Jäger kriegen ihren Kompromiss

Es war zu erwarten, dass die Wellen im schon zugemacht geglaubten "Fass" der Jagdpachtvergabe nochmals hochschlagen. So kam es in der Sitzung des Gemeinderates dann auch - und zum Kompromiss.

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Kreisjägermeister Walter Greff machte das "Fass" der Jagdverpachtung am Donnerstag im Gemeinderat nochmals auf. Folge: Ein Kompromiss.  Foto: 

Die Stadt vergibt die Jagdpacht neu. Nachdem der zugehörige Vertragsentwurf schon in nicht öffentlicher Sitzung vom Gemeinderat beschlossen worden war, meldeten sich die Pächter der Flächen, sprich die Burladinger Jäger zu Wort. Öffentlich kritisierten sie zum einen die Kündigsungsmodalitäten der auf zwölf Jahre laufenden Verträge als ungerecht, weil die Stadt zahlreiche Möglichkeiten habe, sich von den Jägern zu trennen, umgekehrt komme man aus den Verträgen aber kaum heraus. Zweitens wurde die Weißtanne im neuen Entwurf zur "Hauptbaumart" erklärt. Die Pächter sind damit zu ihrem besonderen Schutz verpflichtet. Treten Schäden durch Rehverbiss auf, müssen sie dafür aufkommen.

Forstdirektor Hermann Schmidt hatte dagegen in einem Gespräch mit der HZ den Vertrag verteidigt. Vieles darin sei großzügig und zugunsten der Jäger ausgelegt, etwa die Wildschadensregelung. Die besondere Aufmerksamkeit gegenüber der Weißtanne sei hingegen nicht zu viel verlangt, ökologisch und wirtschaftlich unabdingbar und durchaus zu leisten - wenn man seine Abschusszahlen erfülle.

Zugleich hatten sich wiederum die Jäger zu einer weiteren Versammlung getroffen und waren übereingekommen, dass sie die neuen Verträge in der Form nicht unterschreiben wollen.

Die abschließende Beratung des Gemeinderates sollte am Donnerstag stattfinden. Allerdings erneut im nicht öffentlichen Teil der Sitzung. Gleichwohl wohnten zahlreiche Jäger, darunter Kreisjägermeister Walter Greff, der öffentlichen Sitzung bei. Den Punkt Bürgerfragestunde nutzte Greff dazu, die Klage der Jäger vorzutragen. Die Punkte Verpachtungsdauer und Hauptbaumart, meinte er, würden eine harte Erschwernis darstellen. Auch habe man den Jägern nicht ausreichend die Chance gegeben, ihren Standpunkt darzustellen.

Bürgermeister Harry Ebert sah die Dinge anders. Der Erhalt der Weißtanne sei der Stadt bekanntermaßen ein wichtiges Anliegen. Und die Kündigungsmodalitäten seien kaum anders als die in früheren Verträgen. Ebert bestritt nicht, dass die Stadt damit Möglichkeiten besitze, Druck auszuüben, wenn ein Pächter seinen Verpflichtungen nicht nachkommt. Doch sei man gegenüber den Jägern stets ein ehrlicher und verlässlicher Vertragspartner gewesen. Grundlos werde niemand hinausgeworfen. Das alles biete keinen Anlass, die Verträge nicht zu unterschreiben, meinte Ebert leutselig. Fügte jedoch hinzu, andernfalls werde man die Flächen eben anderweitig verpachten. "Und die kriegen wir verpachtet, das schwöre ich Ihnen."

Dörte Conradi, Sprecherin der CDU, regte an, einem "Kompromiss" zu suchen. Die Erhebung der Weißtanne zur Hauptbaumart hielt Conradi für rechtlich fragwürdig. Und was die Vertragsdauer betrifft, war sie dafür, den Waidmännern nach sechs Jahren eine Kündigungmöglichkeit einzuräumen.

Harry Ebert hingegen sah keinerlei Grund, das "Fass nochmals aufzumachen". Der Gemeinderat habe ausführlich beraten und beschlossen! Wenn jetzt nachverhandelt würde, mache man sich unglaubwürdig. Zumal er in der "massiven Anwesenheit" der Jäger den "Versuch" einer negativen Einflussnahme sehe. Der Rest wurde hinter verschlossenen Türen ausgetragen.

Wie gestern aus zuverlässiger, nicht zur Geheimhaltung verpflichteter Quelle zu erfahren war, kam es dabei tatsächlich zum Kompromiss: In die zwölfjährige Pachtdauer wird zur Halbzeit eine Kündigungschance eingeräumt. Die Weißtanne bleibt Hauptbaumart, doch beteiligt sich die Stadt an den Kosten der vorsorglichen Wildschadensverhütung, etwa an Zäunen.

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