Fahrlässiger Brandstifter muss in Haft

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Blick in den Fideliskindergarten in Burladingen während der Aufräumarbeiten.  Foto: 

Mit eindringlichen Worten richtet sich Richter Hannes Breucker am Montag an die Angeklagten: „Sie haben die Möglichkeit, Ihr Leben neu zu sortieren.“ Das Gericht sehe gute Chancen, dass die Angeklagten es schafften, ihr Leben positiv zu wenden. Im Gefängnis bestehe die Möglichkeit, an sich zu arbeiten. Sie könnten dort berufliche Aus- oder Fortbildungen machen, so Breucker in seiner Urteilsbegründung.

Zwei der Angeklagten schickt das Hechinger Landgericht in Haft. Die Frau aus dem Trio, das in eine Reihe von Kindergärten und Schulen gebrochen war, darf unter Bewährung auf freien Fuß.

Brandstiftung war fahrlässig

Fünf Jahre und sechs Monate muss der 27-Jährige Angeklagte, der für den Brand im Burladinger Fideliskindergarten verantwortlich ist, ins Gefängnis. Mit diesem Strafmaß bleibt das Gericht nur zwei Monate unter der Forderung der Staatsanwaltschaft. Breucker sprach in seiner Begründung von einem fahrlässigen (und nicht vorsätzlichem) Handeln des Angeklagten. „Sie werden Ihr Leben lang an der Schuld zu knabbern haben“, sagte der Richter zu dem Brandstifter.

Unverständlich sei für die Strafkammer die Tatsache, dass die Serie (insgesamt 23 Einbrüche oder Einbruchsversuche) auch nach dem Brand fortgesetzt wurde. „Selbst der Brand hat nicht dazu geführt, dass sie aufgehört haben“, bemerkte der Richter. Die Gesamtbeute der Bande lag bei 13 000, der Sachschaden bei 67 000 Euro. Und das ohne den ausgebrannten Kindergarten, dessen Gebäudeschaden auf rund eine Million Euro geschätzt wird. „Sie haben bis zur Ergreifung alles falsch gemacht. Und danach mit anwaltlichem Rat alles richtig“, resümierte der Vorsitzende Richter.

Die Angeklagten hatten im Prozess umfangreiche Geständnisse abgelegt. So hatte der Brandstifter ausgesagt, nach dem Einbruch in den Burladinger Fideliskindergarten zurückgekehrt zu sein, um einen Schraubenzieher zu suchen. Dabei habe er sich mit einem Feuerzeug geleuchtet, die Flamme sei jedoch versehentlich mit Krepppapier in Berührung gekommen. In der Folge entstand ein Feuer, durch das das komplette Gebäude ausbrannte. Neben dem Geständnis hat der 27-Jährige auch einen Entschuldigungsbrief an den Kindergarten geschrieben.

Mittäterin bekommt Bewährung

Die Einbruchsserie der Gruppe wurde von dem Gericht als die einer Bande gewertet. Auch die Rolle der 39-Jährigen wurde als die einer Banden-Mittäterin und nicht nur als die einer Beihelferin eingestuft. „Es war mehr als das übliche Schmierestehen“, betonte Breucker in der Urteilsbegründung. Die 39-Jährige sei das „Back-up-Office“ der Bande gewesen, sie habe die Männer per Handy und Walkie-Talkie unterstützt. Ihre Schuld sei jedoch geringer zu bewerten als die der Männer, so Breucker. Auch habe die Angeklagte gezeigt, dass sie ihre Lektion in der Untersuchungshaft bereits gelernt habe. Mit dem Urteil gewähre das Gericht der 39-Jährigen einen Vertrauensvorschuss, nun sei die Angeklagte am Zug, so der Richter.

Die 39-Jährige wurde zu einer zweijährigen Strafe verurteilt, die drei Jahren auf Bewährung ausgesetzt wird. Zudem muss sie 60 Arbeitsstunden leisten, Kontakt zur Bewährungshilfe pflegen und sich einer ambulanten Kurzzeitpsychotherapie unterziehen. Ihr Lebensgefährte, der Dritte im Bunde, muss indes für vier Jahre und zwei Monate ins Gefängnis.

Die Große Strafkammer des Landgerichts habe es kaum fassen können, dass „die Menschen, die hier sitzen, solche Taten begangen haben“, so Breucker. Jeder der drei Beschuldigten habe persönliche und auch Geldprobleme gehabt. Dadurch sei die Bande „wie in einem Tunnel“ gewesen, meinte der Richter. Erst bei der Festnahme seien die Angeklagten wieder „erwacht“. Das Gericht habe das Strafmaß indes äußerst gering gehalten, „niedriger konnte man nicht aburteilen“, so Breucker.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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