Saisonabschluss ein echter Knaller

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So biegsam ist das Meerrohr, der ideale Werkstoff für eine Peitsche. Oliver Simmendinger führte jetzt die letzten Besuchergruppen durch das Museum im vormaligen Killermer Bahnhof. Im kommenden Frühling geht’s weiter.  Foto: 

Nein, mit den Sommermonaten war Museumsleiter Oliver Simmendinger nicht zufrieden, die Besucherzahlen an den Öffnungstagen des Deutschen Peitschenmuseums in Killer waren, schlicht gesagt, lausig. Umso mehr freute er sich, dass zum Saisonschluss Andrang herrschte. Insgesamt kommt Simmendinger so doch noch auf geschätzte 350 Besucher in diesem Jahr. Das entspreche dem Durchschnitt, sagt er.

Auch sonst hatte der Museums­chef keinen Grund zur Klage. Das Publikum, das er durch die Räume führte, war erkennbar wirklich interessiert an der Peitschenmacherei; kein: „Jetzt bringen wir das hinter uns, damit wir’s auch mal gesehen haben“, im Gegenteil, die Gäste lauschten aufmerksam, stellten gewiefte Fragen. Wobei ein Teil davon Wiederholungstäter waren, sie  kannten sich schon ein bisschen aus im Bahnhof – der das Museum einst war. Schön, dass es sich bei diesen Spezialisten ausgerechnet um einige der jüngsten Besucher handelte.

Es war aber auch kurzweilig, was Simmendinger erzählte. Seine Führungen hat er von jeher gut gemacht, aber inzwischen hat er seinen Stil noch verbessert. Wenn man das dürfte, möchte man fast sagen, er übertreffe gar seinen Vater, den unnachahmlichen Museumsgründer Jürgen Simmendinger. Allerdings schaffte es Jürgen mit seinen „Schnauzbart“-Geschichten sogar, dass Besuchergruppen nach der Führung im Museumcafé gnadenlos verhockten, obwohl sie, weil noch für andere Veranstaltungen andernorts angemeldet waren. So wie einmal der Ringinger Jahrgang 1964 – aber das ist eine andere Geschichte.

Draußen knallten unterdessen Erika und Zoltan Farkas und der Burladinger Nachtwächter Willi Gastel mit ihren Peitschen, dass es einem in den Ohren klingelte. Auch diese drei sind Wiederholungstäter, mit ihren Geißeln an allen Öffnungstagen immer mit dabei. Wer mitknallen wollte, der durfte es auch dieses Mal gerne versuchen. Ein Besucher aus Balingen – dessen Name in der Eile nicht zu erfragen war – hatte eine eigene, überlange Karbatsche mitgebracht und gab eine Sondervorstellung. Sein Gerät zum Schnalzen zu bringen, stellte dann sogar die drei genannten Könner vor eine echte Herausforderung. Das gefiel den Zuschauern. Mit einem Satz: Es war echt was los an diesem Saisonabschlusstag.

Bis zum Frühjahr herrscht nun Ruhe im Bahnhof, allenfalls gibt es Sonderführungen für angemeldete Gruppen. In Bezug auf das kommende Jahr weiß die Museumsführung noch nicht so recht. Eigentlich wäre Jubiläum. 1993 wurde das Museum im Beisein des damaligen Landwirtschaftsministers Gerhard Weiser eröffnet. Es fuhr sogar während des Festaktes eigens eine Dampflok vor. Heute wäre das organisatorisch wohl nur noch unter allergrößten Umständen zu machen.

Gibt es ein Jubiläumsfest?

Ob es zum Geburtstag ein Fest gibt, steht nicht fest. Die Gruppe der Heimatvereins-Aktivisten ist klein geworden. Damals blühte, nein boomte, die  unter der Ägide von Ortsvorsteher Anton Kromer gegründete Gruppe. „So ein großes Fest stemmen wir alleine nicht“, gibt Oliver Simmendinger zu. Er bräuchte einen Verein, der die Logistik übernimmt oder den Heimatverein zumindest unterstützt. Besagte Unterstützer dürften dann an der Sache auch durchaus etwas verdienen. „Es geht mir nicht um die Kohle, mir wäre es wichtig, ein schönes Fest zu haben“, meint Simmendinger. Mal sehen, vielleicht tut sich etwas, vielleicht ertönt das Hornsignal der Reitenden Kavallerie ja noch. Wenn nicht, will der Museumsleiter eben die „gewöhnlichen“ Öffnungstage glanzvoller gestalten. Doch auch hier wäre er dankbar, wenn sich Sammler melden, damit er an diesen Tagen Sonderschauen anbieten könnte.

Mehr Zeit für Plaudereien mit dem Museumsleiter blieb am letzten Öffnungstag nicht, eine weitere Gruppe drängte auf Einlass, wollte wissen wie in Killer, als einer von ganz wenigen Produktionsstätten im Reich, anno dazumal an Spitzentagen bis zu 5000 Peitschen täglich gefertigt wurden.

Jahre besteht das Deutsche Peitschenmuseum in Killer. 2018 wird es ein Vierteljahrhundert alt. Von Anfang an war es im ehemaligen Bahnhof untergebracht.

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