Trigema ist Hauptsponsor der Festspiele in Bayreuth

Die alljährlich stattfindenden Wagner-Festspiele sind ein Großereignis der Kulturwelt, global beachtet. Zu den Hauptsponsoren gehörten bisher Siemens oder Audi. Ab diesem Jahr zählt Trigema dazu.

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    Das Festspielhaus auf dem Hügel. Es werden einzig Wagners Opern aufgeführt. Foto: 
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    Auf dem roten Teppich in Bayreuth: Elisabeth, Wolfgang und Bonita Grupp bei der Eröffnung der Festspiele. Foto: 
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„Mein lieber Schwan!“, heißt es im Lohengrin. Das kam überraschend. Nicht, dass Trigema-Chef Wolfgang Grupp am Mittwoch zum Auftakt der diesjährigen Festspiele in Bayreuth weilte. Wie er am Donnerstag sagte, habe er das 1876 von Richard Wagner begründete Opernspektakel im Laufe seines Lebens schon vier oder fünf Mal besucht.

Überraschend war, dass Wolfgang Grupp in der Eigenschaft eines Sponsors mit Frau und Tochter über den roten Teppich schritt. Mehr noch, er wird im kommenden Jahr sogar als der eigentliche Hauptsponsor der Spiele auftreten. Momentan ist das noch die Firma Audi.

2013 fällt deshalb besondere Bedeutung zu, weil sich am 22. Mai der 200. Geburtstag des Komponisten jährt und man dieses Jubiläum groß begehen wird. Millionen Wagner-Fans und womöglich ebenso viele, die sein Werk ablehnen, blicken dann auf den Grünen Hügel (so benannt nach dem Ort, auf dem das von Richard Wagner selbst erbaute Festspielhaus steht).

"Ich war vollkommen überrascht"

Wie es Wolfgang Grupp geschafft hat, in die illustre Reihe der Großsponsoren aufgenommen zu werden? In dem Sinne habe er das gar nicht „geschafft“, meinte er am Donnerstag gegenüber der HZ. Nicht er sei es gewesen, der um Bayreuth warb, sondern die Festspielleitung sei auf ihn zugetreten. „Ich war vollkommen überrascht.“ Katharina Wagner, Urenkelin des Komponisten und eine der maßgeblichen Organisatorinnen, habe ihm „einen netten Brief“ geschrieben. Nach einem Besuch in Burladingen und intensiven Gesprächen habe er, Grupp, nach Rücksprache mit seiner Familie, dann das „OK“ gegeben.

Dass die Wagners und ihre Berater bei der Suche nach Fördergeld nun auf ein mittelständisches Unternehmen zurückgreifen, hat bereits Häme in der überregionalen Presse hervor gerufen. Grupp sieht’s indessen pragmatisch. Bei den Weltkonzernen sitze das Geld eben auch nicht so locker, vor allem, wenn sie sich über einen langen Zeitraum bei den Wagners engagiert haben. Stimmt: Die Verwirklichung der Spiele ist teuer und die Finanzierungsprobleme sind so alt wie das Festspielhaus selbst.

Grupp indessen steht bereit. Diese Art von Sponsoring, freut er sich, sei einmal „etwas ganz anderes“. Wobei er das Wort Sponsoring nicht mag. Der Firmenchef macht keinen Hehl daraus, als Unternehmer verspricht er sich von seinem finanziellen Beitrag in „sechsstelliger Höhe“ einen Gegenwert. Selbstverständlich rechne er mit öffentlicher Aufmerksamkeit und in Folge davon – das braucht er nicht eigens zu erwähnen – mit Absatz. In Schaufenstern der Bayreuther Innenstadt, erzählte er weiter, sei seine Firma bereits präsent. Man habe Wagner-T-Shirts herausgegeben und werde auch zum Jubiläum im kommenden Jahr eine Kollektion vorlegen.

Bayreuth ist immer ein brisantes Thema

Mit der Aufmerksamkeit ist es indessen so eine Sache. Der 1883 verstorbene Richard Wagner war mehr als nur der Lieblings-Opernkomponist Adolf Hitlers, er war dessen erklärtes Vorbild. Im Dritten Reich hatten sich die Wagners der zweiten Generation in eine enge Freundschaft mit dem „Führer“ verstrickt. Und bis heute prügeln sich Historiker und Musikwissenschaftler quer durch alle politischen Lager, ob „der Meister“ wegen seiner weltanschaulichen Schriften zu den Begründern des Antisemitismus gehört – oder eben nicht.

Bayreuth ist somit immer auch ein brisantes Thema. Schon mancher hat sich die Finger verbrannt. Wolfgang Grupp mag sich jedoch auf derlei Diskussionen nicht einlassen, er will diese Ebene erst gar nicht betreten. Er verknüpfe keine politischen Überlegungen mit Bayreuth, ihm gehe es um das künstlerische Ambiente.

Vielmehr bewundert er Katharina Wagners Wirken, die zusammen mit ihrer Halbschwester Eva die Spiele leitet. Hier sieht Grupp Gemeinsamkeiten mit seinem eigenen Haus: Die Festspiele seien ebenfalls ein Familienunternehmen, mit Trigema zwar insofern nicht vergleichbar, weil auf dem Hügel zahlreiche Institutionen und der Staat ein Mitspracherecht besitzen, aber immerhin.

Grupp weist Gedanken an Mitsprache von sich

Oder sogar noch mehr: „Die beiden Damen müssen ganz hübsch arbeiten“, zollt der Unternehmer seine Anerkennung.

Wer bezahlt, bestimmt die Musik. Da wäre manches denkbar: Wird der Burladinger Textilfabrikant daher als Geldgeber Einfluss auf die Aufführungspraxis nehmen? Die Spinnstube im „Fliegenden Holländer“ könnte mit Trigema-Strickmaschinen ausgestattet werden, das schwer schuftende Zwergenvolk der Nibelungen als Trigema-Arbeiterschaft kenntlich gemacht sein.

Den Regisseuren der „Experimentierbühne“ Bayreuth, die sich als modern versteht, könnten solche Ideen gefallen, Grupp weist Gedanken an Mitsprache hingegen von sich. Kunst sei Sache der Künstler. Und er freue sich – oder staune, je nachdem – was am Schluss heraus kommt. Dazu müsse man kein Experte sein, und man müsse dann auch nicht versuchen, so zu tun, als sei man einer.

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