Neuer Sheriff kommt in die Stadt

Die Stadt richtet einen Gemeindevollzugsdienst ein. Ab 2017 soll ein Gemeindebediensteter seine Runden drehen, nach dem Rechten schauen und Missstände möglichst schon im Vorfeld beseitigen.

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Amerikanische Sheriffs kennt man aus dem Kino als grimmig. Der Gemeindevollzugsdienst, den der Burladinger Gemeinderat jetzt bewilligte, soll dagegen, wenn er Missstände aufspürt, zunächst auf die Bürger zugehen und das Gespräch suchen.  Foto: 

(Achtung: Satire!) Den Hut in die Stirn gedrückt, die Sonnenbrille vor den Augen, die ihm das Aussehen eines unheimlichen Insekts verleihen: so blickt er mit eisiger Miene Durchreisende an, bevor er ihnen erklärt, dass es die friedliebenden Bürger dieser Stadt überhaupt nicht schätzen, wenn Fremde hierherkommen um Ärger anzufangen. Ansonsten lauert er in Hauseingängen und passt Autofahrer ab, die ihren Wagen auf Flächen parken, von denen kein Mensch weiß, dass dort aus unerfindlichen Gründen vor Urzeiten einmal ein Parkverbot verhängt wurde. Strafzettel um Strafzettel klemmt er unter die Scheibenwischer, während weinende Frauen bitten, sie zu verschonen, ihr Mann dürfe nicht wissen, dass sie heute seinen Wagen genommen hätten.

Genau so - soll der noch einzustellende Mann vom neuen Burladinger Ordnungsvollzugsdienst nicht auftreten. Das Bild, das sich die Stadtverwaltung von ihm macht, ist ein anderes: Der Mitarbeiter erkennt bei seinen Streifen zu Fuß kleine, größere oder auch erst sich anbahnende Missstände: etwa ungeschnittene Hecken, die in Straßen ragen, verdreckte Feldwege, Raserei, Parkplatzmißbrauch, Müllablagerungen und dergleichen mehr. Zuerst einmal geht er auf die Verantwortlichen zu und appelliert an ihr Einsehen.

Erst in einem zweiten Schritt, wenn nach zeitlichem Abstand nichts besser geworden ist, setzt er sein eigenes Amt oder die jeweils zuständigen Behörden in Bewegung. Dann allerdings konsequent und kostenträchtig.

Der Vorschlag der Verwaltung lautete, eine 100-Prozent-Stelle für den Ordnungshüter zu schaffen, der nicht nur in der Stadt, sondern auch in den Ortsteilen seine Runden dreht. Eine weitere, schon vorhandene Stelle eines Rathausmitarbeiters, soll um 20 Prozent aufgestockt werden, dort würde die Schreibarbeit erledigt, die anfällt. Investieren müsste die Stadt für die 1,2 Stellen jährlich etwa 67 000 Euro, die Einnahmen aus Bußgeldern schätzt man auf 45 000 Euro. Wie Hauptamtsleiter Michael Schäfer und Bürgermeister Harry Ebert jedoch betont wissen wollten, gehe es nicht ums "Abkassieren". Es gehe um die Wohn- und Lebensqualität, darum das Aussehen und Image der Stadt zu pflegen, zu erhalten und zu verbessern. Bisher, das führte Harry Ebert aus, sei es so, dass sich viele Bürger zwar über Missstände und Zumutungen beklagen, sich selber aber scheuen, solche Dinge zu melden. "Man möchte nicht als Denunziant dastehen."

Die Gemeinderäte folgten diesen Argumenten und begrüßten den Antrag - auch namens der Teilorte. Er wurde daraufhin mit einer Gegenstimme angenommen.

Die fehlende 100-Prozent-Stelle wird ausgeschrieben, eine vorhandene um 20 Prozent erweitert, zudem wird beim Landratsamt beantragt, dass die Stadt die Aufgaben einer "örtlichen Straßenverkehrsbehörde" übernehmen darf. Letzteres ist notwendig, um bei Vergehen im Straßenverkehrsrecht selber und direkt eingreifen zu können.

Im kommenden Jahr könnte der Ordnungshüter, Stadtsheriff oder -büttel beginnen, auf Streife zu gehen.

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