Grupp will sich als Schlichter üben

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Im September 2010, als die Welt in Burladingen noch in Ordnung war, schenkte Bürgermeister Harry Ebert dem Großsponsor der Trigema-Arena eine große Badeente im lila Nicki. Jetzt revanchiert sich der Unternehmer und baut dem Bürgermeister in Schwierigkeiten eine Brücke zum Gemeinderat.  Foto: 

Wolfgang Grupp schickt sich an, seine ihm von den überregionalen Medien zugedachte Rolle als „König von Burladingen“ anzunehmen und dem drohenden Zerfall seines Reiches Einhalt zu gebieten. Der Trigema-Chef will im massiven Streit zwischen Bürgermeister Harry Ebert und dem Burladinger Gemeinderat vermitteln. Grupp hat Ebert sowie die beiden zurückgetreteten Fraktionschefs Dörte Conradi (CDU) und
Alexander Schülzle (Freie Wähler) zu einem Acht-Augen-Gespräch eingeladen. Und alle haben sich bereit erklärt, daran teilzunehmen. Nur ein Termin muss noch gefunden werden.

„Die Problematik muss vom Tisch – im Interesse von Burladingen“, begründete der Textil­unternehmer seine Initiative gegenüber der HZ. Der Streit schade nicht nur dem Bürgermeister, sondern der ganzen Gemeinde. Deshalb habe er ein Vierergespräch angeboten, „um die Kuh vom Eis zu bringen“. Als Ersten habe er am Montag Harry Ebert gefragt, dann Conradi und Schülzle. Ergebnis: „Alle drei sind bereit.“

Wolfgang Grupp („Ich bin neutral“) will dabei die schwierige Aufgabe unternehmen, zwischen den „Kampfhähnen“ zu schlichten. Wie sein Ansatz aussieht? Grupp: „Der Bürgermeister kann gewisse Dinge nicht so schreiben, wie er sie geschrieben hat.“ Harry Ebert müsse sich „für seine Kraftausdrücke entschuldigen“. Der Trigema-Chef ist zuversichtlich, dass das klappen könnte. In einem SWR-Radiointerview sagte er gestern: „Harry Ebert hat eingesehen, dass er natürlich einen Fehler gemacht hat, und er ist auch bereit, diesen Fehler zu korrigieren, das heißt, sich teilweise zu entschuldigen.

Eine Entschuldigung für die „Landeier“ (so hatte Ebert seine Gemeinderäte genannt) und den „Kadavergehorsam“, mit dem sie im Hechinger Flüchtlingsheim auf „Asylantenschau“ gegangen seien, wird aber kaum ausreichen, um die Gräben, die sich in den vergangenen Wochen zwischen Bürgermeister und Gemeinderäten aufgetan haben, zuzuschütten. „Mit einer Entschuldigung allein ist es nicht getan“, sagt der Freie Wähler Alexander Schülzle. Da müsste Ebert „schon ein paar Schritte weitergehen“. Schließlich habe der Rathauschef nicht nur die Gemeinderäte mit „Verbalattacken“ überzogen, sondern auch das Flüchtlingswohnheim in Verruf bringen wollen. Mit anderen Worten: „Klar bin ich zu einem Gespräch bereit“, so Schülzle. „Aber ich verspreche mir nicht allzu viel davon. Ich weiß, es geht weiter. Ist ja nicht das erste Mal.“ Und egal wie das Gespräch ausgehe: „Ich werde nicht mehr Fraktionsvorsitzender.“ Auch Dörte Conradi (CDU) hat ihre Teilnahme am Schlichtungsgespräch zugesagt, eine Rückkehr in den Fraktionsvorsitz kann sie sich aber „derzeit nicht vorstellen“. Die Christdemokratin ruft in Erinnerung, dass man in der jüngsten Gemeinderatssitzung „das klare Signal gegeben“ habe, „dass wir Herrn Eberts inhaltliche Äußerungen zur Flüchtlingspolitik nicht mittragen und sein despektierliches Verhalten missbilligen.“ Jetzt, so Conradi, sei eindeutig Harry Ebert am Zug.

Am vergangenen Donnerstag hatte Ebert Kritik an seinen Facebook-Äußerungen über das Flüchtlingswohnheim („Armleuchterprojekt“) und an den Gemeinderäten ebenso an sich abprallen lassen wie die von CDU-Stadtrat Ottmar Kuster formulierte Rücktrittsforderung.

Tags darauf hatte Landrat Günther-Martin Pauli ein Disziplinarverfahren gegen den Burladinger Bürgermeister eingeleitet, weil dessen Äußerungen jeglichen Respekt vor dem Ehrenamt vermissen ließen. Daraufhin hatte Ebert seine umstrittenen Äußerungen von seiner Facebook-Seite gelöscht.

Wie geht’s weiter mit der Gemeinderatsarbeit, nachdem die Vorsitzenden beider Fraktionen und die Bürgermeister-Stellvertreter zurückgetreten sind?
Alexander Schülzle (Freie Wähler) betont: „Der Gemeinderat bleibt handlungsfähig.“ Die Fraktionen seien nicht in Zugzwang. Die Arbeit laufe normal weiter. Ohne Fraktionsvorsitzende gebe es jetzt eben keine Vorbesprechungen mehr. Die Verwaltung müsse mit allen Themen gleich ins gesamte Gremium gehen. Auch ehrenamtliche Bürgermeister-Stellvertreter brauche es nicht. Schließlich gibt es ja
einen Ersten Beigeordneten. hy

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