonten, dass ihre Schüler „an einem Standort beschult werden müssen“. Schulamtsdirektor Groß bestätigte das. Hinzu kommt, dass die Realschulen in Baden-Württemberg neu aufgestellt wurden. Der frisch eingeführte neue Bildungsplan sieht eine Orientierungsstufe in den Klassen 5 und 6 vor. Danach werden die Schüler in zwei Niveaustufen – G und M – mit leistungsorientierten Lernangeboten unterrichtet, die einen mit dem Ziel Hauptschulabschluss (G) in Klasse 9, die anderen mit der Mittleren Reife im Blick (M). Dafür würden pro Zug bis zu 20 Lehrerstunden zugestanden, erklärte Groß. Damit sollen die Realschulen den Gemeinschaftsschulen gleichgestellt werden.

Groß’ Prognose für die Werkrealschulen ist eher negativ. Der Trend gehe klar zur Realschule. Das zeige sich aktuell auch an der Haigerlocher Werkrealschule: Nur 15 Schüler wurden in diesem Schuljahr angemeldet. 16 ist die Mindestzahl. Wird diese 2017 erneut unterschritten, bedeutet dies das Aus, sprich: die Schule würde geschlossen, sobald die derzeitigen Werkrealschüler ihre Schulzeit beendet haben. Bleibt die WRS weiterhin bestehen, würde das die Raumnot der Eyachtalschule noch verschärfen. Bei diesem Szenario fehlen würden acht bis neun Klassenzimmer fehlen. So oder so: „Die nächsten drei bis vier Jahre wird’s eng“, stellte Rektor Heiner fest.

Die Raumnot am Gymnasium ist zwar kleiner, aber auch vorhanden. Der Schule fehlen ein Präventionsraum, ein Technikraum und ein PC-Raum.

„Die Schule mit der stärksten Belastung hat die schlechtesten Voraussetzungen“, brach  CDU-Stadtrat Otto Schneider eine Lanze für die Eyachtalschule. Sie gehöre an einen Standort und brauche schnelle Lösungen. Eine Verlagerung der Witthauschule hingegen sei denkbar, sagte er und eröffnete damit die Debatte. Der Widerspruch von Hermann Heim (FW) kam prompt: In der Kernstadt sollten alle Schularten vertreten sein. Die Schulpolitik sei in stetem Wandel. Er empfahl, bis zum Schuljahr 2018/19 zunächst mit einer „Notlösung“ zu fahren. Von Elternseite  wurde kritisiert, dass die Verwaltung zu angesprochenen Alternativlösungen noch keine Kostenschätzungen oder Vergleichszahlen vorgelegt hat. Diskutiert wurde unter andrem über einen abgespeckten Elferbau und Mietcontainer.

Walter Stocker (CDU) hält diesen Weg für genau den falschen. Haigerloch sei im Wachstum und sollte versuchen, mehr Schüler aus dem Umland – aus Hirrlingen, Empfingen und Rosenfeld – anzuziehen. Gleichzeitig betonte  Stocker mehrfach, dass Haigerloch „finanziell am Ende“ sei und sich einen Neubau nicht leisten könne. Stocker sieht keinen anderen Ausweg als die Verlagerung der Witthauschule.

Matthias Deppert (FW) warnte hingegen davor, den „Luxus“ auf dem Campus zu zerstören. Nadine Reiband (SÖL) forderte eine „Grundsatzentscheidung“ ein: Worauf wollen wir uns konzentrieren? Schulleiterin Kriesell äußerte sich ähnlich: Der Haigerlocher Gemeinderat sollte den „Standort Bildung“ im Blick behalten und Prioritäten setzen. Rektor Heiner wünschte der Stadt „einen Geldsegen“.

Hans Wiest (CDU) plädierte schließlich dafür, die Debatte zu beenden und das Stimmungsbild nun in den Gemeinderat zu tragen. Der müsse dann die nötigen Entscheidungen treffen.

„Egal welche Lösung, wir werden investieren müssen“, fasste Bürgermeister Dr. Heinrich Götz am Ende zusammen. Außerdem gebe es weitere Baustellen, zum Beispiel die zu kleine Schulmensa. Die Haltung des Bürgermeisters zur Standortfrage blieb am Dienstag undeutlich: Einerseits sprach sich Götz dafür aus, „die drei Schularten auf dem Campus nicht zu zerreißen“. Auf der anderen Seite malte er ein Bild von einer künftigen „Super-Grundschule“ in Stetten mit Ganztagsbetreuung auch in den Ferien. Aber Götz zeigte sich überzeugt: „Mit den hier diskutierten Ideen  können wir im Gemeinderat eine gute Lösung finden.“

Die Haigerlocher Schullandschaft steckt in einer Zwickmühle: Einerseits wird das Schulgebäude in Stetten, früher Haupt-, jetzt Werkrealschule, leer stehen, weil die WRS-Schüler ab 2017 komplett im Verbund mit der Realschule (Eyachtalschule) am Schulzentrum Haigerloch unterrichtet werden. Andererseits fehlen vor allem der Realschule und dem Gymnasium etwa zehn Klassen- und Fachräume.

Mehrere Szenarien, wie es in Zukunft weiter gehen könnte, stehen im Raum: eine „Versetzung“ der Witthau-Grundschule nach Stetten, eine „Aufspaltung“ einer der beiden weiterführenden Schulen zwischen Haigerloch und Stetten oder aber ein Neubau am Schulzentrum. Pläne für einen sogenannten „Elferbau“ gab es bereits. Es wurde damals aber nur der Zehnerbau realisiert.

Die Finanzlage der Stadt ist klamm. Momentan kann sich Haigerloch eigentlich weder einen Umbau der Stettener Schule für geschätzte 1,5 Millionen Euro, und schon gar keinen Neubau am Schulzentrum für rund 3,5 Millionen Euro leisten Zuschüsse (bis 40 Prozent) kann die Stadt nur für grundrissverändernde Umbauten erwarten, nicht aber  für Neubauten..

Außen vor in der aktuellen Schuldebatte sind die restlichen Schulen der Stadt: die Grundschule Gruol mit der Außenstelle Owingen und die Grundschule Trillfingen als Außenstelle der Witthauschule. spa

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Mordprozess: Mafia-Verbindung nicht nachweisbar

Zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilte die Große Jugendkammer des Landgerichts Hechingen den 22-jährigen Italiener, der Umut K. erschoss. weiter lesen