Afrikamissionar Pater Franz hat den Martinsweg vollendet

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Pater Franz Pfaff, Afrikamissionar, tätig im Missionshaus der Weißen Väter in Haigerloch, hat auf einem Oldtimerfahrrad den Martinsweg vollendet.

Die Reise des 77-Jährigen begann am 12. Juli. Zum Start notierte er: „Nach zwölf Jahren Verweichlichung in Deutschland sind meine Beine rostig geworden und nicht mehr so kräftig wie einstens.“ Er habe sich die Fortsetzung seines Weges zum heiligen Martin in Tours, Frankreich, aber nicht zu bequem machen wollen. Deshalb habe er sich ein Oldtimerfahrrad bei Herrn Kaikinger in Paray le Monial gekauft.

Dieses Fahrrad, Baujahr 1944, sei noch auf den ersten Reifen gelaufen – und die Luft in den Reifen sei genauso alt gewesen. „Aber es brachte mich pannenfrei nach Tours und darüber hinaus nach Nantes, die Stadt an der Mündung der Loire in den Atlantik“, berichtet Pater Franz. Das ist immerhin eine Strecke von rund 400 Kilometer. Der Pater musste freilich auch auf eine Gangschaltung verzichten: „Man spürt jede Steigung und jeden Gegenwind. Ich musste manchmal kräftig strampeln, um vorwärts zu kommen und natürlich auch immer wieder absteigen und schieben.“

Den Weg, den er diesmal mit einem alten Drahtesel bewältigen wollte, hatte Pater Franz schon 2014 zu Fuß von Haigerloch aus begonnen und war ihn 2016 weiter gegangen bis Montceau les Mines. Von dort aus wollte er  dieses Jahr weiter marschieren. Als er aber am 11. Juli gesatrtet war und am Abend Paray le Monial erreicht hatte, merkte er seine Schwäche. „Gleich am nächsten Morgen ging ich zum Fahrradhändler“, berichtet Franz Pfaff.

Der Radwanderweg, dem er von da an folgte, heißt „EuroVelo vom Atlantik zum Rhein“. Von Mulhouse bis Digoin folgt der Weg den Kanälen und von Nevers bis zum Atlantik geht er entlang der Loire. Auf dieser Strecke komme man durch herrliche Landschaften und berühmte, sehenswerte Städte, schwärmt der Fahrrad-Pilger. Die weiten und fruchtbaren Talebenen der Loire hätten früher bei vielen Fürsten und Königen Begehrlichkeiten geweckt, so dass diese Region eine sehr wechselvolle Geschichte habe. Pater Franz erläutert: „Es gab mal eine Zeit, da gehörten weite Teile des Loire-Tales zu England. Jedoch das erstarkende Frankreich kämpfte um die Oberherrschaft über dieses Gebiet im hundertjährigen Krieg von 1332 bis 1453. Da ist zu erwähnen, dass Jeanne d’Arc, die Jungfrau von Orléans, 1429 gegen die Engländer kämpfte und die Stadt Orléans von der englischen Belagerung befreite.“

Auch die kirchliche Geschichte dieses Loire-Tales habe viel Hin und Her erlebt: „Zunächst hat der heilige Martin, der von 371 bis 397 Bischof von Tours war, die Touraner zum Christentum bekehrt. Er lebte sehr bescheiden, auch als Bischof, und war sehr freigiebig. Schon vor seiner eigenen Bekehrung hat er als römischer Soldat sich von der Armut eines frierenden Bettlers so ergreifen lassen, dass er seinen Soldatenmantel durchschnitt und mit dem Bettler teilte. Martin war sehr beliebt in seiner Diözese. Als er auf der Pfarrvisitation in Candes starb, kamen noch in der Nacht des Sterbens die Leute von Tours und brachten seinen Leichnam in die Stadt und bauten später über seinem Grab eine Kirche. Bis zum heutigen Tag pilgern täglich viele Leute zu seinem Grab und zeigen immer wieder dankbar mit Votivtafeln, dass ihre Gebete erhört worden sind.“

Seit der Zeit des heiligen Martin bis 1583 sind in Tours neun große Kirchenkonzile abgehalten worden, um kirchliche und religiöse Fragen zu klären. 1562 kam Tours für ein halbes Jahr unter die Herrschaft der Hugenotten. Von 1789 bis 1796 war Tours im Spannungsfeld der französischen Revolution und Gegenrevolution. Tours sei heute eine Universitätsstadt wie Tübingen mit einer großen Universitätsklinik.

Neben dem Erleben der regionalen Geschichte, sagt Pater Franz, „erlebte ich jeden Tag schöne Dinge der Gegenwart“. Ein Erlebnis habe ihm sehr gefallen: „Auf dem Rad-Wanderweg gab es viele Touristen, die mich mit ihren sportlichen Fahrrädern überholten oder mir entgegenkamen. Einige kamen einzeln und andere in Gruppen. Ein Ehepaar war beeindruckend: Der Mann hatte auf seinem Fahrrad schweres Gepäck. Die Frau hatte auf ihrem Rad nur ein Körbchen, in dem ein Hündchen saß und froh und zufrieden in die Welt schaute. Es dachte wohl: Das Leben ist schön!“

„Das Leben ist zweifellos schön, sowieso wenn der heilige Martin hilft“, stellt Pater Franz fest. Denn zum Abschluss seiner Pilgerwanderung und Fahrt, sage er in Dankbarkeit, dass alles gut gelungen sei, „weil der heilige Martin mitgeholfen hat“.

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