Trigema-Chef Wolfgang Grupp feiert 75. Geburtstag

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    Wolfgang Grupp als Junior. Am 4. April 1942 geboren, besuchte er später das Jesuitenkolleg und studierte in Köln. Foto: 
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    James Bond? Nein, Wolfgang Grupp 1973, Jungunternehmer mit der Lizenz zum Produzieren. Foto: 
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    Mit der Familie. Foto: 
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    Jürgen Klopp und Wolfgang Grupp. Die beiden trafen sich als Luftschiff-Taufpaten in Warstein. Foto: 
  • Der Burladinger Unternehmer Wolfgang Grupp feiert heute seinen 75. Geburtstag. Anrufen in der Firma zwecklos. Er ist mit seiner Familie verreist. 5/5
    Der Burladinger Unternehmer Wolfgang Grupp feiert heute seinen 75. Geburtstag. Anrufen in der Firma zwecklos. Er ist mit seiner Familie verreist. Foto: 
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Wolfgang Grupp, einer der markantesten Unternehmer Deutschlands, feiert heute, am 4. April, Geburtstag. Er sieht aus wie 65 oder 55, bewegt sich wie mit 45, spricht und handelt – wie ein agiler, hochmotivierter 35-Jähriger? Schwer zu sagen. Er ist der alte Leitwolf, der den desaströsen Strukturwandel der Textilbranche der 1990er-Jahre überlebte, der gestärkt daraus hervorging und der durch die Jahrzehnte viele Erfahrungen gesammelt hat. Und doch, das behauptet er selbst von sich, waren die Maxime seines Handels schon dieselben, als er 1969 die damals mit rund zehn Millionen Mark verschuldete Firma „Trikotwarenfabriken Gebr. Mayer“ seines Vaters übernahm.

Nein, sagt Wolfgang Grupp selbstbewusst, er habe als Geschäftsführer nie gravierenden Fehler gemacht. Säße er sonst an dieser Stelle? „Große Fehler“, die gebe es sowieso nicht, wenn man die kleinen erkenne und umgehend aus der Welt schaffe. Das sei seine Aufgabe als Unternehmer, nach diesem Prinzip sei er stets verfahren.

Man muss ihm zustimmen: Grupp erkannte die T-Shirt- und Batik-Welle, auf der er schwamm, als anderen der Trend erst allmählich dämmerte, er sah das Ende der Massenproduktion für Kaufhausketten kommen und baute mit den Testgeschäften rechtzeitig einen eigenen Vertrieb auf. Er hielt sich oben, während die Mitbewerber untergingen. Ebenso hat er die Hebel rechtzeitig auf Online-Verkauf umgestellt; ein zunehmender Markt, der die herkömmlichen Ladengeschäfte aller Branchen mehr und mehr ablöst. Viele kämpfen, Trigema indessen ist in diesem Markt etabliert. So wie die Firma überhaupt im Internet omnipräsent ist. Für Werbung, das darf man ebenfalls sagen, hatte Wolfgang Grupp immer ein gutes Gefühl und das richtige Händchen. Seien es die frech-erotischen Poster der 70er-Jahre gewesen, die Verpflichtung von Fußball-Bundesligavereinen als Bannerträger seiner blauweißroten Firmenschwinge, der Affe Charlie oder jüngst der Kauf des Luftschiffs, das jetzt mit seinem Logo über den Himmel zieht.

Heute ist Wolfgang Grupp 75. Die Frage aller Fragen, die ihm  Journalisten schon wochenlang stellen, lautet (natürlich): Wird er sich anlässlich dieses markanten Datums zur Ruhe setzen? Und wenn nicht jetzt, wann dann?

Der Burladinger lächelt nachsichtig: Seine Mitarbeiter und auch seine Familie, würden ihm immer noch das Gefühl geben, gebraucht zu werden. Da wäre es doch fatal, ja arrogant, wenn er sich aufs Altenteil zurückzöge? Er arbeite gerne, er liebe seine Aufgabe, das Geschäft sei sein
„Hobby“.

Hält er sich also für unverzichtbar? Nein, widerspricht Grupp, das auch nicht. Er sei in 48 Jahren keinen Tag krank gewesen und hoffe, dass das noch lange so bleibt. Sollte er allerdings morgen nicht mehr hinter seinen Schreibtisch treten können, werde die Firma auch ohne ihn weiterlaufen. Seine Frau Elisabeth, seine Tochter Bonita und sein Sohn Wolfgang junior seien in alle Entscheidungen eingebunden und mit der Unternehmensführung vertraut; sie wären in der Lage, das Ruder zu übernehmen. Allerdings, das steht fest und ist klar geregelt: das Unternehmen kommt in nur eine Hand. Eine geschäftsführende Person, eine Verantwortung, so lautet die Vorgabe, das ist Grupps Credo.

Das alles ist aber derzeit kein Thema, die verbindlichen Entscheidung trifft am Ende der Beratungskette bis dato noch immer er. „Ich bezahle ja auch“, schnarrt der Firmenchef auf seine unnachahmliche Weise.

Feiern wird er seinen Geburtstag in Dubai, im Kreis der Familie, bei einem schönen Abendessen; keine Riesenparty, keine große Sause. Er sei, erinnert er, zu seinen großen Wiegenfesten stets verreist gewesen. So halte er es auch dieses Mal.

Ganz unbemerkt geht das Jubiläum aber im Betrieb nicht vorüber. Alle 1200 Mitarbeiter erhalten 100 Euro extra auf die kommende Lohnabrechung. Eine Flasche Geburtstags-Rotwein gibt es für jedes Mitglied der Belegschaft außerdem. Mit seinem Bild und dem Trigema-Etikett darauf.

So hegt er also gar keine größeren Wünsche, Träume, Vorhaben, die er sich zur Selbstverwirklichung noch erfüllen will? Grupp verneint nochmals, er habe sich viele Wünsche im Leben erfüllt, viele Dinge gegönnt. Das Größte sei für ihn „die Betriebsfamilie und seine eigene Familie“.

Auf unternehmerischem Sektor ist geplant, in absehbarer Zeit die Färberei auf dem Burladinger Firmengelände zu modernisieren; ein Millionenprojekt. Mehr aber nicht. Keine „Kapazitätserweiterung in einer bedarfsgedeckten Wirtschaft.“ Den Zusammenkauf von Firmenimperien, die aus brüchigen und verkrachten Bauteilen bestehen, hat er immer wieder als „Größenwahn“ gegeißelt. Die Zeiten der Massenproduktion seien auf dem europäischen Markt passé. In der Herstellung von Billigwaren könne man die Konkurrenz in Ostasien nicht unterbieten, hier mithalten zu wollen, sei Unsinn. Die Zukunft deutscher Unternehmen liege in der Qualität und in der Innovation, es gelte zu erkennen: Was will der Kunde haben? Was können wir dem Kunden bieten, was die Konkurrenz ihm nicht bieten kann? Das ist eine klare Vorgabe für die Zukunft, die nahtlos an die Vergangenheit anknüpft. Was bleibt da sonst noch zu sagen? Eigentlich nur, ihm und der Familie heute einen schönen Tag zu wünschen – und Wolfgang Grupp natürlich alles Gute zu seinem 75.

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