Keine Mehrheit für Killermer Ortsvorsteher

Hängepartie in Killer: Der neue Ortschaftsrat hat Ortsvorsteher Josef Pfister gestern Abend die Mehrheit verweigert. Einen Gegenkandidaten gab es aber auch nicht. Jetzt muss in 14 Tagen neu gewählt werden.

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Per Losentscheid holte sich Manuel Kaupp das Amt des stellvertretenden Ortsvorstehers von Ute Wannenmacher.  Foto: 

"Das ist blamabel für Killer, was sich hier abspielt", kommentierte ein Zuhörer den Verlauf der ersten Sitzung des neuen Ortschaftsrates. Ein anderer wollte sich das Geschehen nicht länger antun und ging. Im Gremium passierte das, was zu befürchten gewesen war: Die Kandidaten der beiden konkurrierenden Listen, die bei der Ortschaftsratwahl jeweils fünf Sitze bekommen hatten, saßen sich unversöhnlich gegenüber.

Die erwartete Kampfabstimmung blieb allerdings aus. Die bislang oppositionelle "Liste für Killer" machte ihre Ankündigung, einen Ortsvorsteherkandidaten zu stellen, nicht wahr. Hatte man bisher geblufft, oder hält der Poker an? Jedenfalls überraschte Josef Kästle, als es um die Ortsvorsteherfrage ging, mit der Ankündigung: "Wir stellen keinen Kandidaten."

Amtsinhaber Josef Pfister von der Bürgerliste zögerte dagegen nicht. Als ihn seine bisherige Stellvertreterin Ute Wannenmacher vorschlug, sagte er: "Ich würde das Amt übernehmen, wenn ich das Votum des Ortschaftsrates kriege."

Kriegte er aber nicht. In geheimer Wahl erhielt er nur fünf Stimmen bei vier Gegenstimmen und einer Enthaltung. Die nötige absolute Mehrheit war knapp verfehlt.

Ein Zwist entspann sich dann um das weitere Prozedere. Josef Pfister wollte wissen, ob ein zweiter Wahlgang am selben Abend ein anderes Ergebnis bringen könnte. Wenn ja, würde man ihn durchführen, wenn nein, würde man sich in zwei Wochen zu einer Neuauflage treffen.

Conny Reich und Josef Kästle von der "Liste für Killer" wollten daraufhin einen "Vorschlag zur Einigung" präsentieren. Doch das ließ Josef Pfister unter Verweis auf die Statuten nicht zu: "Es gibt jetzt keine Diskussion um Kaisers Bart. Es geht jetzt nur um die Wahl und sonst um nichts."

Josef Kästle versuchte es erneut: "Wir hätten einen Vorschlag, der ein Ergebnis bringen könnte, wenn ihr drauf eingeht." Doch der amtierende Ortsvorsteher duldete als Sitzungsleiter keine Debatte. Conny Reich bezweifelte daraufhin, "dass das Prozedere so in Ordnung ist: Was soll denn bei einem zweiten Wahlgang herauskommen, wenn man sich dazwischen nicht beraten darf?" Eben deshalb, so konterte Josef Pfister, schlage die Gemeindeordnung ja vor, dass ein zweiter Wahlgang "frühestens nach einer Woche" stattfinden soll. Bis dahin habe das Gremium dann Zeit zu reden, "zum Beispiel in einer nicht öffentlichen Sitzung".

Das bedeutet, dass der Gemeinderat bei den Ortsvorsteherwahlen am kommenden Donnerstag Killer erst einmal ausklammern muss. Zu einem zweiten Wahlgang will sich der Ortschaftsrat dann am Mittwoch in zwei Wochen treffen.

Nicht minder verhärtet blieben die Fronten zwischen den beiden Listen bei der Wahl des stellvertetenden Ortsvorstehers. In jeweils zwei Wahlgängen ernteten sowohl der Kandidat der "Liste für Killer", Manuel Kaupp, als auch die Bewerberin der Bürgerliste, Ute Wannenmacher, jeweils fünf Ja- und fünf Nein-Stimmen. Jetzt musste doch noch gelost werden. Das glückliche Händchen hatte Oppositions-Kandidat Manuel Kaupp.

In der Bürgerfragestunde wollte Gerd Schäfer wissen, ob der Vorschlag zur Einigung in der Ortsvorsteherfrage denn nicht jetzt noch zu erfahren sei. Nein, sagte Conny Reich, "der Vorschlag macht jetzt in der Form keinen Sinn mehr".

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