Die Owinger „Linde“ ist Geschichte

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  • Die „Linde“ in Owingen schließt ihr Pforten. Damit endet eine Tradition, die bis ins Jahr 1800 zurückreicht. 1/2
    Die „Linde“ in Owingen schließt ihr Pforten. Damit endet eine Tradition, die bis ins Jahr 1800 zurückreicht. Foto: 
  • Eine der ganz typischen, urigen Stammtisch-Runden in der „Linde“. Auf der Aufnahme aus dem Jahr 1991 sind wohl einige der bekanntesten Owinger  um den Tisch versammelt. 2/2
    Eine der ganz typischen, urigen Stammtisch-Runden in der „Linde“. Auf der Aufnahme aus dem Jahr 1991 sind wohl einige der bekanntesten Owinger um den Tisch versammelt. Foto: 
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Das gute, alte Gasthaus „Linde“ in Owingen schließe heute für immer seine Türen, teilt Gustav Schmoll aus Owingen mit. Die Wirtschaft existierte bereits um 1800 und ist damit eines der geschichtsträchtigsten Orte im Dorf.

Lindenwirt Xaver Hebrank ist stolze 87 Jahre alt, seine Frau Lore 80 Jahre. Beiden standen wöchentlich immer noch  drei bis vier Tage die Woche hinter der Theke. Den Getränkehandel haben die Eheleute Hebrank schon vor zirka fünf Jahren aufgegeben.

Im Owinger Heimatbuch ist der „Linde“ in der Lindenstraße 1 eine ganze Seite gewidmet. Sorgfältig werden die einzelnen Betreiber des aufgelistet: Die ersten waren Gregor und Regina Hebrank geb. Henne, dann kamen Johann Nepomuk (1815-1880) und Anna Maria Hebrank, geb. Stifel  und schließlich Xaver Hebrank (Vater des „Muck“, 1856-1909). Von 1909 bis 1919 wurde das Gasthaus von Peter Stifel („Wiet-Peter“,1884-1969) geführt, dann ging es an Nepomuk Hebrank (1891-1973), der es von 1919 bis 1969 betrieben hat. Von da an bis zum heutigen Tag bewirteten Xaver und Lore Hebrank die Gäste.

Den Namen „Linde bekam die Wirtschaft erst nach dem Zweiten Weltkrieg. Zuvor sei man einfach zum jeweiligen Betreiber, so zum Beispiel „zum Muck“, gegangen, heißt es im Owinger Heimatbuch. Offensichtlich befand sich die Wirtschaft zu früherer Zeit im Obergeschoss. Eine Kegelbahn gehörte ebenfalls zum Inventar der Linde, die, wie auch die einst vor dem Haus stehende Linde, 1971 einem Umbau zum Opfer fiel.

Der „Wiet-Peter“ war es laut Heimatbuch, der in dem Gebäude um 1910 einen Backofen einbauen ließ, in welchem von da an Brezeln und sonstiges Gebäck für den Verkauf in der Gaststätte gebacken wurden. Dieser Brauch wurde auch von Nepomuk Hebrank, dem Vater des heutigen Betreibers, fortgeführt. Aus einem kleinen Büchlein des „Wiet-Peter“ konnten die Owinger Heimatbuch-Autoren Preise aus dem Jahr 1912 entnehmen. Demnach kostete ein Glas Bier elf Pfennige, ein Schnaps 15 Pfennige, ein Stück Käse zehn Pfennige und ein Stück Wurst zwölf Pfennige.

„Wenn man in der Linde ordentlich getrunken und gegessen hat, ist man über die Rechnung fast erschrocken, so billig war das“, sagt der Fotograf Paul Bossenmaier, der seinen Heimatort Owingen wie seine Westentasche kennt, und für das Heimatbuch viel recherchiert und geschrieben hat. Wie Bossenmaier weiter berichtet, war die „Linde“ seit jeher bekannt für ihre Stammtischrunden – ein pulsierendes Herzstück in jedem Dorfleben, das  nun in Owingen ein klein wenig ärmer ist.

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