Vier Abteilungen müssen um Existenz bangen

Starzeln, Hausen, Hörschwag, Salmendingen: Vier Feuerwehrabteilungen müssen um ihre Existenz bangen. Benötigte Synergien könnte ein Feuerwehrbedarfsplan bringen. Der aber lässt weiter auf sich warten.

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Das Eisen ist heiß. Offenbar zu heiß, um es den Stadträten schon in die Hand zu geben. Sein Name ist Feuerwehrbedarfsplan. Das Werk könnte der Burladinger Feuerwehr Planungssicherheit für die nächsten fünf Jahre und so manche lang ersehnte strukturelle Verbesserung bringen. Deshalb warten die Floriansjünger sehnlich darauf.

Ein Feuerwehrbedarfsplan könnte aber auch helfen, drohende kommunalpolitische Grausamkeiten, wie die Auflösung oder Zusammenlegung einzelner Abteilungen, abzuwenden. Denn das Werk könnte - durch eine sinnvolle Neuorganisation der verfügbaren Kräfte - wertvolle Synergieeffekte entstehen lassen.

Ein Feuerwehrbedarfsplan auf der Grundlage des Landesfeuerwehrgesetzes gilt heutzutage als Muss für eine modern geführte Wehr. Fast alle anderen größeren Städte im Zollernalbkreis - von Albstadt über Balingen bis zu Meßstetten und Haigerloch - arbeiten bereits mit solch einem Planwerk. Auch der Landkreis legt Wert darauf, dass die Kommunen ihre Rettungskräfte professionell organisieren. Fachleute prophezeien: Künftig könnten Zuschüsse davon abhängen, ob Anträge auf der Basis eines Bedarfsplanes gestellt sind.

Auch im Burladinger Rathaus weiß man das und hat im Haushaltsplan 2014 20000 Euro bereit gestellt, das einschlägig erfahrene Balinger Ingenieurbüro Riesener beauftragt und eine Arbeitsgruppe aus Verwaltung, Feuerwehr und Vertretern der Ratsfraktionen eingerichtet, um einen Feuerwehrbedarfsplan zu erstellen.

Vorarbeiten wurden reichlich geleistet: Jede Abteilung der Gesamtstadt-Wehr lieferte eine Fülle an Daten ab über Personalbestand, Verfügbarkeit, Ausbildungsstand, Materialbestand, Feuerwehrhäuser, Fahrzeuge, Übungsbetrieb und Gefahrenpotenziale, Arbeitsaufwand für Erhaltung und Prüfung der Einsatzgeräte im jeweiligen Ortsgebiet und in den zentralen Werkstätten in Burladingen. Doch greifbare Ergebnisse lassen auf sich warten.

Nachdem im Juli 2014 mit den Erhebungen begonnen worden war, hätten schon im vergangenen Winter erste Entwürfe präsentiert werden sollen. Man fand nur keinen Termin vor April. Vor der Bürgermeisterwahl sollte das Thema, das so viel Zündstoff birgt, offenbar nicht an die Öffentlichkeit kommen. Im Laufe dieses Jahres wurde immerhin in der Arbeitsgruppe diskutiert, doch den Gemeinderat haben die Planentwürfe auch nach anderthalb Jahren nicht erreicht.

Ein großer Schritt nach vorne hätte heute Abend getan werden können. Vertreter des Ingenieurbüros Riesener waren nach Burladingen eingeladen, um vor dem Gemeinderat über den Stand der Dinge zu berichten. Kurzfristig wurden sie jedoch wieder abbestellt. Offenbar ist das Eisen noch zu heiß.

Und warum? Nach HZ-Informationen setzt das Rathaus auf Einspareffekte und wünscht sich womöglich eine Variante, die zur Schließung von vier Einsatzabteilungen führen könnte. Als existentiell bedroht fühlen dürfen sich demnach insbesondere die tagsüber personalschwachen Killertal-Abteilungen Starzeln und Hausen, aber auch Hörschwag und Salmendingen. Die Variante hätte die Auswirkung, dass die Killertäler Einsatzabteilungen einen gemeinsamen Stützpunkt im Killertal hätten. Und auf der Alb könnten Melchingen und Stetten als zentrale Feuerwehr-Stützpunkte fungieren.

Auch in Feuerwehrkreisen weiß man um die Schwachstellen, was die Personalverfügbarkeit während der Arbeitszeit anbelangt, drängt aber umso mehr auf eine Lösung nicht unter dem Diktat des Rotstiftes, sondern mit den Mitteln eines Feuerwehrbedarfsplanes. Darin könnten zum Beispiel neue Rendezvous-Systeme bei der Einsatzalarmierung verankert werden, zum Beispiel, indem die Ringinger Abteilung hilft, etwaige Lücken im Killertal zu schließen. Das, so heißt es aus Feuerwehrkreisen, wäre eine intelligentere Lösung, als die vorhandenen, dezentralen Strukturen einfach aufzugeben.

Außerdem verspricht sich die Führung der 247 Mann starken Truppe von einem Feuerwehrbedarfsplan Entlastung für die Ehrenamtlichen durch die Schaffung der Stelle eines hauptamtlichen Gerätewartes. Vergleichbare Wehren haben einen solchen, und auch in Burladingen wäre er kein Novum. Rolf Mathe bekleidete diese Position, bis er im Jahr 2000 die Stelle als Vorarbeiter im Bauhof übernahm.

Umso mehr wächst das Unverständnis darüber, dass die Feuerwehrbedarfsplanung immer noch in der Warteschleife feststeckt. Stadtbrandmeister Ilija Pilic sagte der HZ auf Anfrage: "Es ist schon verwunderlich, wie lange das alles geht. Schließlich geht es um die Sicherheit der Bürger."

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