Mit Bella unterm Hintern daheim

Jetzt sind Amadeus, Monika und Rouven Waldmann wohlbehalten in Gauselfingen angekommen - nachdem sie einer Fahrt mit dem Motorrad von Peking quer durch die Mongolei zurückgelegt haben.

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Für Sehenswürdigkeiten wie die Basilius-Kathedrale blieb in Moskau kaum Zeit.
Das Abenteuer Heimreise - die HZ berichtete bereits - ist geglückt. Zwar nicht ganz so, wie es sich die Gauselfinger Familie vorgestellt hat. Aber ihr Motorrad mit Beiwagen, eine Chang Jiang 750, Nachbau der BMW R 71, genannt "Bella", hat es dann doch noch irgendwie geschafft, Eltern und Sohn in die Heimat zu bringen - trotz zahlreicher Pannen und Reparaturen. Zweimal musste der Motor zerlegt werden, vier Mal ging die Lichtmaschine kaputt, zweimal sind die Kofferhalterungen gebrochen und haben sie den Auspuff verloren, 28 Speichenbrüche wurden gezählt und es ging noch so manch anderes zu Bruch. In Russland hatten der Kraftfahrzeugmechanikermeister - er war fünf Jahre für seinen Arbeitgeber Mercedes Benz in Peking tätig - und seine Frau starke Bedenken, man müsse nun doch noch den Flieger nach Hause nehmen. "Wir wollten nicht mit dem Sturzhelm unter dem Arm zu Hause ankommen sondern mit Bella unter dem Hintern", beschreibt Monika Waldmann die bedrückte Stimmung, welche sie in Lettland fast jegliche Hoffnung aufgeben ließ. Schon Tage zuvor wartete man, kurz vor Moskau, vergeblich auf die Ersatzteile aus Peking, um den Motorschaden beheben zu können. Der Paketdienst ließ die Deutschen im Stich, und das russische Visum drohte abzulaufen. Von 30 Tagen gingen allein zehn Tage für den Motorschaden drauf. Dabei wollten sich die Gauselfinger doch in Ruhe Moskau ansehen. Immer und immer wieder mussten die drei ihre Fahrt unfreiwillig unterbrechen. Und dennoch: im größten Unglück war den Waldmanns das Glück meistens hold. Mal traf man den deutschen Landsmann Sepp im Hotel, der half, mit einem Spezialwerkzeug die Lichtmaschine zu reparieren. Einmal schickte der ADAC seine russische Partnerfirma zum Abschleppen. Und dann halfen Freunde von Freunden, Bekanntschaften und Zufallsbegegnungen dem Trio immer wieder weiter. So wie die Leute von der Drogenfahndung, die gerade am Straßenrand auf "Kundschaft" warteten, und die einen Motorradelektriker anriefen, der die Gauselfinger dann unterstützte. Trotz aller Widrigkeiten genossen Amadeus und Monika Waldmann mit ihrem elfjährigen Sohn Rouven die Tour, sahen fremde Landschaften und Städte - und waren total begeistert von Warschau, das sie irgendwann noch einmal besuchen wollen. In Leipzig warteten schon Freunde auf die Familie - in Peking waren sie Nachbarn. Nach zwei Tagen Aufenthalt ging die Reise weiter, mit einem Zwischenstopp in Donauwörth. Und dann schnurstracks nach Gauselfingen. Dort wartete die 16-jährige Tochter Tara, die schon mit dem Flugzeug ihre Heimreise angetreten hatte und nun bei den Großeltern per Smartphone und Computer die aufregende Reise mitverfolgt hatte. Nach fünf Jahren in China und einer achteinhalbwöchigen Fahrt von Peking nach Gauselfingen mit rund 10 000 Kilometern, sind die bekennenden Globetrotter wieder in der Heimat angelangt. Fragt sich nur, für wie lange? Denn schließlich zieht es die vier immer wieder in die weite Welt hinaus. Tochter Tara ist gar in Afrika auf die Welt gekommen. Die Freundschaften aus aller Welt werden gepflegt, man besucht sich gegenseitig, organisiert Globetrotter-Treffen und hält die Freunde per Rundmail auf dem Laufenden. "Es war eine interessante und spannende Reise. Wir sind reicher geworden, reicher an Freundschaften und menschlichen Begegnungen, die trotz sprachlicher Hürden sehr intensiv waren. Und wir haben sehr viel gelernt unterwegs", fasst Monika Waldmann die zurückliegenden Wochen zusammen. Manches würde sie im Rückblick zwar anders machen. Aber das lehrt schließlich immer die Erfahrung - die man erst einmal machen muss.
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