Maximal 300 können mitmachen

Groß war das Interesse an der Informationsveranstaltung zum möglichen Aufbau eines Biogas-Nahwärmenetzes in Ringingen. Über 100 Bürger kamen. Weitere Planungen sollen folgen.

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Ortsvorsteher Dieter Arnold (links) bedankte sich beim Referenten Jörg Dürr-Pucher, der die Voraussetzungen für ein Nahwärmenetz erläuterte. Foto: Vera Bender

Gut 100 Ringinger Bürger und Ortschaftsräte sowie Gemeinderäte lauschten in der Festhalle dem Vortrag von Jörg Dürr-Pucher, Geschäftsführer von "Clean Energy" zum Thema Nahwärme. Er war auf Einladung des Ortsvorstehers Dieter Arnold gekommen und stieß auf reges Interesse.

Doch zunächst stellten die beiden Ringinger Biogasanlagen-Betreiber ihre Produktion vor. Karl-Johann Dorn mit seiner 500-Kilowatt-Anlage und Michael Dieter, der gemeinsam mit weiteren Familienmitgliedern eine 250-Kilowatt-Anlage betreibt, nutzen derzeit die überschüssige Wärme zur Trocknung von Holzhackschnitzeln. Genauso gut könnte diese Wärme, die ein Nebenprodukt bei der Stromerzeugung ist, zur Beheizung von Wohnungen und öffentlichen Einrichtungen genutzt werden.

Dürr-Pucher machte deutlich, dass sich zwar nur maximal 300 Haushalte ans Nahwärmenetz anschließen lassen könnten, aber eine hohe Beteiligung für einen bestmöglichen Netzausbau unabdingbar sei. Grundsätzlich müsse die Wärmedichte über 500 Kilowattstunden pro Meter liegen.

Mit den beiden vorhandenen Biogasanlagen hätte man in Ringingen definitiv beste Voraussetzungen für ein "Bioenergiedorf". Bekannte Vorbilder wie in Grosselfingen oder Leibertingen gebe es ja bereits.

Sollte man sich in Ringingen für den Bau eines Nahwärmenetzes entschließen, dann stellt sich als nächstes die Frage nach der Betreibergesellschaft. Überträgt man die Planung, den Bau und die Abwicklung an eine Firma mit entsprechender Erfahrung oder gründet man eine Genossenschaft? Zu Letzterem tendieren die Ringinger offensichtlich. Dann müsste allerdings auch etwa ein Drittel der geschätzten Investitionssumme von drei Millionen Euro als Eigenkapital aufgebracht werden. Ein Bürger rechnete grob hoch, welche Summe auf den Einzelnen zukommen würde. Die Zahl von 6500 Euro bezeichnete der Referent als durchaus realistisch. Die Investition würde sich im Laufe der Zeit amortisieren. Doch wie sieht es mit den laufenden Kosten für die Nahwärme aus?

Legt man bei einem Preis für die Kilowattstunde Nahwärme den Mindestpreis von acht Cent zugrunde und bedenkt, dass zehn Kilowattstunden Nahwärme in etwa einem Liter Heizöl entsprechen, dann landet man bei einem Vergleichspreis von 80 Cent pro Liter Heizöl. Auf den ersten Blick sei damit noch nichts gespart, gab Dürr-Pucher zu. Doch erstens müsse man in den Heizölpreis noch viel mehr mit einrechnen und zweitens sei man vom schwankenden Preis für das Öl unabhängig. "Und wir heizen mit erneuerbaren Energien", ergänzte ein Ringinger zur Freude des Clean-Energy-Geschäftsführers.

Eine anonyme Abstimmung, zu der man am Ende der Veranstaltung aufrief, soll der Ortschaftsverwaltung Klarheit verschaffen, wie groß der Wunsch im Dorf nach einem Nahwärmenetz ist. Ende Januar soll dann erneut informiert werden, dann mit konkreten Zahlen. Wenn man sich für ein Nahwärmenetz entschließt, dann sollte man im wahrsten Sinn des Wortes "Gas geben", Fördermittel beantragen, Pläne erstellen lassen und die Genossenschaft gründen. Nach zwei bis drei Jahren könnte dann das erste Haus mit Nahwärme beheizt werden.

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