Wo das Veitle im Häfele sitzt

Die St. Georgskirche ist vielen alten Burladingern eine Herzensangelegenheit. Über einen neuen, 16-seitigen Kirchenführer können einheimische und auswärtige Besucher das Kleinod besser kennen lernen.

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Der Ausgrabungsplan von 1982 zeigt die verschiedenen Bauphasen der Burladinger St. Georgskirche seit dem siebten nachchristlichen Jahrhundert.

Die Georgskirche - das ist da, wo das Veitle im Häfele sitzt. Der linke Seitenaltar der alten Burladinger Dorfkirche ist ganz dem heiligen Vitus gewidmet, Patron der Töpfer und Burladinger Ortsheiliger. In einer zentralen Nische sitzt das nackerte Veitle mit erhobenen Händen in einem Ölkessel - in Erinnerung an die Legende, derzufolge der heilige Vitus von seinem Vater in heißem Öl gemartert wurde. Der Mann hatte ganz entschieden etwas gegen die Bekehrung seines Sohnes zum Christentum - und Vitus ließ sich auch mit brutalen Mitteln nicht von seinem Glauben abbringen. Die Hafnerei war im alten Burladingen ein ganz wichtiges Handwerk. Noch heute ist in Burladingen am Namenstag des Patrons, am 15. Juni, Veitsmarkt, und im Rathaus wird das Veitsglöckchen geläutet.

Die Burladinger St. Georgskirche hat aber noch etliche weitere kunsthistorische Besonderheiten zu bieten. Sie alle sind dokumentiert in der druckfrischen, reichlich bebilderten 16-seitigen Broschüre, die der Förderverein unter der Regie seines rührigen Vorsitzenden Franz Rieber jetzt in einer Auflage von 2000 Stück herausgegeben hat. Die Broschüre liegt am Schriftenstand zum Mitnehmen aus. Sie soll Rieber zufolge auch den vielen Auswärtigen als Kirchenführer dienen, die vermehrt das direkt an der B 32 gelegene Gotteshaus besuchen. Die gesteigerte Aufmerksamkeit liegt zum einen in der Tatsache begründet, dass der Hohenzollerische Jakobsweg an der Georgskirche vorbeiführt und etliche Pilger sich den heiligen Jakobus auf dem Deckengemälde über der Empore ansehen wollen. Zum anderen scheint sich herumgesprochen haben, dass die Zweitkirche der katholischen Pfarrgemeinde St. Fidelis seit zwei Jahren das Sommerhalbjahr über wieder für die Öffentlichkeit zugänglich ist. Den Schließdienst hatte zunächst Helga Faigle übernommen, jetzt führt Werner Maier aus der benachbarten Wohnanlage den Schlüssel.

So sehr es Pfarrer Konrad Bueb, der in der Georgskirche 14-täglich gut besuchte Mittwochabendmessen liest, freut, dass das jahrzehntelang Schattendasein der Georgskirche zu Ende ist, so sehr fühlen sich die Aktiven des Fördervereins verpflichtet, den damit verbundenen öffentlichen Erwartungen gerecht zu werden. Um Franz Rieber hat sich jetzt ein Helferkreis gebildet, der seit dem Frühjahr zweimal im Monat die weitläufige Außenanlage der Kirche pflegt. Franz Rieber, Frido Scheu, Klaus Schenk und Franz Hauko treffen sich regelmäßig zum Rasenmähen, Heckenschneiden, Mülleinsammeln und zu anderen Arbeiten. Kirchgänger, Konzertbesucher und Passanten habens schon bemerkt: Tipptopp sieht die Anlage mittlerweile aus. Weitere Mitstreiter wären sehr willkommen, um die Arbeit auf möglichst viele Schultern zu verteilen.

Denn der Förderverein hat noch weitere Ziele. Als nächstes streben Rieber und Co. an, den arg in die Jahre gekommenen Jägerzaun, der das Grundstück seit 1975 umgibt, durch eine schönere Einfriedung zu ersetzen.

Spenden dafür werden ebenso benötigt wie für ein anderes Projekt, das insbesondere Pfarrer Konrad Bueb ein Anliegen ist: Wie schon in Jungingen und in Killer soll vor der Georgskirche eine Figur aufgestellt werden, die den Jakobspilgern den Weg weist und sie zum Verweilen einlädt. Bueb, kraft Amtes im Vorstand des Fördervereins, ist in dieser Angelegenheit mit Wolfgang Bastian von den "burladinger malern" in Kontakt. Deren kürzlich verstorbenes Mitglied Frantisek Hladky hatte schon vor Jahren mögliche Entwürfe für ein Jakobusskulptur vorgestellt. Bis heute ist das Vorhaben aber an den fehlenden Mitteln gescheitert.

Die St. Georgskirche - ein paar Eckdaten

Mindestens drei Vorläuferkirchen der heutigen Georgskirche wurden durch archäologische Ausgrabungen 1982 nachgewiesen. Die älteste muss um 700 n. Chr. entstanden sein. Sie überlagerte das bei den Ausgrabungen gefundene Steinkistengrab, das aus der Zeit um 650 n. Chr. stammt. Man nimmt an, dass zu diesem Grab eine noch frühere Kapelle gehörte. Die Georgskirche ist damit eines der ältesten Gotteshäuser weit und breit.

Eine romanische Bauphase ist ebenfalls belegbar. Die Kirche aus dem 13. Jahrhundert war ein einfacher Rechteckbau, deutlich kleiner als die heutige Kirche. Der Nordwand ist noch in Teilen erhalten. Während einer Innenrenovierung ab 1983 wurden Malereien auf dieser Wand freigelegt und sichtbar gemacht. Sie stammen mit großer Wahrscheinlichkeit von dem Riedlinger Maler Hans de Pay (1589/90).

Die heutige Georgskirche wurde um 1770 unter der Regie des Haigerlocher Baumeisters Christian Großbayer gebaut. Die alte Kirche wurde abgebrochen, nur der Turm und Teile der Nordmauer blieben bestehen. An der Westseite entstand ein 24 Meter hoher Turm. Die Decken- und Wandgemälde hat der bekannte hohenzollerische Kirchenmaler Franz Ferdinand Dent um 1772 geschaffen.

Erforscht wurde die Geschichte der Georgskirche in den 1970er-Jahren von den Neufraer Architekten Hans-Peter Wallisch, der regelmäßig Besuchergruppen durch die Kirche führt und heute noch der Experte schlechthin für das kunstgeschichtliche Kleinod ist.

Seit 1934 die St. Fideliskirche gebaut wurde, ist die Georgskirche in Burladingen nur noch Zweitkirche. Immer mal wieder stand sie vor dem Abriss, auch nachdem sie 1978 vom Erdbeben schwer beschädigt wurde.

Ein Förderverein kümmert sich seit 1984, einem Jahr nach Beginn der großen Innenrenovierung, um die Georgskirche. 2009 hat das Atelier Ernst Lorch aus Sigmaringen etliche Figuren restauriert. Auch eine Alarmanlage wurde in diesem Zug eingebaut.

Seither ist die Kirche wieder für die Öffentlichkeit zugänglich. Es finden

regelmäßig Gottesdienste und Konzerte statt. Auch Hochzeitspaare nutzen die Georgskirche gerne.

Spenden kann man für die Georgskirche auf das Konto 100 081 002 bei der Volksbank Hohenzollern und auf das Konto 93 440 440 bei der Sparkasse Zollernalb.

 

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