Wangenbirnen-Ernte geht gen null

Wenn die Ernte der Wangenbirnen im Oberen Killertal in diesem Jahr schlecht ausfällt, so hat das mehrere Gründe. Zur Traurigkeit haben die Obstbauern indes keinen Grund - die Most-Aussichten stehen gut.

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  • Christian Kugler und Roland Pfauth (rechts) inspizieren die Bäume auf dem Vereinsgelände "Im Winkel". Der Ertrag der Welschen Bratbirnen scheint vielversprechend. Zumal die oberen Äste "genagelt voll" hängen. Fotos: Matthias Badura 1/2
    Christian Kugler und Roland Pfauth (rechts) inspizieren die Bäume auf dem Vereinsgelände "Im Winkel". Der Ertrag der Welschen Bratbirnen scheint vielversprechend. Zumal die oberen Äste "genagelt voll" hängen. Fotos: Matthias Badura
  • Brüder zur Sonne, zur Freiheit - diese Birne wächst nach oben. 2/2
    Brüder zur Sonne, zur Freiheit - diese Birne wächst nach oben.
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Christian Kugler, Chef des Obst- und Gartenbauvereins Hausen, ist ein Fan alter Apfel- und Birnensorten. Eine frische, saftige Wangenbirne zu präsentieren, tut er sich indessen schwer. Wie er erklärt, gebe es erstens heutzutage nur noch drei solcher Bäume im Oberen Killertal, Markung Starzeln und Hausen. Dass zudem alle drei in diesem Jahr schlecht tragen, also kaum Früchte hervorgebracht haben, erschwere die Sache zusätzlich.

Doch wenn es auch in Bezug auf die Wangenbirnen-Ernte 2014 in diesem Landstrich übel aussieht, besteht für Saft- und Mostliebhaber zur Trübsal kein Grund. Andere Obstbäume prangen in wahrer Pracht, hängen "genagelt voll", wie man gemeinhin zu sagen pflegt. "Im Unterland, bei Jungingen und Hechingen, siehts noch besser aus", berichtet Kugler, "aber wir hier oben können ebenfalls sehr zufrieden sein". Dass dazwischen vereinzelt Bäume leer stehen, macht das zu erwartende Gesamtergebnis nicht schlechter. Das seien halt die Launen der Natur, die Wind, Wärme oder Bienenflug nicht überall gleichmäßig verteile. Jetzt noch ein paar sonnige Tage und ein paar knackig-kalte Herbstnächte, dann gibt das einen Most - Kugler schnalzt mit der Zunge! Um nochmals auf die Wangenbirne zurückzukommen, ist die Frage, warum nur noch drei in den beiden Ortschaften vorhanden sind, schnell beantwortet. Es ist nicht so, dass ihre Gefährten neueren Sorten weichen mussten, nein schlimmer, sie und andere vorhandene Bäume wurden in den 60er- und 70er-Jahren für Bauland hingemacht - und einfach nie ersetzt.

"Das ist wie überall", klagt Kugler. Wenn er alte Fotos betrachtet, blutet ihm das Herz. Darauf ziehen sich ganze Gürtel um Dörfer, auf deren Gebiet heute mitunter gerade mal noch einzelne Apfelbäume zu finden sind. Gut, dass die Streuobstwiesen-Programme und das Engagement der Vereine sowie der Fachberater dem in jüngerer Zeit entgegen wirken.

Besser präsentieren lässt sich in Hausen die Welsche Bratbirne, ebenfalls ein Alt-Adel unter den Obstbäumen. Von dieser Sorte hat der Obst- und Gartenbauverein Hausen mehrere auf seinem Vereinsgelände "Im Winkel" stehen. An den unteren Ästen hängen zwar nur ein paar verschüchterte, dieser Tage noch recht kleine Früchtchen. Dagegen zeigen die oberen Lagen eine überbordende Pracht.

Weil von Most die Rede war: Die Welsche Bratbirne eignet sich auch hervorragend, um sie in Destillat zu veredeln. Destillat - nicht Schnaps, wie Kugler betont. Denn mit einem ordinären Schnaps könne man das Produkt, das sein Verein aus einer Edelbrennerei bezieht, nicht vergleichen. Kostprobe gefällig? Leider bleibt, ein Schnäpsle zu genießen, dieser Tage wenig Zeit. Man bereitet sich auf das Heckenfest am 7. September vor und ist noch mit Bauarbeiten an der Vereinshütte beschäftigt. Wobei man sich ebenfalls fragt, ob man dieses komfortable Heim, mit Sitzungszimmer, Keller und Mostkeller, einfach als Hütte bezeichnen kann? Kürzlich wurde der Holzboden des Hauptraumes versiegelt, im Augenblick ist man dabei, im Außenbereich eine Trockenmauer aufzubauen. "Ein Paradies für Eidechsen, Salamander und Kleinlebewesen", wie Christian Kugler betont.

Das erste "Heckenfest" des Vereins fand 2009 statt. Der Vorsitzende meint zwar, man sollte das Fest umbenennen, wenn die Vereinsanlage einmal komplett fertig gestellt sei, aber sein Schriftführer Roland Pfauth ist sich da gar nicht so sicher. Der Name habe sich bereits etabliert. Zudem, Pfauth zeigt auf das Gelände und die Vegetation ringsum, sei man doch hier, an der Sonnenhalde, "in den Hecken - oder etwa nicht?"

Wie im vergangenen Jahr wird der Musikverein Hausen aufspielen, der das Fest nutzt, um sich seinerseits darzustellen. Und der selber schließlich auch gerne feiert. Es gibt Rote, Gulasch, Spätzle, Kaffee, Kuchen und allerlei Getränke. Darunter auch Most des Vorjahres. Süffig-mild - "und ohne jeglichen Zusatz", wie die Obstbauern versichern. Ohne Frage werden sie das Fest auch dazu nutzen, ihren Verein und seine Ziele vorzustellen. Wer weiß, vielleicht lassen sich ja noch Mitstreiter gewinnen.
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