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Verschwiegene Volkskrankheit

16 Masterstudenten der Hochschule der Medien Stuttgart drehen einen Film über das Krankheitsphänomen Depression. Drehort ist die ehemalige Hahnemann-Klinik (St. Josefshaus) im Stahlbad Imnau.

GUNAR HAID |

Für den Dreh in Bad Imnau wurden acht von insgesamt 14 Drehtagen in der zweiten Januarwoche veranschlagt. Die Hauptrolle im Film "Anna`s Augenblicke" spielt die Berlinerin Micaela Bara, welche durch ein Casting ausgewählt wurde.

Das Projekt wird von zahlreichen Sponsoren, darunter auch die Robert-Enke-Stiftung und die Imnauer Mineralquellen, unterstützt. Ziel des Filmprojekts ist es, die Öffentlichkeit zum Thema "Depressionen" zu sensibilisieren, die mehr sind als nur "Stimmungsschwankungen".

"Wir wollen Toleranz schaffen, Vorurteilen und der Stigmatisierung ein Ende setzen", erläutert Regisseur Dejan Simonovic, der mit diesem szenischen Kurzfilm den Betroffenen Hoffnung und Lebensmut mit auf dem Weg geben will.

Mittlerweile leiden vier Millionen Menschen in Deutschland an einer depressiven Störung. Doch ist sie keine Schwäche des Charakters, sondern eine ernst zunehmende und behandlungsbedürftige Krankheit, die in ihrer Schwere häufig unterschätzt wird.

12 000 Erkrankte nehmen sich jährlich in Deutschland das Leben. Bis zum Jahr 2020, so prognostiziert die UN-Weltgesundheitsorganisation, werden Depressionen nach den Herz- und Kreislauferkrankungen weltweit die zweithäufigste Ursache für Arbeitsunfähigkeit sein. Diese Zahlen offenbaren, dass es auf allen Seiten noch immer an Aufklärung fehlt. Viele Betroffene verschweigen die Diagnose, aus Angst ausgegrenzt und stigmatisiert zu werden.

Angehörige können den Leidensdruck nicht nachempfinden, reagieren mit Unverständnis oder Ohnmacht. Noch immer erkennen Ärzte die Krankheitsbilder nicht oder können keine optimale Behandlung ermöglichen. Es wird ein optimaler Nährboden geschaffen, auf dem die Depression zu einem Volksleiden heranwachsen kann. Über alle Krankheiten kann man sprechen. Über einen Herzinfarkt, über Krebs, sogar über Aids. Über der Depression aber liegt ein Schleier.

Mit dem Filmprojekt wollen die Studenten der Öffentlichkeit zeigen, was sich unter Depression verbirgt. Um eine authentische Darstellung zu gewährleisten, war eine enge Zusammenarbeit mit Betroffenen, Ärzten, Kliniken und anderen aufklärenden Institutionen von Bedeutung. Erst durch die Erfahrungsberichte von Leidenden und die Kompetenz von Experten konnte das Filmprojekt an Glaubwürdigkeit gewinnen und den Zielen gerecht zu werden.

Im Rahmen eines Themenabends wird das Filmprojekt Ende März 2011 erstmals der Öffentlichkeit präsentiert. Ziel der 16 Masterstudenten ist es, über vielfältige Medienkanäle ein breites Publikum zu erreichen, um Betroffene und Außenstehende zu informieren und zu einem Austausch anzuregen.

Hierfür soll der Allgemeinheit eine DVD zugänglich gemacht und in Vereinen, Kliniken und anderen Institutionen als Lehrfilm zur Verfügung gestellt werden. Ferner soll die Chance genutzt werden, die Filme bei verschiedenen Filmfestivals und interessierten Fernsehsendern einzureichen.

Mit dem Ausschöpfen aller Verbreitungsmöglichkeiten hofft das Projektteam eine nachhaltige Wirkung schaffen zu können, um dem Volksleiden Depression ein Stück weit entgegen zu wirken und den "Schleier" etwas anzuheben.

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