Wasser kommt auf den Prüfstand

Wasser ist der kostbarste Rohstoff der Erde - aber in Burladingen anscheinend zu billig. Der Eigenbetrieb legt seit Jahren drauf. Daher schlägt die Verwaltung eine Gebührenerhöhung vor. Ebenso für das Abwasser.

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Wassser ist ein kostbares Gut. Aber in Burladingen scheint's zu billig. Archivfoto  Foto: 

Der Burladinger Gemeinderat diskutiert in seiner nächsten Sitzung am Donnerstag über die "Anpassung" des Wasserpreises. Was in aller Regel heißt, dass das wertvolle Nass demnächst teurer wird.

Zunächst sieht es gar nicht danach aus. Laut dem Vorschlag der Verwaltung wird der Kubikmeterpreis für Frischwasser sogar von 2,96 Euro auf 2,90 Euro reduziert; die bisherige Zählergebühr von monatlich 3,07 Euro entfällt sogar ganz. Aber. . . Es wird ein Grundpreis eingeführt, der pro Monat sieben Euro betragen soll. Die Verwaltung erhofft sich davon Mehreinnahmen von 193 000 Euro im Jahr.

Überraschend kommt der Vorschlag einer "Anpassung" nicht, der Eigenbetrieb Wasserversorgung Burladingen schreibt schon lange Zeit rote Zahlen, der Verlust hat sich auf inzwischen 1,8 Millionen Euro angehäuft. Der Grund für die Erhöhung ist also keineswegs die aktuelle Wasserknappheit im jetzigen, ganz besonders trockenen Jahr. Vielmehr liegt die defizitäre Haushaltslage daran, dass erstens nicht mehr zahlreiche Textilbetriebe Wasser beziehen, hießt kaufen, und dass zweitens das Versorgungsnetz des städtischen Wasserbetriebes weiterhin denselben Unterhaltsaufwand betreiben muss, wie in den Jahren der Industrieblüte. Allein die Reparatur der Hausanschlüsse kostet jährlich rund 200 000 Euro.

Tragischerweise hat auch der umweltbewusste Bürger mit Schuld daran, wenn die Einnahmen rückläufig sind. Haushaltsgeräte verbrauchen heute weniger Wasser als ihre Vorgänger, auch drosseln viele Bürger den Verbrauch im Sinne der Natur und der Ressourcen ganz bewusst, indem sie etwa ihr Wasser für die Gartenarbeit aus Zisternen schöpfen. Nicht zuletzt sinkt die Bevölkerungszahl in Burladingen - und damit wiederum die benötigte Wassermenge.

Zum Vergleich: In Gammertingen bezahlt der Kunde 1,10 Euro pro Kubikmeter und eine monatliche Grundgebühr von 5,50 Euro, in Bisingen 2,34 Euro pro Kubik und 2,50 Euro Grundgebühr pro Monat, in Haigerloch 2,18 Euro pro Kubik Frischwasser und zwei Euro monatliche Grundgebühr. Die Nachbarstadt Hechingen verlangt 2,08 Euro pro Kubik und erhebt jeden Monat eine Grundgebühr von sechs Euro. In Meßstetten sind es 1,90 Euro pro Kubik und fünf Euro Monatsgebühr, in Mössingen 2,46 Euro pro Kubik und eine Zähler-Jahresgebühr von 48 Euro.

Auch die Abwassergebühren kommen am Donnerstag auf den Prüfstand. Die Schmutzwassergebühr soll künftig 2,85 Euro pro Kubikmeter Abwasser kosten (bisher 2,91 Euro), die Niederschlagswassergebühr pro Quadratmeter einer versiegelten Dach- oder Hoffläche 0,52 Euro betragen (bisher 0,39 Euro).

Abwasser, das direkt in den Industriesammler eingeleitet wird, kostet je Kubikmeter 2,24 Euro. Eine neu einzuführende Schmutzwassergrundgebühr läge bei fünf Euro je Anschluss.

Auch in diesem Fall plädiert die Verwaltung deshalb für eine Erhöhung, weil die Ausgaben für Leitung und Kläranlage die Gebühreneinnahmen bei weitem übersteigen. Im Jahr 2013 musste die Stadt 158 713 Euro drauflegen, 2014 waren es 154 542 Euro. Unter anderem schlägt die Entsorgung des Klärschlammes teuer zu Buche. Dabei, darauf weist die Verwaltung hin, muss die Abwasserbeseitigung von Rechts wegen eigentlich kostendeckend arbeiten. Dies sei aber in jüngerer Vergangenheit nur noch im Jahr 2010 gelungen.

Die Preisänderungen sollen ab Januar 2016 gelten. Ob es so kommt, entscheidet der Gemeinderat am kommenden Donnerstag. Beginn der Sitzung ist um 19.30 Uhr. Obacht! Das Gremium tagt dieses Mal in der Aula der Grundschule.

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