Spur jüdischen Lebens gesichert

Haigerloch.  Mit der Eingangstür der früheren Synagoge Dettensee hat die Dauerausstellung "Spurensicherung: Jüdisches Leben in Hohenzollern" ein weiteres prägnantes Ausstellungsstück bekommen.

Mit einer Gedenkveranstaltung zum 9. November hat auch in diesem Jahr der Synagogenverein und die Stadt Haigerloch der Zerstörung der Synagogen in Deutschland in der Pogromnacht 1938 gedacht. Im Mittelpunkt stand am Mittwochabend die erstmalige Präsentation der Synagogentür aus Dettensee. Die Feierstunde wurde einfühlsam von Simone Hönisch, E-Pianio und Viola Faiss, Flöte, mit Werken von John Williams und Johann Pachelbel musikalisch umrahmt.

Namens des Gesprächskreises ehemalige Synagoge Haigerloch begrüßte Vorsitzender Klaus Schubert besonders die Familie Josef und Markus Fischer sowie Herbert Zander aus Dettensee, ohne deren Zutun der Erhalt der Synagogentür nicht möglich gewesen wäre, Vertreter der Stadt, des Hauses der Geschichte Baden-Württemberg, der Sparkasse Zollernalb sowie Mitglieder und Freunde des Vereins.

Schubert erinnerte an die Zerstörung der Synagoge der jüdischen Gemeinde Haigerloch 1938. "Ab dem 9. November 1938 richtete sich die offene Gewalt des Nationalsozialismus gegen Gebäude und Menschen. Wir verneigen uns vor den Opfern". Auf Spurensuche zu gehen, dazu lade die Dauerausstellung in Haigerloch ein. Das Spuren sichern werde exemplarisch mit der Dettenseer Syangogentür deutlich. Sie erhalte nun, nach acht Jahrzehnten, ihre ursprüngliche Würde und Bedeutung zurück, so Schubert.

Bürgermeister Heinrich Götz würdigte das neue Ausstellungsstück als Zeichen guter Nachbarschaft im ehemaligen Hohenzollern. Die Erinnerung an die Entrechtung, Diskriminierung und Ausgrenzung durch Verachtung, Hass und Gewalt vor 73 Jahren dürfe auch heute nicht in Vergessenheit geraten.

Der alten, fast unscheinbaren Holztür aus Dettensee und ihrer Geschichte widmete sich Cornelia Hecht vom Haus der Geschichte. Dettensee, einst zum Oberamt Haigerloch zählend und ein Teil der Herrschaftsgeschichte des Hauses Hohenzollern, hatte bereits 250 Jahre vor dem Bau der Synagoge im Jahre 1820 eine stattliche jüdische Gemeinde. Im Jahr 1900 zählte sie noch 173 Personen. Die Synagoge war ein stattliches Gebäude. Sie wurde im Jahr 1930 abgebrochen, nachdem immer mehr Juden auswanderten und der Unterhalt des Gebäudes für die immer kleiner werdende Gemeinde finanziell untragbar wurde. Gebäudeteile und Gegenstände wurden verkauft, Säulen und Gebäudereste als Grabsteine verwendet. Die Tür der Synagoge gelangte zu Johann Fischer, dem Großvater von Markus Fischer, der sie in seine Schreinerwerkstatt einbaute. Als nun die Werkstatt abgebrochen wurde und einem Wohnhaus Platz machte, wurde zusammen mit Herbert Zanders, Ortshistoriker in Dettensee, mit dem Gesprächskreis in Haigerloch Verbindung aufgenommen. Die Steinfragmente wurden durch Steinmetzmeister Paulus Roth ausgebaut und samt der Türe nach Haigerloch gebracht.

Durch das Haus der Geschichte Baden-Württemberg, Stuttgart, welches die Dauerausstellung in der ehemaligen Synagoge konzipiert hat, wurde veranlasst, dass die Türe vom Holzwurm befreit und restauriert wurde. Nun hat sie sichtbar im Eingangsbereich, allerdings ohne die Steinfragmente in der Dauerausstellung ihren bleibenden Platz gefunden. Durch Vermittlung zur Uni Tübingen kann zudem noch eine Mesusa (Türpfosten) vom ehemaligen Gasthaus "Kronen" in Dettensee in der Haigerlocher Ausstellung gezeigt werden. Den 9. November bezeichnete auch Bettina Zundel vom Projektteam "175 Projekte" als eine bedeutendes Datum in der jüdischen Geschichte. Gerne habe die Sparkasse Zollernalb dieses bedeutende Exponat als "Einzige und erste originale Synagogentür in Hohenzollern" im Rahmen der Aktion "Kunst und Kultur" mit 2500 Euro gefördert.

Info Die Dauerausstellung in der ehemaligen Synagoge Haigerloch ist samstags und sonntags von 11 bis 17 Uhr geöffnet. Die nächste Veranstaltung des Synagogenvereins ist ein Vortrag von Helmut Gabeli am Donnerstag, 24. November, 20 Uhr, zum 70. Jahrestag der Deportation der Juden nach Riga.


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Autor: WILFRIED SELINKA | 11.11.2011

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