Sex von früherer Partnerin erpresst

Die Täter- und die Opferwahrnehmung differiert häufig, sagte Richter Koch - und sprach von einer "versteckten Tragik", die einem 48-Jährigen gestern eine Bewährungsstrafe wegen sexueller Nötigung einbrachte.

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Jahrelang pflegte der Mann eine rein sexuelle - einvernehmliche - Beziehung zu jener Frau, die ihn im Oktober des vergangenen Jahres wegen sexueller Nötigung angezeigt hatte. Was bei dem Angeklagten auf Unverständnis stieß. Gestern verurteilte ihn Amtsrichter Koch jedoch zu einer achtmonatigen Bewährungsstrafe (auf drei Jahre) und stellte ihm zugleich einen Bewährungshelfer an die Seite. Darüber hinaus hat der Mann aus einem Burladinger Teilort 80 Stunden gemeinnützige Arbeit zu leisten. Die Zeit dazu hat er - weil er gesundheitlich stark beeinträchtigt ist und von Sozialhilfe lebt. Mit seinem Urteil entsprach der Richter der Forderung von Staatsanwältin Dr. Hausmann, und auch der Verteidiger Westphal hielt exakt dieses Strafmaß für angemessen.

Wie kam es zu alledem? Der 48-Jährige und sein 32-jähriges Opfer hatten sich viele Jahre zum Sex getroffen, wofür sich die Frau auch bezahlen ließ. Im vergangenen Frühjahr allerdings beendete sie die Beziehung und lebt seither in fester Partnerschaft mit einem anderen Mann. In den Monaten danach begann der Angeklagte, seine früherere Sexpartnerin telefonisch zu belästigen - und machte dabei auch nicht vor Anrufen bei deren Eltern und dem Arbeitgeber halt.

Der Vater der jungen Frau erinnerte sich gestern als Zeuge an diverse Anrufe eines "selbst ernannten Freundes", der die Tochter sprechen wollte und wissen ließ, sie habe noch "verschiedene Dinge" bei ihm deponiert - und bekäme auch noch Geld von ihm. Auch die Mutter hatte solche Anrufe entgegengenommen. Ihm ihr Herz ausgeschüttet habe die Tochter nie, erklärte der Vater, es sei ihr wohl peinlich gewesen. Zumal irgendwann auch von kompromittierenden Fotos die Rede gewesen sei, die der Mann ins Internet zu stellen drohte.

Diese Drohung veranlasste die Frau irgendwann, ihren früheren Sexualpartner gemeinsam mit ihrem neuen Lebensgefährten aufzusuchen - doch habe dieser sie, erinnert sich der Vater, gar nicht erst eingelassen. Er, der Angeklagte, habe sich offensichtlich alleine mit der Tochter treffen wollen.

Parallel zu den Anrufen bei den Eltern, versuchte der 48-Jährige, die Frau an ihrem Arbeitsplatz ans Telefon zu bekommen. Ihr Vorgesetzter bestätigte das gestern vor Gericht - und hatte als Beleg einen Auszug aus seinem Anrufregister dabei. Einmal, glaubte er sich zu erinnern, habe er den Hörer an seine Angestellte weitergereicht. Wenige Tage danach erstattete diese Anzeige. Nachdem der 48-Jährige ihr gedroht hatte, das bei ihm verbliebene Sexspielzeug ihrem Chef auf die Theke zu legen, wenn sie nicht mit ihm schlafe. Was sie denn tatsächlich tat - aber eben nicht einvernehmlich, sondern unter Druck.

Damit war der Tatbestand der sexuellen Nötigung erfüllt - auch wenn es dem Angeklagten, wie das Gericht sehr wohl bemerkte, ein Stück weit am Unrechtsbewusstsein dafür mangelt. Dennoch anerkannten Staatsanwaltschaft und Richter gleichermaßen, dass der Angeklagte und sein späteres Opfer eine "sehr besondere Beziehung" hatten, sie einander nach vielen Jahren des sexuellen Kontakts nicht fremd waren. Richter Koch sprach gar von einem "Sonderfall", in dem die Erwartungshaltung des Beschuldigten zur sexuellen Nötigung geführt habe.

Dessen ungeachtet, machte die Staatsanwältin deutlich, hätte er das Nein der 32-Jährigen akzeptieren müssen. Trotzdem hatte Dr. Hausmann vor Gericht des Eindruck gewonnen, dass der Mann seine "Lektion gelernt" habe - spätestens nach offenen Anfeindungen aus seinem direkten Wohnumfeld. Mitleid aber hat sie mit dem einschlägig Vorbestraften nicht ("das ist ungut"). Frühere Verurteilungen - unter anderem schon einmal wegen sexueller Nötigung - habe er durch seinen Umzug auf die Alb hinter sich lassen und ein neues, unbelastetes Leben beginnen wollen - dann aber hätte er seine Vergangenheit mit diesem neuerlichen Fehlverhalten nicht selbst wieder hervorholen dürfen.

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