Rückenwind für Bürgerinitiative gegen Windräder im „Dreiländereck“

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  • Zehn bis 15 Windkraftanlagen wären im Wald zwischen Grosselfingen, Rangendingen und Haigerloch laut Regionalverband rechnerisch machbar.  1/4
    Zehn bis 15 Windkraftanlagen wären im Wald zwischen Grosselfingen, Rangendingen und Haigerloch laut Regionalverband rechnerisch machbar. Foto: 
  • Die beiden Referenten, Walter Müller und Hansjörg Jung (linkes Bild, v. l.), aber auch Mitglieder der Bürger­initiative Bitz (rechtes Bild) schworen die Gegner des Standortes „Dreiländereck“ zum Zusammenhalt ein. 2/4
    Die beiden Referenten, Walter Müller und Hansjörg Jung (linkes Bild, v. l.), aber auch Mitglieder der Bürger­initiative Bitz (rechtes Bild) schworen die Gegner des Standortes „Dreiländereck“ zum Zusammenhalt ein. Foto: 
  • Rund 80 Zuhörer fnden sich bei der Infoveranstaltung im Gasthaus „Waldhorn“ in Hart ein. 3/4
    Rund 80 Zuhörer fnden sich bei der Infoveranstaltung im Gasthaus „Waldhorn“ in Hart ein. Foto: 
  • Tipps gab es an diesem Abend auch von Mitgliedern der Bürgerinitiative aus Bitz. 4/4
    Tipps gab es an diesem Abend auch von Mitgliedern der Bürgerinitiative aus Bitz. Foto: 
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Das politische Ziel ist klar gesetzt: Bis zum Jahr 2020 sollen in Baden-Württemberg erneuerbaren Energien 25 Prozent des Energiebedarfs decken. So verheißt es zumindest die Internetseite des Umweltministeriums. Und: Die Windkraft habe dabei von den erneuerbaren Energien das größte Ausbaupotenzial im Lande. Doch verstärkt regt sich Widerstand. Umso heftiger dort, wo Windkraftanlagen hinkommen könnten. Und das könnte im Zollernalbkreis im sogenannten „Dreiländereck“, einem Waldgebiet zwischen Rangendingen, Grosselfingen und Haigerloch, der Fall sein.

Acht sogenannte Vorranggebiete hat der Regionalverband Neckar-Alb festgelegt: sieben im Landkreis Reutlingen, keines im Kreis Tübingen, eines im  Zol­lernalbkreis. Letzteres rund ein bis zweieinhalb Kilometer von den Ortslagen von Rangendingen, Weilheim, Grosselfingen, Owingen, Stetten, Trillfingen und Hart entfernt. Maximal zehn bis 15 Windkraftanlagen soll es (rechnerisch) auf einer Fläche von 114 Hektar geben. Der Regionalverband geht von einem durchschnittlichen Windaufkommen (Windhöffigkeit) von 5,75 bis 6,25 Metern pro Sekunde aus.

Bei einer Infoveranstaltung im Gasthaus „Waldhorn“ in Hart wollten sich gut 80 durchaus diskussionswillige Zuhörer (die meisten aus Haigerloch, einige aus Rangendingen, kaum einer aus Grosselfingen) über mögliche Beeinträchtigungen für Mensch und Natur informieren. Zum „Gegenwind“ gegen das geplante Vorranggebiet war von einer kleinen Gruppe Haigerlocher aufgerufen worden; keiner von ihnen will unbedingt namentlich im Vordergrund stehen, es gehe schließlich nicht um Personen, sondern um die Sache.

Zwei Referenten waren für den Abend gewonnen worden, beide hatten schon die Informationsveranstaltung, zu der der Regionalverband vor kurzem in die Haigerlocher Witthauhalle eingeladen hatte, verfolgt. Walter Müller ist Mitglied im Landesverband baden-württembergischer Bürgerinitiativen gegen Windkraft in Natur- und Kulturlandschaften. Er wollte die „Kehrseite der Windkraftmedaille“ darstellen, denn „hier geht es ums Eingemachte“. In keinem anderen Bundesland winde es so wenig wie in Baden-Württemberg. Die „gigantischen Subventionsmittel“ über das Erneuerbare Energiengesetz aber zahlen Sie!“. Der Naturschutz werde durch „Gefälligkeitsgutachten“ ausgehebelt.

Hansjörg Jung ist ehrenamtlich als Berater von Bürgerinitiativen an Windkraft-Standorten tätig. „Windkraft ist eine saubere und rentable Energieerzeugung – wenn genügend Wind bläst.“ Baden-Württemberg aber sei nun mal „sehr windarm“. Ein Windrad laufe bei 3 Metern pro Sekunde an, habe seine Nennleistung (also, wo es auf Hochtouren läuft) bei 12 Metern pro Sekunde, schalte ab 25 Meter pro Sekunde ab. Der Windatlas, auf den sich die Landesregierung und auch der Regionalverband berufen, beruhe auf falschen Berechnungen, stimme schlichtweg nicht. „Ein neuer aber hätte Geld gekostet – und die Flächen wären natürlich kleiner geworden“.

„Sind denn überhaupt Windmessungen gemacht worden?“, wollte ein Zuhörer wissen? So ein Windmessmast koste immerhin 150 000 Euro, ein Blick in den Windatlas und „zweifelhafte Rechenmodelle“, so Müller, seien deutlich günstiger. Der Fragesteller fühlte sich da doch „für dumm verkauft“. Konstatierte ein Jäger: „Da oben im Wald weht doch das halbe Jahr kein einziges Lüftchen.“

Bei der Veranstaltung in Hart sollte es darum gehen, Bedenken gegen eine mögliche Windkraftanlage im „Dreiländereck“ zu sammeln. Einwürfe gab es einige. Wie stehe es den zum Beispiel mit den Hohlräumen in dem Gebiet, bedingt durch Karsthöhlen und Dolinen? Liege der Zollernalbkreis nicht ohnehin in einem Erdbebengebiet? Wie lassen sich Rotmilane und andere tierische Waldbewohner schützen? Müsse nicht ein Werteverlust für Häuser und Grundstücke befürchtet werden?

Stichtag 31. Mai

Einig aber waren sich alle: Der Widerstand müsse richtig organisiert werden. Und er müsse schnell organisiert werden. Bis zum 31. Mai können beim Regionalverband Anregungen und Bedenken eingereicht werden (www.rnva.de). Müller versprach Unterstützung: „Es gleicht dem Kampf Davids gegen Goliath.“

Fragebogen wurden verteilt, von rund 80 Zuhörern füllten 41 das Blatt aus, wiederum 21 davon wollen aktiv bei einer Bürgerinitiative gegen den Standort „Dreiländereck“ mitmachen, die anderen 20 informiert bleiben.

Nächster Schritt soll es nun sein, die aktuell 21 Mitstreiter an einen Tisch zu bekommen, zu überlegen, wer was machen könnte, wer der Initiative ein Gesicht geben könnte. Roland Trojan, Ex-Bürgermeister, zumindest will es, obwohl vorgeschlagen, nicht.

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