Pauken kann so schön sein

Ibrahim muss sich ducken, wenn er das Klassenzimmer betritt. Der Profi-Basketballer ist zwei Meter groß und einer von drei Native Speakers, die an der Haigerlocher Realschule ein pfiffiges Englisch-Projekt leiten.

ANDREA SPATZAL |

Ibrahim Ndoye, Nasheeka Netter und Nigel Battye sind am Sonntag in Haigerloch eingetroffen. Sie übernachten im Hotel "Krone" - und gehen jeden Tag brav zur Schule. Auf dem Pausenhof des Haigerlocher Schulzentrums ist das Trio bereits umschwärmter Mittelpunkt. Sie sind aber auch sympathisch, die drei Native Speakers, deren Muttersprache Englisch ist. Und das ist auch der Clou: Den 44 Schülerinnen und Schülern, die an dem pfiffigen Englisch-Projekt der Realschule Haigerloch teilnehmen bleibt gar nichts anderes übrig, als mit ihren neuen "Lehrern" in deren Muttersprache zu kommunizieren. Eine ganze Woche lang.

Die Idee zu dem Projekt kam auf, als 23 Realschüler gerade ihre USA-Reise planten (wie berichteten). Für die Daheimgebliebenen muss auch was her, dachte sich die Englisch-Fachschaft der Schule, und organisierte relativ spontan die einwöchige Spezial-Lerneinheit. Als Vorbild diente ein Englisch-Projekt, das in der letzten Sommerferienwoche am Gymnasium Haigerloch lief.

Zwar sind auch die Native Speakers, die über die Organisation "In-School-Projekt" vermittelt werden, nicht umsonst zu haben, aber das Angebot, das die Realschule den Klassenstufen 8 und 9 damit machen konnte, ist natürlich viel günstiger als jede Sprachreise. Die Eltern haben sehr positiv auf die kurzfristig geplante Aktion reagiert: "Wir haben uns sehr gefreut, als gleich so viele Anmeldungen kamen", sagt Englischlehrerin Maria Stopper. Zusammen mit ihrer Kollegin Caroline Schlenker hat sie die Native-Speaker-Woche federführend organisiert und dabei viel Unterstützung von Schulleiter Bernd Heiner und der ganzen Fachschaft erhalten.

Nun läuft die Sache seit Montag rund. Eine ganze Woche lang dreht sich alles um die Fremdsprache Englisch, aber auch um die Muttersprachler und deren Heimatländer. Für die 44 Teilnehmer, die in drei Gruppen arbeiten, gibt es diese Woche keinen regulären Unterricht. Sechs Schulstunden am Tag sind sie mit Ibrahim, Nasheeka und Nigel zusammen, reden, schreiben, tauschen sich aus, kochen und treiben Sport. Dabei wird ausschließlich englisch geredet.

Die Native Speakers bringen ihre Persönlichkeit, ihre individuellen Fähigkeiten und Hobbys mit ein. Ibrahim Ndoye ist 36 Jahre alt. Seine Eltern stammen aus Senegal, aufgewachsen ist er in Frankreich. Bis vor einem Jahr war Ibrahim als Profi-Basketballer international im Einsatz, spielte für Teams in London, Marseille und den USA. Jetzt spielt der Zwei-Meter-Mann noch als Semi-Profi in Bielefeld und ist dabei, beruflich umzusatteln auf die pädagogische Arbeit mit Kindern und Jugendlichen. Als Native Speaker an verschiedenen Schulen im Land eingesetzt zu werden, helfe ihm bei diesen beruflichen Plänen - und mache ihm auch gehörig Spaß: "I love it", ruft er begeistert. Die Schüler hätten "so viel Energie". Das genieße er besonders. Er werde mit den Schülern natürlich Basketball spielen und hege auch ein bisschen Hoffnung, das die Realschule daraufhin vielleicht ein Basketballteam gründet. "Ich würde auch immer mal wieder zum Training kommen", verspricht er.

Nasheeka Netter ist eine kleine Schönheit mit einem strahlenden Lächeln aus den USA. Die 25-Jährige stammt aus New Orleans. Seit drei Jahren lebt und arbeitet sie in Berlin, arbeitet dort in einem Tanztheater, tritt als Tänzerin und Rapperin unter dem Künstlernamen Nasheeka Nedsera auf. Sie möchte den Haigerlocher Schülern ihre Heimatstadt, amerikanische und auch schwarze Kultur näher bringen. Leider sei die Küche der amerikanischen Südstaaten, speziell die kreolische Küche, "zu komplex", um kurz mal was zusammen zu kochen. Deshalb will Nesheeka mit den Schülern lieber Brownies backen.

Nigel Battye wirft da alle Vorsicht über Bord. Ein "full english Breakfast" wird er diese Woche mit den Schülern zubereiten. Mit allem drum und dran - mit Eiern, Würstchen und Blutwurst, Bohnen und Speck, Pilzen und Toast und starkem schwarzen Tee. Nigel ist Engländer durch und durch. Er stammt aus Nottingham, lebt derzeit aber in Bielefeld. Mit 47 Jahren ist er der älteste in dem illustren Trio. Aber dafür ist er auch ein voll ausgebildeter Pädagoge.

Während Ibrahim schon oft als Native Speaker im Einsatz war, ist die Woche in Haigerloch für Nigel und Battye eine Premiere. Sie freuen sich auf das, was kommt, auf die Schulstunden, das gemeinsame Kochen, auf den Stadtrundgang, den die Schüler für sie vorbereiten müssen - auf Englisch natürlich. Und sie alle freuen sich auf die große gemeinsame Präsentation, die am Freitag um 11 Uhr die Wochen abschließen wird. Dazu dürfen die Schüler natürlich auch ihre Eltern, Großeltern, Geschwister und Freunde eingeladen.

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