Zu Ehren der Thora

Die Dauerausstellung "Spurensicherung: Jüdisches Leben in Hohenzollern" in der ehemaligen Haigerlocher Synagoge wird um ein bemerkenswertes Fundstück reicher: Ein Haigerlocher Bürger stiftete die Bima-Decke.

WILFRIED SELINKA |

Das blaue Tuch mit hebräischer Schrift - die Bima-Decke - wurde von einem Haigerlocher Bürger dem Verein Gesprächskreis Ehemalige Synagoge übergeben. Der Vorsitzende und Historiker Helmut Gabeli hat nun Nachforschungen betrieben, um die Echtheit der Decke zu überprüfen. Danach teilte er mit: "Die Bima ist ein erhöhtes Pult oder ein erhöhter Tisch im Zentrum der Synagoge. Sie ist Symbol des Sinai und des Tempelaltars. Auf der Bima liegt die Torarolle während aus ihr vorgelesen wird. Sie ist mit einer Decke bedeckt, um so der Tora Ehre zu erweisen."

Helmut Gabeli hat auch den Zustand der Decke untersucht. "Die Haigerlocher Bima-Decke hat eine Größe von rund 158 Zentimeter in der Breite und rund 140 Zentimeter in der Höhe. Das Material ist ein dunkelblauer, samtartiger Stoff, der auf größeren Flächen abgeschabt ist. Die Rückseite besteht aus einem braunen Futterstoff mit floralem Ornament. Der Futterstoff weist multiple kleinere Löcher und mehrere größere Risse auf. Der Futterstoff ist ausgebessert. Sämtliche Näharbeiten sind von Hand ausgeführt. In den vier Ecken des Tuches und zwischen den beiden Worten der dritten Zeile ist jeweils ein florales Ornament - eine Blüte - aufgestickt", erklärte er.

Auf der Vorderseite der Bima-Decke ist in der Mitte eine fünfzeilige hebräische Inschrift mit gold- und silberfarbenem Faden aufgestickt. Die oberen drei Zeilen verlaufen halbkreisförmig, die beiden unteren Zeilen waagrecht. Der aufgestickte hebräische Text lautet in der deutschen Übersetzung: "Zur Ehre Gottes und seiner Thora haben gelobt und gespendet: Menachem, Sohn des Jehoschua Ullmann, und seine Gattin Esther, Tochter des Abraham, Haigerloch." Gil Hüttenmeister aus Tübingen übersetzte die Zeilen vom Hebräischen ins Deutsche.

Laut Helmut Gabeli waren die Stifter Menachem und Ester Ullmann, Viehhändler und Bürger in Haigerloch. Menachem Ullmann wurde ist geboren am 16. April 1846, seine Ehefrau am 28. Juni 1850.

Geheiratet haben die beiden am 17. November 1872 und gestorben sind sie am 10. April 1907 beziehungsweise am 14. März 1916. Beide sind auf dem jüdischen Friedhof im Haag beerdigt.

Die Bima-Decke wird nun in Absprache mit dem Haus der Geschichte Baden-Württemberg, die die Dauerausstellung konzipiert hat, einen würdigen Platz in der ehemaligen Synagoge erhalten. Sie ist in der Ausstellung seit der Eröffnung auf einem Dia von der Innenaustattung der Synagoge vor ihrer Zerstörung zu erkennen.

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