Lebenslange Narben bleiben

Lebenslange Narben bleiben einem Fasnetsgast, der sich im Januar in der Salmendinger Kornbühlhalle vergnügt hatte. Der sie ihm mit einem Glas zugefügt hat, stellt die Ursache als unglückliche Fügung dar.

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Die Staatsanwaltschaft Hechingen wirft einem 34-Jährigen vor, er habe bei einer Fasnetsveranstaltung in der Salmendinger Kornbühlhalle im Januar einem anderen absichtlich ein Weizenbierglas ins Gesicht geschlagen, so dass es brach und dem Mann erhebliche Wunden schnitt.

Wie der Angeklagte gestern gegenüber dem Amtsgericht zu seiner Verteidigung sagte, könne er sich nicht mehr genau an den Ablauf erinnern, er sei betrunken gewesen: "Bier, Jacky und andere Sachen". Aber, meinte er mit Blick auf den Geschädigten, der ihm gegenüber saß: "Ich kannte ihn ja gar nicht. Warum soll ich das getan haben?" Er sei, so erklärte er sich den Vorgang, damals in ein Gedränge an der Eingangstür der Kornbühlhalle geraten, möglicherweise, so seine Mutmaßung, habe er im Zuge der allgemeinen "Schubserei", die da stattfand, ein unglückliche Bewegung ausgeführt.

Sein Opfer wollte das nicht glauben. Er sei der letzte im Gedrängel gewesen, der Angreifer habe sich dagegen überhaupt nicht in der Menge befunden, er sei etwas abseits, hinter ihm gestanden. Als er, das Opfer, sich beiläufig zum ihm umdrehte, sei das Weizenbierglas auf ihn herniedergegangen - und in seinem Gesicht zerbrochen. "Ohne Vorwarnung". Wie er weiter erzählte, ging er dadurch zu Boden und kam erst in der Behindertentoilette wieder zu sich, blutüberströmt, als ihn Ersthelfer verarzteten.

Er trug, deutlich sichtbar, Schnittverletzungen an der Nase und an den Lippen davon. Zudem brach, wie Lichtbilder zeigten, ein Teil eines Eckzahnes ab. Vergleichsweise wenig, wie der 32-Jährige meinte: "Es hätten auch die Augen zerschnitten werden können."

Nach Anhören dieses Berichtes äußerte Richter Koch den Verdacht, ein solches Blutbad müsse das Ergebnis eines massiv geführten Schlages sein. "Mit ein bisschen Schucken kann das nicht gehen."

Ein Freund des Opfers, der die Szene am Eingang direkt neben ihm miterlebt hatte, bestätigte dessen Aussagen im Wesentlichen. Der Angreifer sei abseits gestanden, eine vorherige Auseinandersetzung, selbst ein Gespräch habe es nicht gegeben. Der Hieb sei unmittelbar erfolgt. Aus heiterem Himmel auch deshalb, weil der Angeklagte ihm den ganzen Abend über friedlich erschienen war.

Allerdings berichtete der Zeuge auch, sein Freund habe im Gedränge seinerseits einen anderen von sich weggestoßen, als der mit dem Rücken gegen ihn geprallt war. Der Verteidiger konzentrierte seine Fragen nun in diese Richtung - ob es nicht doch ein "Geschubse" gab, in dem sein Mandant mittenmang dabei war. Und der Schlag - wenn überhaupt in der Form erfolgt - unbeabsichtigt geführt wurde.

Ein zweiter Zeuge konnte gestern nicht gehört werden. Er befand sich, was vergessen worden war, ordentlich entschuldigt auf Hochzeitsreise. Das erforderte dann einen Fortsetzungstermin der Verhandlung. Er findet am 7. Januar um 14 Uhr statt. Um die verbleibende Zeit zu nutzen, verlas Amtsrichter Koch das Register des Angeklagten. Es handelt sich um eine traurige Biographie sowie um eine verstörende, unendliche Serie von Straf- und Gewalttaten, die sich durch ein beinahe ganzes Leben zieht. 21 Einträge zählte der Vorsitzende, darunter immer wieder brutalste Schlägereien, bei denen auch Frauen und Mädchen zu Schaden kamen, bei denen Gläser und Gegenstände flogen Das brachte dem 34-jährigen, dessen Verwurzlung in der rechtsradikalen Szene an seinen Tattoos abzulesen ist, jahrelange Haftstrafen ein - die ihn oft nicht davon abhielten, unmittelbar nach ihrer Verbüßung erneut massiv zuzulangen. In jüngerer Zeit scheint es indessen ruhiger um ihn geworden zu sein.

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