Zum Tode von Josef Diebold

Wenn am Freitag im Nikolausheim Einschulung gefeiert wird und am Sonntag die Starzelner Feuerwehr ihr neues Auto bekommt, dann wird ein Mann mit seiner Kamera vermisst werden: Josef Diebold ist tot.

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So traf man ihn häufig an: Josef Diebold in seinem gut sortierten Fotoarchiv.

Im Killertal war er das, was man eine Person des öffentlichen Lebens nennt - und das ganz ohne hohe Ämter. Josef ("Bebbe") Diebold hat mehr als sechs Jahrzehnte lang mit seiner Kamera alle wichtigen Ereignisse in Starzeln und seinen Nachbardörfern festgehalten. Mehr als 25 000 sorgfältig archivierte Aufnahmen hat er der Nachwelt hinterlassen, als er am vergangenen Mittwoch für immer die Augen schloss. Nach längerer Krankheit ist Josef Diebold im Alter von 77 Jahren gestorben. Seiner Frau Angelika und den vier Kindern mit Familien gilt die Anteilnahme aller, die den geselligen Mitbürger kannten und schätzten.

Viel ließe sich über Josef Diebold erzählen: Er war im Dorf ein umtriebiger Mitbürger, vor allem als Vereinsmensch im Musikverein, bei den Sportfreunden sowie in der Feuerwehr war er bekannt und beliebt. Vor allem aber war Josef Diebold der Fotochronist des oberen Killertales. Seine erste Kamera stotterte er als 21-Jähriger 1958 mit seinem Taschengeld ab. Die Fotografie wurde in der Folgezeit Josef Diebolds große Leidenschaft - eine Leidenschaft, die ihn in der Region bekannt machte.

Geboren wurde Josef Diebold am 12. Juli 1937 in Tübingen. Wohlbehütet wuchs er im Starzelner Elternhaus zusammen mit zwei Geschwistern auf und machte sich nach den Schuljahren im Lebensmittelgeschäft der Eltern nützlich. Er baute das Elternhaus um und aus, werkelte fast sein ganzes Leben darin.

Aber auch als Sportler machte sich Josef Diebold rasch einen Namen. Draufgängerisch fuhr er mit seinem "Silberpfeil", seinem geliebten Rennrad, durchs Killertal, als andere längst noch in den Betten lagen. Und als Skifahrer schuf er sich sein ganz persönliches "Plateau" zwischen Oberem Berg und Tiefental, schwang sich auf zwei Brettern elegant durch den Tiefschnee und fuhr in seiner Glanzzeit auch verwegen die Zellerhornabfahrt hinunter.

Beruflich war er in jungen Jahren als Fotograf bei Mühlhansel in Burladingen beschäftigt, später bis zu seinem Ruhestand ein gutes Jahrzehnt lang bei der Werkzeug- und Maschinenfabrik Diebold in Jungingen.

Am meisten bei sich war Josef Diebold jedoch zeitlebens in der Fotografie. Ob Einschulungsfeier, Weißer Sonntag, Fronleichnamsprozession oder Vereinsfest - es gab so gut wie keinen Anlass in Starzeln und drumrum, bei dem Josef Diebold nicht mit der Kamera dabei war und seine Motive stellte. Auch die Bewohner seines Heimatdorfes hat er immer wieder porträtiert. Auf diese Weise war der Fotochronist eng mit seinen Mitmenschen verbunden. Und fast zu jedem seiner Bilder wusste er eine interessante Anekdote zu erzählen.

Josef Diebold war bescheiden und wollte seine Arbeit nie an die große Glocke hängen. Doch einmal im Jahr, am Tag des Starzelner Weihnachtsmarktes, stellte er ausgewählte Aufnahmen, immer schön thematisch sortiert, im Bürgersaal des Rathauses der Öffentlichkeit vor. Seine Alben dokumentieren Bilder sämtlicher Starzelner Häuser und ihrer Bewohner im Wandel der Jahrzehnte. Man könnte daraus ein eigenes Heimatarchiv aufbauen. Ohne Übertreibung: Diebolds fotografische Hinterlassenschaft sucht weit und breit ihresgleichen.

Seit über einem Jahr machte sich eine schleichende Krankheit bemerkbar, die jetzt zu seinem Tod führte. Alle, die Josef Diebold kannten, werden ihm ein ehrendes Gedenken bewahren. Der Rosenkranz findet heute Abend um 18.30 Uhr in der Starzelner Kirche statt, die Urnenbeisetzung mit Seelenamt am morgigen Mittwoch um 14 Uhr.

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