Alte, seltene Kakteen-Samen aus einem Nachlass

Über ein Päckchen mit mehreren Tausend teilweise äußerst seltenen Kakteen-Samen aus dem Nachlass eines Berliner Sammlers freut sich der Empfinger Kakteen- Experte Holger Dopp.

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Überraschung zum Ausklang des Jahres: Der Empfinger Kakteenexperte Holger Dopp erhielt eine nicht gerade alltägliche Samen-Sendung aus dem Nachlass eines Berliner Kakteenfreundes, der vor einem Vierteljahrhundert monatelang mehrere südamerikanische Länder, unter anderem Mexiko und Brasilien, bereiste und auf diesen Reisen vor allem Kakteen-Samen sammelte. Diese brachte der Kakteenfreund dann auch mit nach Deutschland. Wenige Wochen nach seiner letzten Reise im Jahr 1991 erlag der Kakteensammler einem Herzinfarkt. Seine Witwe löste anschließend seine auf Raritäten spezialisierte Kakteensammlung auf. Aber an das wertvolle Saatgut dachte damals niemand. Und als im vergangenen Jahr der Sohn den gesamten Nachlass nach dem Tod seiner Mutter auflösen musste, fand er unter anderem in einer Schublade auch das von seinem Vater gesammelte Kakteen-Saatgut.

Der ebenfalls an Kakteen interessierte Sohn hatte den Empfinger Kakteenexperten Holger Dopp vor vielen Jahren im Rahmen eines wissenschaftlichen Vortrags auf einer Tagung in Hannover kennengelernt. In dem Vortrag ging es unter anderem - welch ein Zufall! - auch tun die Keimfähigkeit von Kakteensamen.

Da Kakteensaatgut innerhalb von wenigen Jahren seine Keimfähigkeit nahezu restlos verliert, muss man schon ein großes Fachwissen besitzen, um aus sehr altem, überlagerten Saatgut noch einige Sämlinge gewinnen können. Wesentliche Voraussetzungen sind ein spezielles und grundsätzliches Standortwissen sowie perfekte Aussaatmethoden, so zum Beispiel ein ideales Aussaatsubstrat sowie ausreichende Licht-, Temperatur- und Feuchtigkeitsverhältnisse. Wenn dann alle relevanten Faktoren stimmen, ist es durchaus wahrscheinlich, dass das eine oder andere Kakteen-Samenkorn noch keimt.

Während einige Kakteen-Samen einen Durchmesser von einem bis drei Millimeter haben, sind andere Kakteen-Samen nahezu staubfein. Auch diese Besonderheit muss berücksichtigt werden, deshalb erstellt Holger Dopp für jede Kakteenart eine eigene und ganz spezielle Substratmischung, die jeweils auf den heimatlichen Standort der betreffenden Art ausgerichtet ist.

Eine recht große Anzahl der erhaltenen Samen stammt von Kakteen, die bereits seit 1997 im Washingtoner Artenschutzübereinkommen als besonders schutzwürdig eingestuft wurden. Der Grund ist, dass deren Bestand an den heimatlichen Standorten extrem gefährdet ist.

Nach aktuellen Untersuchungen sind an den Heimatstandorten der Kakteen immerhin bereits nahezu sieben Prozent aller bekannten Kakteen-Arten akut vom Aussterben bedroht. Aus diesem Grand bemüht sich Dopp auch darum, einige der extrem seltenen Kakteen-Samen zum Keimen zu bringen.

Und sollte dies nach einem Vierteljahrhundert der Fall sein, will er unter anderem einige dieser seltenen Sämlinge in die Städtische Sukkulenten-Sammlung nach Zürich und auch in den Jardin Exotique nach Monaco geben. Dort herrschen nämlich ausgezeichnete technische und fachliche Voraussetzungen, um aus winzigen Sämlingen blüh- und vermehrungsfähige Pflanzen zu kultivieren.

Um keine Zeit zu verlieren, hat Holger Dopp mittlerweile die erste Gruppe der erhaltenen Kakteen-Samen ausgesät. Zur seiner Freude zeigen die ersten Samenkörner zumindest unter einer Lupe "erste Lebenszeichen". Eine zarte und vorsichtige Hoffnung auf einen Erfolg.

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