Gute Wünsche für die ganze Welt

Fairness. Toleranz. Solidarität. Gerechtigkeit. Gewaltlosigkeit. Hehre Werte. Dass sie am Progymnasium Burladingen keine Worthülsen sind, sondern gelebt werden, bescheinigt das Zertifikat "Weltethos-Schule".

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Günther-Martin Pauli ist der erste Landrat seit mindestens 34 Jahren, der dem Burladinger Progymnasium einen Besuch abgestattet hat. Für Schulleiter Dieter Weinmann war das gestrige Gastspiel des Kreisoberhauptes ein untrügliches Indiz dafür, dass sich an der Schule etwas ganz Besonderes ereignet.

Und das war am Montagnachmittag in der Tat der Fall: Als eine der ersten Schulen in ganz Deutschland überhaupt wurde das Progymnasium der Fehlastadt als Weltethos-Schule ausgezeichnet. Der Generalsekretär der in Tübingen beheimatet, einst von Prof. Hans Küng gegründeten Stiftung Weltethos, Dr. Stephan Schlensog, kam in die mit Schülern, Eltern, Lehrern und Ehrengästen voll besetzte Burladinger Stadthalle, um die einschlägige Urkunde zu überreichen.

Was eine Weltethos-Schule ausmacht, das verdeutlichten in dem anderthalbstündigen Festakt nicht nur die Redner, sondern auch die Progymnasiasten selbst. In kurzen Spielszenen zeigten sie, was Solidarität, Toleranz, Fairness oder Gerechtigkeit im Schulalltag bedeuten können, was eine Partnerschaft zwischen Schülern und Lehrern ausmacht und was die Schulgemeinschaft von Gewaltlosigkeit hat. Das Puzzle aus all diesen Werten mündete schließlich in die an den Kategorischen Imperativ von Immanuel Kant erinnernde "Goldene Regel": "Alles, was du von anderen erwartest, das tu auch ihnen."

Schulen, an denen diese Werte nicht nur gelehrt, sondern auch gelebt werden, könnten als Weltethos-Schulen ausgezeichnet werden, sagte Dr. Stephan Schlensog. "Es geht um gelebte Wertekultur." Der Gast aus Tübingen zeigte sich nach den Darbietungen der Progymnasiasten beeindruckt davon, "mit wie viel Kreativität und Begeisterung ihr zum Ausdruck bringt, was euch beim Thema Weltethos bewegt".

Dass der gestrigen Auszeichnung, die für fünf Jahre gilt, eine arbeitsintensive, zweieinhalbjährige Vorbereitung vorausgegangen ist, brachte Schulleiter Dieter Weinmann zum Ausdruck. Er erinnerte daran, wie die beiden Lehrkräfte Rita Egger und Chris Bartels im Frühjahr 2013 den Anstoß dazu gaben, sich mit dem Weltethos-Gedanken zu beschäftigen. Die Neugier im Kollegium sei seither stetig gewachsen - "und ohne das weit über die dienstlichen Aufgaben hinausreichende Engagement der Kollegen wäre es nie zu dieser Auszeichnung gekommen", lobte Weinmann. Die Verleihung des Prädikats erfülle die Schule mit Stolz, stelle aber zugleich eine große Herausforderung für die kommenden Jahre dar, schloss der Rektor.

Wie aktuell die Beschäftigung mit kultur- und religionsübergreifenden Werten ist, brachten die Gastredner zum Ausdruck, indem sie einen Bogen zur Flüchtlingsthematik schlugen. "Die vielbeschworene Integration kann nur gelingen, wenn Verständnis zwischen den Religionen vorhanden ist", stellte Bürgermeister Harry Ebert fest. Von daher habe das Progymnasium "den richtigen Riecher" gehabt, sich mit dem Weltethos-Gedanken zu beschäftigen. Auch Landrat Pauli fühlte sich sofort an die vielen Menschen erinnert, "die aus großer Not bei uns Zuflucht suchen". Gerade in dieser Situation seien Mitmenschlichkeit, Solidarität, Toleranz und Gewaltlosigkeit wichtige Themengebiete, "die auch im Mittelpunkt politischer Diskussionen stehen müssen". Die Auszeichnung erfülle den ganzen Zollernalbkreis mit Stolz, hielt der Landrat fest. Und er bat die Schüler, Ideen zu entwickeln, "wie den zu uns kommenden Menschen zu helfen ist - konstruktiv, wachsam, mitmenschlich".

Am Ende des Festakts, der von den Schülern Jan Unmuth, Christian Simmendinger, Elisa Yalman (als Sängerin stark gefeiert) und einem Bläserensemble musikalisch umrahmt wurde, stand eine symbolträchtige Aktion auf dem Schulhof: Weit mehr als 99 Luftballons ließen die Schüler vom Herbstwind davontragen. An jedem Ballon war ein Kärtchen mit einem guten Wunsch befestigt. Auf diese Weise wollten die Burladinger Schüler die Weltethos-Ideen in die Welt hinaustragen.

Stichwort: Weltethos-Schule

Stiftung Weltethos 1995 gründete Prof. Hans Küng in Tübingen die Stiftung Weltethos für interkulturelle und interreligiöse Forschung, Bildung und Begegnung.

Weltethos-Schule An Weltethos-Schulen wird Engagement in der Werteerziehung und die Vermittlung ethischen Bewusstseins groß geschrieben. Weltethos-Schulen finden Wege, die Grundprinzipien der Weltethos-Idee - Gegenseitigkeit, Menschlichkeit, Gewaltlosigkeit, Solidarität und Toleranz - im Schulalltag zu verankern. An Weltethos-Schulen wird auf unterschiedliche Bildungsvoraussetzungen sowie kulturelle und nationale Herkunft der Schülerinnen und Schüler besondere Rücksicht genommen.

Auszeichnung Mit dem Titel Weltethos-Schule zeichnet die Stiftung Schulen aus, welche die Weltethos-Idee nicht nur in ihren Lehrplan aufnehmen, sondern Wege finden, sie im Schulalltag zu verankern. So sollen die Weltethos-Werte von allen

eingeübt, erprobt und gelebt werden.

SWP

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